Reflect-Kolumne: Ain’t No Berg High Enough

andreabergtourbus

Durfte mal wieder eine kleine Kolumne f├╝r das reflect raushauen. Hier kommt der Remix. F├╝r die Altersangabe in der Autoren-Info habe ich mir sogar eine neue Software ma├čschneidern lassen. Volkswagen nutzt die auch. Think big, sag ich immer.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich mich das letzte Mal wirklich sicher gef├╝hlt habe. Die ARD warb damals auf beleuchteten Anzeigetafeln f├╝r die Themenwoche ÔÇ×SterbenÔÇť. Da stand in sehr gro├čen Buchstaben: ÔÇ×Sie werden sterben. Lasst uns dar├╝ber redenÔÇť

Es ist nie verkehrt, nicht komplett blind durch die Welt zu laufen. Ich fragte mich trotzdem, wer denn eigentlich jetzt sterben m├╝sse und ob man das unbedingt bewerben sollte. Nur ein paar Minuten sp├Ąter sa├č ich in einem Flugzeug, Sudoku auf dem Scho├č und den Schlaf noch im Gesicht, als pl├Âtzlich die Schlagers├Ąngerin Andrea Berg zwei Reihen vor mir Platz nahm ÔÇô ein f├╝r ihre Verh├Ąltnisse recht unspektakul├Ąrer Auftritt ohne Feuer, Nebel, Beate-Uhse-Fummel oder Lichtshow.

Sie duftete lediglich wie mehrere Douglas-Filialen gleichzeitig ÔÇô obwohl ich nicht genau sagen kann, wie das riecht. Selbst in Shopgart liegen deren Zweigstellen noch immer weit genug voneinander entfernt, als dass man sie gleichzeitig erschn├╝ffeln k├Ânnte.

Aber: Ich f├╝hlte mich sicher. Kein Gott w├Ąre derart niedertr├Ąchtig, mich ausgerechnet in einem Flugzeug mit Andrea Berg sterben zu lassen. Ihr ging es vermutlich ├Ąhnlich. Und Gott so: ÔÇ×KriegÔÇÖ dich mal ein, B├╝rschchen! Ich hab noch anderes zu tun, als mir den ganzen Tag zu ├╝berlegen, wie ich Dich umbringe.ÔÇť

Vielleicht hat das auch lediglich eine Stimme in meinem Kopf gesagt. Viele Menschen missverstehen ihre eigenen Hirnf├╝rzchen regelm├Ą├čig als die Stimme Gottes.

Ein Freund berichtete mir j├╝ngst im Vertrauen, er sei fr├╝hmorgens von einer Stimme aus dem Schlaf gerissen worden. Sie mahnte ihn eindringlich: ÔÇ×Vergiss nicht, ein Museum f├╝r Reibekuchen zu er├Âffnen!ÔÇť

Wir einigten uns darauf, dass es sich mit Sicherheit um eine Art g├Âttliche Eingebung handeln m├╝sse, Gott aber nachweislich entweder gerade ziemlich besoffen war oder anderweitig nicht alle Latten am Schrank habe. Normale Leute animieren niemanden dazu, ein Museum f├╝r derartige Sparten-Lebensmittel zu er├Âffnen.

Aber normal ist hier gar nix mehr. Manchmal bleibe ich sogar absichtlich zu Hause oder/und lasse Hund und Freundin menschenverachtende Witze ├╝ber mich machen. Das ist allemal besser als da drau├čen ins Kreuzfeuer der vollkommen Verr├╝ckten zu geraten. Auch wegen Angst und Terror und so.

Und von ├╝berall her schallt es: ÔÇ×Aber genau das ist es doch, was die wollen. Wenn Du Dir diese Freiheit nehmen l├Ąsst, dann haben die Terroristen doch schon gewonnen!ÔÇť

Nee, ham se nich. Ich f├╝rchte mich nicht mehr und nicht weniger davor, mit dem Flugzeug abzust├╝rzen, dem ICE zu entgleisen, auf dem Zebrastreifen ├╝berfahren oder von Terroristen kaltbl├╝tig erschossen zu werden, als ich das bislang auch getan habe.

Mich besorgen vielmehr die Dummen. Ja, die Dummen, die ihren verschissenen Rassismus von drei Promille oder von CSU, Pegida und AfD legitimiert wissen. Mir bereiten die Idioten Bauchschmerzen, die ihre kurzen Wege mit L├Âsungen verwechseln. Ich bin furchtbar genervt von den Erkl├Ąrb├Ąren, die alles l├Ąngst geschnallt haben. Und ich f├╝rchte mich vor den ├ängstlichen, die mich erst freudig anl├Ącheln, wenn ich mich meinem Koffer am Bahnhof wieder n├Ąhere.

Vergangene Woche hatte ich miese Laune, Langweile und Bl├Âdsinn im Kopf. Eine verheerende Mischung. Ich stellte mir kurz vor, jetzt ÔÇ×Aloha NacktbarÔÇť durch die Bahnhofsvorhalle zu br├╝llen. Nur um zu gucken, was passiert ÔÇô und nat├╝rlich weil es ├Ąhnlich wie ÔÇ×Allahu AkbarÔÇť klingt. Hab ich nat├╝rlich nicht gemacht. Doch als alter Islamexperte wei├č ich, dass Mustafa-Muster-Muslim das durchaus auch mal sagt, wenn er endlich seinen Hausschl├╝ssel findet oder es doch noch rechtzeitig zur Bahn schafft.

Damals im Flugzeug mit der Traumpiratin Andrea Berg wurde es auch ohne Gott noch super. Nach der Landung schenkte mir die Flugbegleiterin am Ausgang ein kleines Herz aus Schokolade. Sie bemerkte meine Freude dar├╝ber und schob mir, fast ein bisschen heimlich, gleich noch eines zu. F├╝r einen kurzen Moment f├╝hlte ich mich wieder wie ein Kind. War super damals. Die Jugend ist hart aber zumindest ehrlich und echt.

Da hatte ich zwar Angst vor dem Atomkrieg, dass Mama und Papa umziehen und mir nicht Bescheid sagen w├╝rden oder dass ich ungek├╝sst sterben m├╝sse. Aber richtig Schiss hatte ich nur vor Klassenarbeiten und Typen wie Jochen, Markus oder B├╝lent, dem fetten T├╝rken, der mich ab und an verkloppte. Ein anderer T├╝rke hat B├╝lent sp├Ąter eine reingehauen und mit mir highfive abgeklatscht. Dann war Schluss damit und B├╝lent fortan ganz okay.

Und gerade hasse ich mich daf├╝r, mit einem netten Muslim hausieren zu gehen. Als ob es n├Âtig w├Ąre. Aber auch weil wir damals weder Christ, Moslem, noch sonst was waren ÔÇô das waren unsere Eltern. Wir waren Kinder und ziemlich cool drauf.

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