Geheimdokument: Fernsehturm soll abgerissen werden

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Am 30.1.2016 eröffnet nach knapp drei Jahren wieder für Besucher der Stuttgarter Fernsehturm, der im März 2013 von Fritz Kuhn öffentlichkeitswirksam geschlossen wurde, weil es im Brandfall keinen sicheren Fluchtweg gäbe, wenn die Aufzüge ausfallen. Die Kosten für die Sanierungsmaßnahmen belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro.

Die Wiedereöfffnung ist allerdings eine Farce: Bereits am Tag danach soll der Fernsehturm wieder geschlossen werden. Ein geheimes Dokument, das Kessel.TV vorliegt, belegt, dass der Fernsehturm (“der erste der Welt”), noch dieses Jahr abgerissen werden soll und die Vorbereitungen dafür bereits am 31.1.2016 starten. “Der Fernsehturm fügt sich nicht mehr in das moderne, urbane Stuttgarter Stadtbild ein”, heißt es als Begründung für den Abriss in dem Schreiben.

Ob diese radikale Entscheidung auch damit zusammen hängt, dass sich der Turm aufgrund von S21-Arbeiten eventuell eines Tages neigen könnte, ist zunächst unklar. Konfrontiert mit dem Geheimapier, wollte das Rathaus dazu bislang keine Stellung nehmen.

Anruf bei Werner Risshagen, Geschäftsführer der Firma Combat-Abbruch, die für die Abrissarbeiten beauftragt wurde, wie aus dem Papier hervorgeht. “Die da oben sollen jetzt wieder nicht so rumdrücken. Den Auftrag habe ich schon seit letzten Sommer in der Tasche”, meint er gegenüber Kessel.TV. “Klare Sache, das alte Ding muss endlich weg.” Immerhin sei der Turm noch aus dem Jahr 1956, also überdurchschnittlich alt für ein Stuttgarter Gebäude.

Ist der Abriss von einem so hohen Objekt nicht sehr komplex? “Was man bauen kann, kann man auch wieder abreißen”, so Risshagen. “Insbesondere natürlich in Stuttgart.”

Er hätte der Stadt eine Sprengung vorgeschlagen, was aber nicht möglich sei. Die Waldau in unmittelbarer Nähe steht unter Artenschutz, das Risiko wolle man nicht eingehen. “Das wäre eine einfache, saubere Lösung gewesen, aber man musste es wieder unnötig kompliziert und teuer machen”, meint der Abbruch-Profi zu den Plänen der Stadt. “Kein Wunder, dass da manche längst einen Hals haben auf die Damen und Herren Politiker!”

Die Alternativlösung wird in dem geheimen Dokument erläutert: Es soll ein circa 440 Meter hoher Spezialkran (planmässige Kosten 82,5 Millionen Euro) parallel zum 217 hohen Fernsehturm aufgebaut werden. Eine Abrissbirne, mit einem Durchmesser von 10 Metern, die an dem Kran hängt, soll den Turm anschließend Stück für Stück abtragen.

Am Wochenende können Besucher den Kran für 5 Euro (Studenten/Schüler 3 Euro) besteigen und so den fortschreitenden Abbruch hautnah erleben. Dafür soll extra eine Selfie-Plattform eingerichtet werden.

“Das ist natürlich eine super Idee von der Stadt”, gesteht auch Risshagen. Und der Kran sei freilich eine echte Ingenieur-Leistung, “da gibt es nix. Meine Mitarbeiter freuen sich schon riesig darauf, das Gerät zu fahren und die Birne schwingen zu lassen.”

Kessel.TV hat in einer Blitzumfrage Meinungen von Passanten auf der Königstraße eingeholt. Die Stimmen waren, wie so oft bei solchen großen Vorhaben, zwiespältig. Die einen begrüßen den Fortschritt und freuen sich auf etwas Neues, die anderen beschwören den endgültigen Untergang von Stuttgart.

Vincent S. (21) war zunächst entsetzt, aber als wir ihn über die innovative Abrissweise informierten, schlug seine anfängliche Skepsis in Begeisterung um. “Ich liebe Stuttgart und finde es echt mega crazy, dass ich den Abriss eines echten Wahrzeichens erleben darf. Ich denke, ich werde einige Male den Kran besuchen! Das gibt super Bilder für Instagram!”

Manuel Knatterflatter von Es ist Liebe / Clubkollektiv sieht dagegen düsteren Zeiten entgegen. “Egal wohin man schaut, überall regiert der Fernsehturm-Mainstream. Mit dem Abriss des Stuttgarter Fernsehturms stirbt die Stuttgarter Fernsehturm-Subkultur”, so Knatterflatter enttäuscht. “Ich denke, ich muss langsam wirklich nach Kaiserlautern umziehen.”

Werner Risshagen dürften die unzähligen Meinungen wohl egal sein. “Nach dem Job mache ich erst einmal drei Wochen Urlaub. Dom. Rep., all inclusive natürlich.”

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