Die Zukunft der Königstraße

Fakt 1: Eine kleine Kolumne reicht natürlich nicht aus, um allumfassend die Zukunft der Königstraße durchzudenken oder besser gesagt NEU DENKEN WIE IN SO NER AGENCY. Das ist eine Aufgabe für Stadtplaner:innen, in der Hoffnung, dass sie an dem Thema längst dran, wobei… man weiß ja nie (HIER)! 

Fakt 2: Es ist wohl zwischenzeitlich allen klar, dass sich die Innenstädte und ihre Einkaufsstraßen in den nächsten Jahren noch rasanter als bislang verändern werden, so auch die Stuttgarter Königstraße. Die Gründe dafür kennt jeder und es liegt nicht nur an einem sehr bekannten Unternehmen aus Seattle. 

Historisch betrachtet ist das ein gängiger Vorgang, denn es wäre nicht die erste Veränderung in der Geschichte der längsten Praline der Welt, sorry, einer der längsten Einkaufsstraßen Deutschlands, sonst würden heutzutage ja noch Autos und Straßenbahnen drüber brettern. Meine Mutter erzählt mir öfters von dieser fußgängerzonenlosen Zeit. Gut, dass die sehr, sehr lange vorbei ist. 

Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ist bekannt: Die meisten inhabergeführten Geschäfte haben nach und nach aufgegeben, der oft bejammerte Siegeszug der Filialisten überflutete die Shopping-Meile und jetzt werden die wieder langsam weggeflutet. Die ersten großen Marken haben ihre Häuser aufgegeben, verstärkt setzt die Verwandlung in ein gefühltes 1,2 Kilometer langes Resterampe-Outlet ein. Die Angst vor der Verödung geht um. 

Handelt es sich dabei nur um eine weitere Transformation oder um eine der spannendsten Revolutionen unserer Innenstadt aller Zeiten? Wie nutzt man diese Gebäude eines Tages? Am Nebenläufer Bolzstraße kann man, viel diskutiert, die erste Mutation erleben. Aus dem Metropolkino, zwar ein Kino, aber ebenso Krisenbranche, soll eine Boulderhalle werden, der Mietvertrag ist unterschrieben. Feels like Industriegebiet Plochingen. Will man das? Was will man? 

Man kann laut „Wohnungen!“ rufen, aber z.B. Kaufhäuser in benötigten Wohnraum zu verwandeln ist öfters architektonisch kompliziert, somit kostspielig und kann sich dann am Ende wieder wer leisten? Genau. 

Handel im Wandel, aber nicht nur: Erste Kaufhäuser, nicht in Stuttgart, stellen z.B. eine stehende Welle für Surfer:innen in ihren Laden. Weg vom Konsum, hin zum Event und Erlebnis. Weniger Handel, mehr Showroom. Anfassen, testen, online bestellen. Nur ein Baustein von vielen. Muss freilich jedes Unternehmen selbst entscheiden, inwieweit und in welcher Form es sich da neu aufstellt. Spoiler: „Gar nicht“ wird keine Lösung sein. 

Utopia Königstraße: Handwerk, überaus krisenfest und permanent sehr gefragt, sowie Dienstleistungen, nicht nur Handyshops, sondern zum Beispiel riesige Reparaturzentren für all unseren modernen Glumbatsch, drängen von den Industriegebieten wieder zurück ins Zentrum. Direkt daneben befindet sich eine Kita und Kindergarten, oben drüber vielleicht ein Schwimmbad wie früher, die Älteren erinnern sich gerne daran, auf dem Dach des Breuninger samt Open Air-Liegewiese. Das gab’s wirklich, das ist keine von diesen Urban Legends! 

Das Thema Transportationen wieder aufnehmen: Ein Fahrradweg in der Mitte der Fußgängerzone? Mit mehrstöckigen Drehkreuz am Schlossplatz, wo sich die Zweiräder in alle Himmelsrichtungen verteilen, beobachtet von vielen Menschen auf riesigen Freitreppen sitzend, die zuvor in Laufweite alles erledigt haben, von Supermarkt-Einkauf über Wartung ihres Homepods bis hin zum Besuch der Großeltern im neuen Mehrgenerationenhaus. Oder eine Promenade, in der Mitte entspringt ein Fluss? 

Am Ende man darf nie vergessen: Diese ganzen Gebäude gehören irgendjemanden und zwar Privatfamilien, Unternehmen, Holdings, Investoren etc. Und die wollen zunächst ein dauerhaftes, am liebsten sehr lukratives Geschäft abschließen. Bei einigen findet da aktuell ein Umdenken statt, etwas weniger lukrativ vielleicht aus ihrer Sicht, dafür weiterhin dauerhaft und nachhaltig. Es wäre uns allen zu wünschen, für eine lebendige Stuttgarter Innenstadt in den nächsten Jahrzehnten. 

Und wenn alles schief läuft, wird aus der Königstraße eben eine einzige riesige Päckchenstation. Da freut sich nicht nur jemand in Seattle. 


Dieser Text war ursprünglich für ein anderes Medium vorgesehen, wurde da aber AUS GRÜNDEN nicht veröffentlicht und mir stand es frei, dies hier zu tun.

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