Review: Auf dem Stuttgarter HipHop Open 2013

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Was war das für ein Wochenende. In Stuttgart ist ja immer irgendein Fest, aber da hat’s echt gebollert im Kessel. Bohnenviertelfest, Fischmarkt, Kinder- und Jugendfestival, Lange Ost-Nacht, Fest der Kulturen, Cannstatter Fischerstechen (ja echt), und natürlich HipHop Open.

Ich hab mich für letzteres entschieden und es nicht bereut. Wie jedes Jahr großes Abklatschen im VIP-Bereich, fast so viele Stadtnasen da wie bei der Kessel.TV-Lesung und dankendweiser eine Tribüne mit Dach.

Denn – und das war jetzt weniger überraschend – es war bollenheiß. Das Publikum hat entsprechend gelitten, dafür gab’s vorne an der Bühne Wasser umsonst, an den Bars wiederum zeitweise keins, aber der Mangel wurde dann auch behoben.

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Musikalisch auch alles im grünen Bereich: Von Action Bronson noch zwei Songs mitbekommen, kam aber insgesamt gut an, dann die überaus solide Show von Blumentopf angeguckt (Kommentar von einem Mittzwanziger mit deutlicher Schräglage von hinten: „Ihr seid doch schon 40!“) – auch wenn „Party Safari“ stimmungsmäßig wahrscheinlich besser gewesen wäre als die zahlreichen neuen Songs, die können’s halt.

Dann kam Left Boy, von dem ich ehrlich gesagt nicht viel wusste – ein Österreicher aus New York und witzigerweise der Sohn von André Heller, dem großen Show-Zampano. Deshalb vielleicht etwas albern, dass er die Ansagen auf Englisch gemacht hat, aber ansonsten gute Beats, guter Flow und bei Papa die Show abgeguckt mit Tänzern, Masken und Kostümen. Und das Rauchfeuerwerk zum Abschluss konnte einiges.

Weiter ging’s mit Tyga, bei dem das einzig bemerkenswerte war, dass er komplett alleine mit DJ auf der Bühne stand. Ansonsten halt Programm-Runtergespule, und irgendwie ist nicht mal bei „Rack City“ so richtig der Funke übergesprungen.

Dann definitiv der erste Höhepunkt des Tages: Marteria. Ich kann mit seiner Musik nach wie vor nur relativ wenig anfangen, aber live ist der Typ echt ne Bombe. Dicke Beats, gute Raps, kein Gepose und dann ein kurzes Interlude als sein Alter Ego Marsimoto mit – wie im letzten Jahr – grüner Wolke. Cooles Spektakel, großes Kino.

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Inzwischen hatte sich rumgesprochen bzw. wurde auf Facebook verkündet, dass der Wu-Tang Clan sich verspätet und deshalb mit den Beginnern – eigentlich platziert als Abschluss – den Slot tauscht. Davor aber noch mit einem Überraschungs-Auftritt die Maskenrapper Genetikk. Sind ja gerade schwer angesagt, ich kann damit nix anfangen und der Live-Auftritt war auch eher: geht so.

Dann aber die große Bombe, riesen Erwartungen und erfreute Gesichter: Beginner mit einem legendären Auftritt. Großer Bühnenaufbau mit dem höchsten DJ-Pult diesseits des Atlantiks für MAD, Denyo und Eißfeldt in Top Form, alle Klassiker am Start aber nicht langweilig oder abgedroschen sondern mit freshen neuen Beats kombiniert. Hammer Sache, entsprechende Euphorie im Publikum und sogar auf der VIP-Tribüne.

Ach ja, und dann kam auch noch Wu-Tang Clan. Hab zwar nur drei Lieder gehört, weil ich dann zu den Flip Flop Open musste, aber es war so wie ich es befürchtet hatte: Acht Typen stehen auf der Bühne und schreien gleichzeitig ins Mikrofon. Man hört weder die Beats noch wer gerade rappt – und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da, der Auftritt kam, wenn man sich umhört, nicht wirklich gut an.

Ansonsten: Top Festival, im Großen und Ganzen gut organisiert, von Ju Tang sauber moderiert und auch das anschließende Highlight des Wochenendes, die Flip Flop Open, waren ein voller Erfolg – allein, dass Kutmaster Krupa permanent auf der Tanzfläche war, wird in die Geschichtsbücher eingehen.

Fotos zur Verfügung gestellt von DJ Friction, in chronologischer Reihenfolge:

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Beginner als es noch hell ist

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Beginner als es schon dunkel wird

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Wu-Tang Clan als es schon dunkel ist

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Sundowner

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DJ Emilio mit aufdringlichem Fan

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DJ Emilio mit noch aufdringlicherem Fan („Darf ich auch mal DJ spielen?“)

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30 Comments

  1. says: Pete

    muss schon toll sein , wenn man vip ist. sollte man auch gleich öfters erwähnen. vielleicht geht es nur mir so, aber der blog wird immer mehr zu einer selbstbeweihräucherung einiger „stadtnasen“.

  2. says: Peter

    Wenn RZA nicht da war, wer war dann der Typ mit der Champagner-Flasche? Der Sound bei Wu-Tang war wirklich unterste Schublade, deshalb würd ich auch nur zu 90% sagen dass das RZA war… aber hat sich ja schon so angehört.

  3. says: martin

    wobei friction z.b auch den soundmischer in schutz nimmt. klingt irgendwie logisch:

    „Wu Tang Clan – 10 leute brüllen ab dem ersten Song möglichst gleichzeitig in’s Micro damit der soundmischer erst mal einen Vogel bekommt…das dann noch über schlecht abgemischte dreckige Wu Beats – fertig ist der Soundbrei…schade eigentlich“

  4. says: Gonzo1988

    Rza war da , meiner Meinung nach war die Tontechnik unterste Schublade, hab den Clan jetzt zum 3. Mal live gesehen und so grottig wars noch nie

  5. says: dozy

    RZA war da! Ne Freundin von mir ihn hinter der Bühne getroffen (inkl. Beweisfoto 🙂 ). Keine Ahnung warum die StZ denkt er sei nicht da gewesen.

  6. says: Dee Kay

    Ja, ich war dort und teile den Eindruck: Marteria und Beginner Highlights, Wu-Tang schwach.
    Aber ich hab mich auch sehr über Genetikk als Special Guest gefreut. 😉

  7. says: Kollege Geiger

    Jaytext: das war ein basslastiges „Goat die Scheisse scho wieder los?“
    Elbe: ich steh in Jaytext’s Schuld. Der hat mich in der Hand. Hat mir Geld für die Eintrittskarte geliehen. Soprano Style.

  8. says: Lu

    meiner Meinung nach war der Sound schuld an dem kurzzeitigen abbrechen vom Clan. Würde nur zugern wissen wer da was verkackt hat.. ne fette PArty ganz vorne vor der Stage wars trotzdem .) Highlight war Method Man der sich mal wieder mit voller hingabe in die crowd geworfen hat .)

  9. says: Niko

    Hat eigentlich jemand was von dem tollen „Wasser for free“ mitbekommen, von dem der Ju da vorne die ganze Zeit so munter geschwätzt hat und dabei mit seinem Finger in eine willkürliche Richtung gezeigt hat? Stand da mal ein Sixpack Ja-Wasser vor der Bühne?

    Scheint jedenfalls nicht viel von dem tollen friene Wasser da gewesen zu sein, denn an den Ständen war das Wasser (3 Euro übrigens, auch eine sehr zweifelhafte Ankündigung mit den „Getränken zu korrekten Preisen“) und zwischenzeitlich sogar auch Cola und Fanta oft für längere Zeit ausverkauft.

    Wer nicht sterben wollte, hat also mindestens noch mal 20 Euro alleine für Wasser ausgeben müssen. Irgendwann habe ich dann einen Wasserhahn gefunden, der aber auch nicht ausgeschildert war. Einer für 14.000 – sehr schwache Quote.

    Fand ich super schlecht organisiert, bei 35 Grad im Schatten erwarte ich freies Leitungswasser überall und gut ausgeschildert. Sollen sie halt die Feuerwehr rufen oder irgendwelche Hydranten aufdrehen. Aber das haben noch keine Festivalmacher auf der ganzen Welt hinbekommen, denen stehen bei solchen Temperaturen dann eher die Dollarzeichen in den Augen weil ihr bekacktes Bonaqua hektoliterweise für Wucherpreise verticken können.

    Wu Tang fand ich auch Mist, aber das lag nicht an den Temperaturen.

  10. says: Dee Kay

    Also beim Openin Festival in Mannheim gabs Wasser for free. Nur Pfand musste man zahlen.
    Aber da wars auch nur 5 Grad warm 😀
    Dennoch sollte man sich das mal als Beispiel nehmen.

  11. says: Frau Doktor

    Schöner FReudscher Verschreiber: In dem Englisch, das ich gelernt habe, heißt Fuck wit Flachwichser. Das scheint die meisten WTC Fans auf Facebook (und auch diverse Mitglieder) ganz gut zu beschreiben.

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