Social Detox: Vier Wochen ohne Facebook

Vergangenen Freitag ist die neue re.flect-Ausgabe erschienen (ab sofort auch im Frankfurter Raum erh├Ąltlich). In unserer Kolumne habe ich ├╝ber meine ersten Wochen ohne Facebook sinniert. Hier der Text etwas gek├╝rzt bzw. neu erg├Ąnzt.

Zugegeben etwas ├╝berst├╝rzt meldete ich mich Mitte Januar bei Facebook ab. Beruhte nicht auf einer Anti-Facebook-ist-voll-bl├Âd-Aktion, sondern ganz im Gegenteil, ich hatte wahnsinnig viel Spass im bayrischsten aller Netzwerke – Zuckerberg muss bei der Programmierung eine Wei├čwurst zu viel gezuzelt haben, anders l├Ąsst sich der von Itzehoe bis Kufstein weltber├╝hmte blauwei├č-Look kaum erkl├Ąren. Das Problem war weniger Mark, sondern ich. Die Maschine hat mich einfach zu stark ausgebremst, kann man auch alles hier nochmals nachlesen.

In den letzten Wochen fragten mich einige Leute, ja Mensch Maddin, du Armer, wie gehtÔÇÖs dir denn? So ganz ohne Facebook? ├ähnlich wie beim Geburtstag. Und wie f├╝hlt man sich mit 34? Oder manch anderer meinte wiederum, geht das ├╝berhaupt, so als ÔÇ×BloggerÔÇť ohne Facebook? Sehr gut und sehr gut, danke, danke, alles gut. Kessel.TV gab es schon bevor ich ├╝berhaupt einen G┬┤sichtbuch-Account hatte und unsere Fanpage haben wir erst anderthalb Jahre nach unserem Start eingerichtet. Wird ├╝brigens von Thorsten weiterhin betreut.

Ja und sonst? Ja sehr gut! Vielleicht ist es nur eine Einbildung, aber ich f├╝hle mich seit der Abmeldung entspannter und gelassener. Mein Kopf und meine Augen wummern und flimmern nicht mehr so von dieser scheinbaren Informationsflut. Eigentlich gab es ja gar keine Infoflut, aber trotzdem suggerierte mir Facebook das Gef├╝hl, du verpasst was und da passiert total viel, genau jetzt (!), wenn du nicht drin bist. Und abends war meine Birne total matschig, wenn nicht sogar ersch├Âpft vom vielen Kommentieren, Liken, mailen und freilich auch aufregen, was so manch einer meiner Kontakte von sich gab.

Weiterhin bilde ich mir ein, dass sich meine Laune verbessert hat. Seit ein paar Wochen fliege ich im B├╝ro wie Spiderman am Broadway durchs B├╝ro, leg mich gerne mal aufs Maul und gehe sowieso allen mit meiner guten Stimmung abartig aufn Sack. War sogar mal wieder aus an einem Freitagabend und bin auch da dann allen DJ-Kollegen, Barleuten und T├╝rstehern aufn Sack gegangen.

Zwischenzeitlich bin ebenfalls der Meinung, einen leichten Zeitgewinn feststellen zu k├Ânnen. Habe in den letzten Wochen bemerkenswert oft gegen 18:00 Uhr das B├╝ro verlassen, Regelzeit war sonst eher 19:00, 19:30 Uhr.

Nat├╝rlich h├Ąlt man sich auch ohne Facebook mit vielen anderen Dingen im Netz auf – Spiegel hier, S├╝ddeutsche dort, Blog sowieso, wann kommt mal wieder Geld auf mein Konto? –  gerade wenn so gesehen niemanden hat, der deine Arbeit kontrolliert und man einzig und allein zu gewissen Zeitpunkten mit einem Job fertig sein muss.

In den letzten Wochen habe ich mit einigen Leuten ├╝ber meinen „Selbstentzug“ und Facebook im Allgemeinen gesprochen und dabei kamen teilweise interessante Einloggverhalten heraus. Nicht wenige meinten, sie w├╝rden sich gerade einmal am Tag anmelden, manche nur alle zwei, drei Tage. Wenn ich es mir recht ├╝berlege: Bei mir waren eigentlich auch immer nur dieselben 30, 40 Leute online.

Auch war ich mit vielen einig, dass Facebook als Club-Promotiontool stark ├╝bersch├Ątzt wird. Meiner Meinung bringt es einfach nichts, wenn man schon wieder am Montagmorgen damit anf├Ąngt, seine Party vom kommenden Freitag oder Samstag zu posten – und das dann t├Ąglich f├╝nfmal. F├╝hrt doch nur dazu, dass man reihenweise ausgeblendet oder gegebenenfalls gar ganz gekickt wird. Zu diesem Thema hat Jan Votteler aka JayVee eine gute Kolumne im aktuellen PRINZ verfasst. Meiner Meinung nach laufen die L├Ąden oder Partys genauso gut oder genauso schlecht wie in den Jahren vor dem Facebook-Overkill.

Alright, bin also raus und ziemlich zufrieden ohne. War nat├╝rlich kein Pionier, sondern mal wieder ein Late Bird. Gibt sogar schon B├╝cher von Aussteigern. Neulich meinte ich noch, dass ich mir als Option einen Neustart mit einem „kleinen“ Account offen halte. Momentan ist dieser Gedanke aber weiter weg als mein Name auf einem komischen Porsche 3G-Dingsbumms.

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14 Comments

  1. says: anska

    Ohne voherige Absprache, habe ich mich ebenfalls im Jan 2011 von FB verabschiedet. Bislang keine Entzugserscheinungen. Blutdruck normal.
    @ Martin, dazu f├Ąllt mir nur eines ein; „We┬┤re all sitting in one boat“.

  2. says: LuisL

    @Naddi: Viel einfacher, such in deinem E-Mail Postfach nach der Anmelde-email.

    Bei mir „Facebook Registration Confirmation“ 10. August 2008 (ich war sp├Ąt dran)

  3. says: chris

    keine ahnung wie lange es schon her ist. hab mich bei facebook wegen nem kumpel der in der usa studierte angemeldet. hab damals nix damit anfangen k├Ânnen. er war mein einzigster freund bei facebook. und so schlummerte mein account gem├╝tlich vor sich hin. sp├Ąter war ich haupts├Ąchlich bei stasivz aktive. irgendwann kam der gro├če facebook ruck. wann das war. ich glaub so ende 2007 anfang 2008.

  4. says: majde

    habs gemacht, vor 3 monaten oder so, also das zur├╝ckscrollen!hat 3,5 stunden gedauert (ohne gro├č irgendwo h├Ąngenzubleiben, oder nochmal alle geburtstagsgr├╝sse zu lesen), m├Ąrz 2007 kam dabei raus!man muss allerdings dazu sagen dass es tage gab/gibt wo ich bis zu 20 sachen poste!!!d├╝rfte also auch schneller gehen, wenn man sonst noch ein leben hat ­čśë

  5. says: Dr_Komputer

    Welcome my friend…habe mich vor geraumer Zeit ebenfalls abgemeldet. Kann Dir in vielen Dingen nur zustimmen. Ich hatte bei FB auch immer das Gef├╝hl etwas verpassen zu k├Ânnen und wenn man dann online war und sich nichts Gro├čes bewegt hat, war das immer ein bisschen unbefriedigend. Also Ersatz chille ich nun bei Instagramm, spricht mich mehr an.

  6. says: Gl├╝ckskind

    vorn paar wochen hab ichs auch getan…alles beim alten.zuhause hock ich jetzt aber h├Âchstens nur noch ne halbe std am pc statt vorher 2-3 std. zeitfresser goodbye;-)

  7. says: Marcy

    So hoooo….was einfacher ist als, sich davon abzuhalten st├Ąndig ON zu gehen …. Dank iPhone ja noch viel ├Âfter.

    Plan A: RESET, trete in deine Stampfen ­čśë

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