Schließt nach 34 Jahren: Bye Bye Café Bar in Stuttgart West

soho

Das war doch ein wenig eine überraschende und bissle traurige Nachricht: Das Café Soho in der Schwabstraße 16A macht zu. Nach 34 Jahren. Das heißt bei der Eröffnung haben die meisten Leute, die heute ausgehen, noch gesandelt. Oder noch wahrscheinlicher: Waren nicht mehr als ein feuchter Traum von Papa.

In Zeiten von Hotspots und Boulevards ist die nette Kneipe mitten im Westen in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten, und ich muss zugeben, dass ich auch schon sehr lange nicht mehr dort war. Aber ich habe von 1996 bis 2000 direkt gegenüber gewohnt, im Hinterhof der Schwabstraße 33, und da war das einfach die nächstgelegene Gastro.

Und dazu kommt: „Damals“ gab es halt einfach nicht so ne große Auswahl. Wenn man nicht in nen Club wollte und keinen Bock auf Palast hatte ist man tatsächlich abends ins Café Stella oder später ins Deli, morgens in die Akademie der schönsten Künste und ins Herbertz oder ganz früh morgens ins Litfaß oder eben ins Soho.

Besitzer Carsten war damals und bestimmt bis heute ein sehr netter Typ, er hat uns im Soho unsere erste Manga-/Anime-Filmnacht machen lassen, die wir später im Traveller’s Club (heute zwölfzehn) fortgeführt haben.

Legendär auch die 24-Stunden-Stuttgart-Tour für Prinz. Muss so 1997/98 gewesen sein. Ich mit zwei Kolleginnen und teilweise (damals) Nightlife-Mogul Uwe Reiser (heute Kunst-Mäzeen) Samstagmorgen gestartet und tatsächlich 24 Stunden durch die Stadt gezogen, mit Flohmarkt, diversen Cafés, Partys und Restaurants, und am Ende Sonntagmorgen im Soho gestrandet, wo wir auf Dr. J von der Band Goodmen Gone Bad getroffen sind.

Ich mochte meine Hood, Ecke Schwabstraße/Rotebühlstraße, vor allem weil ich bis heute glaube (sicher bin ich nicht), dass an der Ecke das erste Video zu A.N.N.A. von (damals noch) Max und sein Freundeskreis gedreht wurde, vor dem Kaba Sound. Wenn nicht sah es zumindest so aus.

Den Kaba Sound gibt es seit heute nicht mehr (Gebäude wurde erst kürzlich abgerissen), genauso wenig wie das Oma Café an der Ecke, wo ich mangels Alternativen das ein oder andere Frühstück einnahm. Oder das halb verfallene Haus links vom Soho, das eines Tages während meiner Schwabstraßen-Zeit sogar besetzt wurde – inklusive Gegenständen aus dem Fenster werfen und riesigem Polizei- und Feuerwehr-Aufgebot.

Schade um eine Institution, die dieses Wort mehr verdient als die meisten Kneipen in der Stadt je werden.

Am Samstag steigt ab 20 Uhr die Abschiedsparty mit Open End

soho_abschied
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20 Comments

  1. says: easternbasti

    schade… war immer sehr relaxed da, hab ich früher immer gerne zum frühstück besucht… um 15h oder so…

  2. says: Herr Cut

    Das „Oma“ Cafe hieß Kipp und war auch einer der wenigen Orte wo man Kuchen bekam auf dem kein Logo von Coppenrath und Wiese stand.
    Und das Soho ist/war heute noch meine beliebteste Kneipe auf nur „ein“ Bier und bisschen Kickern. Schade schade Marmelade

  3. says: jaytext

    wer kuchen wie im oma-café sucht, kann z.b. bei hummel am bubenbad fündig werden. und „ein bier und kickern“ geht sicher bald in hennis neuem laden an der hauptstätter. bei allem verständnis für nostalgie: freut euch doch auch mal an neuem

  4. says: jaytext

    @ram&weh bin ganz ruhig, war von mir als aufmunterung gemeint. heul ja selbst meiner vergeudeten jugend in diversen kneipen, clubs und cafés nach

  5. says: MCBuhl

    Kann man vielleicht auch mal so sehen: mal ein Ort, der für viele und vieles wichtig war, der nicht schließen muss, weil Stadt will was bauen, Feuerwehr findet einen Haken oder Investor hat ne andere Idee. Und! 34 Jahre!
    Ok, der Anker in Bernhausen hat 100 :-*

  6. says: hope

    Soho hat einfach zum el barrio gehört. Bierchen trinken, geschmeidig ein Kickern und lässige Mucke – Wohnzimmer ums Eck eben. Nichts gegen Neues, aber wenn nun ne „Sytemgastro“ einzieht, wird wohl nach ner Runde Jägermeister niemand mehr ab 23.00 aufm Tresen tanzen….und das ist erstmal reichlich traurig und ein dicker Verlust. Farewell Soho…

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