Stuttgart-Rap-Tag:
Jens Baumgart – Studio Stutt i/O

Jeanz

Im Rahmen unserer Recherche zu dem Stuttgart-Rap-Tag bekamen wir auch eine Email von der Pop-Sängerin Lean, die dieses Jahr mit ihrem Debütalbum „Lockstoff“ Achtungserfolge feiern konnte (tritt übrigens am Samstag, 19.12. unplugged in der Stuttgarter Kiste auf). Sie erzählte uns, dass sich die lokale HipHop-Szene gerne im Studio eines gewissen Jens Baumgart trifft. Da galt es nachzufragen.

Baumgart betreibt in Gerlingen das Studio Stutt i/O und empfängt dort nicht nur Rapper, sondern hat sich auch auf Filmsynchronisation spezialisiert. Das Hintergrund-Interview im Rahmen unseres Stuttgart-Rap-Tag.

Stell dich mal kurz vor – wer bist du, was machst du?

Mein Name ist Jens Baumgart, auch Jeanz oder „Der Vater“ genannt. Mein Studio trägt den schönen Namen Stutt i/O, was natürlich von Stutt wie Stuttgart kommt und i/O ist ein Begriff aus dem Audiobereich und steht für Input/Output.

Ich recorde, mische und mastere alles was mit Audiodaten zu tun hat. Weiterhin betreue ich mehrere Projekte und versuche stets mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Wie bist du zu diesem Beruf gekommen?

Nach meiner Ausbildung zum staatl. geprüften Berufkollegiat für Kraftfahrzeugtechnik (wow! liest sich ja richtig wichtig!), dachte ich mir, da muss doch noch mehr gehen. Ich ging zum Daimler ans Band und finanzierte so mein Studium in München zum Audioengineer. Als ich mit meinem Diplom wieder nach Stuttgart zurückkehrte, baute ich mir 2006 in Handarbeit mein Studio in Gerlingen auf.

Bei dir trifft sich die lokale HipHop- und Musikszene. Wer geht bei dir ein und aus?

Maeckes und PlanB, Kodimey, Kaas, Tua, Scotty76, Franky Kubrick, Jifusi, P-Nomenon, Hakanak, KMH, Herr Lehmann, Dj Jopez, Dj Phil P, Lean, DamDam, Sancho, Edvice, Dre, Amaris und weitere überregionale Acts wie Kool Savas, !Bazz, Moe Mitchel, MoTrip, Ercandize, Amar, Caput, Cora E., Das BO, Morlock Dilemma und aus den Staaten dem Franchize Boyz und viele weitere.

Stichwort Kool Savas, der erst kürzlich für das Juice Magazin eine exklusive EP veröffentlicht hat, was habt ihr gemacht?

Das mit Savas war eine lustige Sache. Er war kurz zuvor nach Stuttgart gezogen und hatte auf Kaas´ Album „Amokzahltag:D“ (nach kontroversen Diskussionen letztendlich unter dem Namen „T.A.F.K.A.A.Z:D the album formerly known as Amokzahltag:D“ erschienen, Anmerkung Kessel.TV) ein Feature.

Kaas fragte mich, ob ich das bei mir im Studio recorden will. Als alter Savas Fan zögerte ich nicht und so kam es zum ersten Kontakt, woraus sich noch eine Menge Projekte ergaben, wie z.B. die DVD auf der John Bello 2 Brainwash Edition oder auch mehrere Tracks, die von Sir Jai in meinem Studio recorded wurden, z.B. auch ein Brainwash Remix mit „dem Franchize Boyz“.

Durch diese enge Zusammenarbeit mit Savas kam ich auch zu meinem Beinamen „Der Vater“. Bei den Vorbereitungen für die John Bello Story 2 Tour im letzten Jahr, die bei mir im Studio gemacht wurden, war ich derjenige, der immer geschaut hat, dass alle beteiligten Künstler sich wohl fühlten und versorgt waren. So kam ich durch meine „väterliche“ Fürsorge, die ich für alle Projekte habe, zu diesem Beinamen.

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(Baumgart und sein Studiopartner DJ Jopez, der wiederum mein DJ-Partner ist (Joe & The Paramoses).)

Was machst du genau mit den Produktionen, die dir die Künstler vorlegen?

Da gibt es keine Pauschalantwort. Wenn ich für jemanden was mache, beraten wir immer das gesamte Projekt. Der Künstler soll sich bei mir rundum wohl fühlen, denn nur so kommt am Ende des Tages das beste Ergebnis für alle raus. Denn ein gutes Album oder ein guter Track ist natürlich auch die beste Werbung für uns.

Wie beurteilst du die Qualität der aktuellen Stuttgarter HipHop-Szene?

Wie schon so viele vor mir sagten, schrumpft sich die Szene gesund oder besser gesagt hat sie es schon getan. Es geht nicht mehr um den schnellen Euro. Die Musiker, die jetzt noch Musik machen, machen es aus Leidenschaft und nicht nur des Geldes wegen.

Das führt meiner Meinung nach wieder auf ein höheres Niveau in der HipHop Szene, was auch dringend nötig ist. Wenn es mein Zeitmanagement zulässt, besuche ich meine Jungs auch gerne mal im Club und mache mir ein Bild was gerade so angesagt ist. Da mein Studio-Kollege Jopez auch im Stuttgarter Nachtleben aktiv ist, bekomme ich so immer mit wann und wo was los ist.

Du machst auch Synchronisationen für Filme und Fernsehen. Wie kommt man dazu, wie ist der Ablauf, wie wird da gearbeitet?

Zum Synchronisieren bin ich über einen Kollegen aus meiner Studiozeit gekommen. Als in Ludwigsburg die ARD Serie „Eine für Alle“ gedreht wurde, machte ein Studio aus München die Audio-Post-Produktion. Ich wurde gefragt, ob ich helfen kann und so kam eins zum anderen. Plötzlich war ich auch in der Filmbranche tätig.

Dabei arbeite ich mit einem Dialogbuchautor und Synchronregisseur, welcher sich um die Lippensynchronität kümmert, während ich mich auf die Aufnahmen und das Mischen konzentriere. Im Endeffekt muss der Film auf Deutsch funktionieren. Wenn beim fertigen Film nichts negativ auffällt, war meine Arbeit gut.

Das Schwierigste am Synchronisieren ist meiner Meinung nach das komplette Projektmanagment. Dies beinhaltet die Organisation von Sprecherbesetzung über Sprecherbuchung, Studiobelegung und das einhalten von Deadlines. Aber am Ende freut man sich doch über einen schönen Film auf Deutsch.

Was hörst du privat für Musik?

Eigentlich nur HipHop. Gerne auch ältere Sachen aus den 90ern und der Jahrtausendwende. Bei den neueren Hits vertraue ich auf den Geschmack von diversen DJs in meinem Umfeld, da ich leider durch meine Arbeit nicht mehr soviel Zeit habe dem aktuellen Geschehen zu folgen.

Aktueller Lieblingsact?

Tagesform abhängig.

www.stutt-io.de

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