Von Stuttgart nach Leonberg mit dem X2 Bus (ExTwo)

Jeder liebt den ExOne. Okay, wir zumindest. Kessel.TV ist eingetragener ExOne Fanclub, mit Kassenwart und Kässle für die nächste Free WLAN-Fahrt. Seit kurzem gibt es die zweite Schnellbuslinie X2. S-Mitte – West – Leonberg und zurück. Unser Gastautor und Lifetime-KTV-Kombl Reimi ist den Leo-folierten X2 testgefahren. Wie einen Erlkönig. Nur anders.

Es ist 9 Uhr, ich kauf mir ein Ticket. Das klingt erstmal nicht so spannend, wie es für mich persönlich wirklich ist. Denn als ich das letzte Mal um 9 Uhr morgens Bus gefahren bin, war das an einem Sonntagmorgen nach dem Climax und Abfahrtsort war der Bahnhof Bietigheim („Der 4-3-0 bringt mich nach Hause, kein Ticket kein Problem“).

Was ich bis zum einsteigen nicht wusste: Nicht nur für mich ist heute ein besonderer Tag und die erste Fahrt mit dem X2. Nein, auch unserer Fahrer hat heute seine Jungfernfahrt mit dem X2 (Herzleaugen-Emoji). Das erzählt er mir, als ich ihn frage, ob ich in Leonberg einfach sitzenbleiben kann und mit ihm zurückfahre. Er meint: „Das weiß ich selbst noch nicht, wie das läuft. Müssen wir mal schauen, ist für mich das erste Mal auf der Strecke.“ 

Das kann doch kein Zufall sein, dass wir beide das erste Mal im X2 sitzen. Am Valentinstag. AM VALENTINSTAG. Ich rechne jeden Moment damit, dass Kai Pflaume bei der nächsten Station einsteigt und aus den Lautsprechern im Bus schallt „all you need is love“.

Natürlich habe ich mich ein bisschen auf meine erste Tour mit dem X2 vorbereitet und mir extra eine Spotify Playlist namens „Bus(t) of“ angelegt, nur Bus-Hits. 

Und los geht es mit dem LEO-Express, erste Station „Österreichischer Platz“. Niemand steigt aus, was man aber auch niemandem verübeln kann. Der Österreichische Platz ist für mich das Hannover unter den Haltestellen. (Auch wenn man aktuell schwer versucht, den Ö-Platz gut zu tunen.)

Wir fahren weiter zum Feuersee, hier steigt ein älteres Pärchen ein, das eigentlich bis zur Senefelderstraße weiter mitgenommen werden möchte. Allerdings hält der X2 erst wieder an der Schwabstraße. Die Stimmung kippt, das Bruddeln beginnt.

Wir passieren die Kleiststraße und hier steigt der letzte Fahrgast aus. Bedeutet, ich habe den Bus für mich. Fühl mich ein bisschen wie Friedrich Merz, nur besser aussehend und liberaler. 

Der X2 steigt hoch auf die Solitude und prescht in einem Tempo, das einem Leoparden würdig ist, weiter Richtung Schillerhöhe. Es ist mittlerweile 9:15 Uhr. Fahren die Bosch-Mitarbeiter nicht zum Vespern kurz heim? Anscheinend nicht, denn niemand steigt ein. 

Auch an der folgenden Station „Waldsiedlung“ keine neuen Zustiege. 

Und dann halten wir in Ramtel, ist das etwa das neue 5G Telekommunikationsnetz von RAM? Vielleicht kann das mal einer für uns herausfinden. Der Chef jedenfalls lässt nichts raus. 

Weiter geht die wilde Fahrt Richtung „Leonberg Golfplatz“. Ich bin ein bisschen enttäuscht, weit und breit kein Norman Topsolo zu sehen. Wahrscheinlich ist er schon bei Loch 18 und im Modus „Woiza hoiza“ angekommen. 

Danach fahren wir direkt auf den Engelbergturm zu, das Wahrzeichen der Stadt Leonberg, 37,40 Meter hoch. 

Nächster Halt: Bildstöckle. Der Agentur-Armin in dir sagt jetzt, halt mal ist das nicht? Ganz genau, das ist es. Das Headquarter von Shutterstock sitzt in Leonberg und trägt noch den Gründernamen Bildstöckle. Hier kann man noch was lernen, Freunde!

Über die Altstadt, den Törlensweg und das Johannes-Kepler-Gymnasium nähern wir uns langsam dem Bahnhof Leonberg. Ich erwische mich mittlerweile selbst dabei, wie ich innerlich bei jedem Halt den Song „X“ von Xzibit mitsinge und dazu die Hände über dem Kopf kreuze.

Außer dem Café Bistro „Drehscheibe“ hat der Bahnhof Leonberg nicht so viel zu bieten und ist eher ein Ort, dem man am besten wie einen lauten Furz im Bus beschreibt: unangenehm. 

Wir haben sechs Minuten Zeit am Bahnhof Leonberg, bevor es weitergeht. Für mich genug Zeit dem Fahrer ein paar Fragen zu stellen. Ich fühle mich wie jemand, der sich für eine Person ausgibt, die er gar nicht ist, nämlich ein Journalist. Wie so jemand von der Stuttgarter Zeitung zum Beispiel.

Der Fahrer beantwortet mir alle Fragen höflich und geduldig. Ich weiß nicht, ob es am super Wetter oder dem Valentinstag liegt, aber seit heute hat sich mein Weltbild von Busfahrern für immer verändert. 

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2 Comments

  1. says: Helli

    Meine ErFAHRUNG mit dem X1: Die mitleidigen Blicke schnöder Fußgänger ertrage ich gerne; weiß doch selber dass ich zu Fuß durch den Park schneller am HBF bin als mit dem X1 Schleichbus. Aber der pure Luxus treibt mich um. Und wenn dann der Gepard zu seinem berühmten (Katzen-)Sprung ansetzt und auf seiner ihm eigenen Busspur alle Gegner in Grund und Boden fährt, um sich nach 800 Metern wieder in den endlosen Stau einzufädeln, was ein Genuss! Fehlt noch die obligatorische Saftschubse mit dem Getränkebollerwagen und schon tät ich ein Abo kaufen.

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