Allerfeinste Pop-Nachhilfe: Andy Warhol’s Interview als deutsche Ausgabe

Wie immer unaktuell bis zum Gehtnichtmehr: Kessel.tv. Die Tageszeitung unter Deutschlands Superblogs gibt mit einer Woche VerspĂ€tung ihren Senf ab zur spannendsten Neuveröffentlichung im deutschen Journalismus der letzten Jahre (Superlative erzeugen im sibirischen FrĂŒhling WĂ€rme).

Vergangenen Freitag erschien erstmals – im guten alten 92er MAX Überformat – die deutsche Ausgabe von Andy Warhol’s Interview. Mitverantwortlich fĂŒr das Magazin im Überformat ist der Exil-Filder-Warrior Jörg Rohleder, den wir rund um seinen Roman Lokalhelden einige Male auf dem Blog hatten.

Das Echo zum Magazin ist geteilt: Spiegel Online dreht durch und sagt „Interview ist kein Leichtgewicht – und damit der Gegenentwurf zum allgemeinen Digitalisierungstrend.“ Die FAZ dagegen findet die neue Publikation natĂŒrlich – muss man machen, wenn man beim inhaltsschwersten Blatt der ganzen Welt arbeitet – eher so mittel und nennt das Magazin „eine leidenschaftliche Unvernunftehe zwischen Ă€sthetischem und intellektuellem Hochsnobismus“, in einem hauseigenen Blog wird sogar richtig abgekotzt.

Und Willi Winkler, das gute Gewissen der SĂŒddeutschen Zeitung, freut sich am meisten ĂŒber das Interview zwischen Arianna Huffington und Scarlett Johansson und den im Text platzierten Satz „Erst Somalia, dann flache Schuhe“ – Winkler findet es voll doof, dass man das Krisengebiet Somalia und High Heels in einem Text verarbeitet.

Womit wir beim Konzept des Oschos wĂ€ren. Hauptelement: Ein Promi interviewt einen anderen Promi. Das kann ĂŒberraschenderweise gut sein, wenn die Promis gut sind, das kann aber auch eher dĂŒnn sein, wenn, richtig, Sascha Gerecht Heid Klum interviewt.

Kommt im Heft zwar nicht vor, kann aber nur gruselig sein. In der deutschen Nr. 1 ist zudem noch ein fetter Bonustrack auf mehreren Seiten am Start, der alte Warhol-Interviews beinhaltet, zum Beispiel mit dem jungen Michael Jackson. Der Teil ist allerfeinste Pop-Nachhilfe.

Schöner kessel.tv-Bezug zum Blatt: Der inoffizielle Cosimo-Biograph Moritz Drung durfte an Interview mitarbeiten, weil Kollege Rohleder seine Schreibe fĂŒr KTV so gut fand (ehrlich jetzt). Jetzt hat Moritz zum Heftstart einen Skater portraitiert und steht im Impressum direkt vor Clint Eastwood. Kann man schon mal machen.

Was man auch machen kann: Interview fĂŒr sechs Euro am Kiosk seines Vertrauens kaufen, am Samstag schmökern, um abends dann Moritz mit seiner Band Vagabond Stories in Esslingen beim Winterfest im Komma live anzuschauen. WĂŒnsche allen ein gutes GesprĂ€ch ganz im Sinne von Stefan Kaufmann.

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7 Comments

  1. says: MaxHase

    „Was man auch machen kann: Interview fĂŒr sechs Euro am Kiosk seines Vertrauens kaufen, am Samstag schmökern, um abends dann Moritz mit seiner Band Vagabond Stories in Esslingen beim Winterfest im Komma live anzuschauen.“

    ?CHECK

  2. says: franzi

    halb hamburg ist gerade mit der werbung zugekleistert…allerdings erschließt sich mir dank euch hier, dass es sich um eine zeitschrift handelt. das hĂ€ngt hier ĂŒberall zwischen cabaret- und theaterwerbung, also dachte ich, ja könnte man sich ja mal karten dafĂŒr kaufen 😉

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