Review: Toto in der Porsche Arena Stuttgart

(Wahre Konzertfotos sind von lausiger Qualit├Ąt. Stimmung kommt trotzdem gut r├╝ber. Oder?) 

Ich hatte ein Ziel f├╝r diesen Abend: Ein Foto von meinem Schild vor den Massen ernsthafter Fans und ganz eventuell auch den Moment erwischen, in dem meinem Gegen├╝ber vor Emp├Ârung die letzten Pigmente aus den Haaren entschwinden. Und dann lief’s halt doch ganz anders.

Gestern Abend waren Toto zu Besuch in der Porsche Arena. Meine Entscheidung hinzugehen fiel relativ spontan. Ich w├╝rde mich jetzt nicht als Fan bezeichnen. Nat├╝rlich habe ich bei Africa all them feels, aber ehrlich gesagt, dachte ich bis vor Kurzem noch, dass es wirklich ÔÇ×I guess it rains down in AfricaÔÇť hei├čt.

Da ich inzwischen aber schlauer bin und mir sicher war, dass ich das eine Prozent im Publikum ausmache, dass kein Hardcore-Fan ist, hatte ich extra ein Schild vorbereitet. Es sollte so aussehen.

(How to fuck up some fans.)

Am Eingang der Porsche Arena wurde mir allerdings mitgeteilt, dass nur kleine Taschen erlaubt sind. F├╝r alle zuk├╝nftigen Besucher: nicht gr├Â├čer als DIN A4 und nicht mehr Fassungsverm├Âgen als drei Liter. Auch wenn die Tasche leer ist, darf die nicht mit rein. Welche Sicherheitsvorteile dahinter stecken, wei├č ich nicht. Falls das jemand tut, lasst es mich wissen. Es interessiert mich tats├Ąchlich.

Anyways durfte ich meinen ziemlich leeren, aber zu gro├čen Beutel zusammenkn├╝llen, verschn├╝ren und als B├╝ndel mit rein gehen. Das roch immer mehr nach Abenteuer! Daf├╝r musste ich mich aber von meinem tollen Schild trennen. War aber nicht so schlimm, denn mein Schild war alles andere als toll.

Ich wollte: Ein falsches Schild dabei haben und es richtig lustig finden.

Ich hatte: ein so richtig falsches Schild dabei. Es sah in etwa so aus:

(How to fuck up your own joke.) 

Jetzt war ich inkognito unterwegs. Als kleinen Akt der Rebellion habe ich bei Africa ganz leise einen falschen Refrain gesungen.

Was gibtÔÇÖs zur Band zu sagen? Das sind nat├╝rlich Profis, um nicht zu sagen Legenden. Eine Band, die seit 40 Jahren besteht, hat im seltensten Fall noch Originalbesetzung. Angeblich waren etwa 16 M├Ąnner mal Teil von Toto, gute Fluktuation bei denen. Das muss man erstmal schaffen.

Steve Lukather, David Paich und Steve Porcaro sind von Beginn an dabei, die OG’s quasi. Letzterer ist 1987 ausgestiegen, aber seit 2010 wieder im Boot. Wie der Rest auch, weil sich Toto 2008 mal f├╝r ne Pause entschieden hat. Kann man alles nachlesen bei Wikipedia. Dort werden Toto genretechnisch auch beim AOR eingeordnet. Adult-oriented Rock. Kracher.

In so langen Jahren kommen auch viele Einfl├╝sse zusammen: bisschen Beach Boys, bisschen Country, bisschen Hippie und an manchen Stellen herrlich viel Kitsch ÔÇô inklusive Gl├Âckchen und stimmungsvollem Licht in lila. Haben Toto eigentlich mal was f├╝r Disney geschrieben?

Gab auch ein Michael Jackson Cover (das ist aber dummerweise irgendwie an mir vorbei gegangen). Manche sagen, es haben sich viele dran probiert und sind dran gescheitert ÔÇô au├čer Toto.

An Instrumenten stand auf der B├╝hne alles herum, was man in der Schule richtig cool fand und dann doch wieder nur die Klangh├Âlzer in die Hand gedr├╝ckt bekommen hat.

Das Gesamterlebnis war irgendwie abgefahren und surreal. Und unfassbar angenehm. Selten ein so analoges Konzert erlebt, denn kaum einer hatte sein Handy ausgepackt, um das Konzert zu filmen. Mit dem Alter kommt die Weisheit, ungelogen.

Diese Videos schaut man sich doch ehrlich gesagt vielleicht dann dreimal an. Einmal, um direkt nach dem Konzert zu schauen, ob das Video etwas geworden ist. Beim zweiten Mal zeigt man es seinen Freunden, die aber nach 30 Sekunden mit der Aufmerksamkeit abdriften. Denn alles, was man sieht und h├Ârt, sind wackelige, bunte Lichter und L├Ąrm. Zum dritten Mal schaut man sich das Video ein letztes Mal an ÔÇô bevor man es l├Âscht. Speicherplatz ist wichtig.

Live erleben sollte man sich Toto auf jeden Fall. Alleine wegen der vielen Solos / Soli. Da bekommt jeder seine f├╝nf Minuten Ruhm und die klingen wirklich fantastisch. Der Pianist hat gef├╝hlt doppelt so viele Finger und doppelt so beweglich. Der Mann, den man hinter seinem Percussion-Set kaum sieht, trommelt uns direkt runter in die Serengeti. Und jedes Mal, wenn in Zukunft irgendwo Africa l├Ąuft, kann man sagen: ÔÇ×Geil, hab ich mal live gesehen.ÔÇť Africa, der Song, der einfach immer geht.

├ťbrigens hat gestern Abend nebenan Peter Maffay die Schleyerhalle gef├╝llt. Nette Besch├Ąftigung beim Warten ist Fan-Raten. Wer geht wohl zu welchem Konzert? Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn dem Altrocker ein Licht aufgeht.

Das gr├Â├čte R├Ątsel des Abends blieb aber: Welcher Hit ist vom Peter? Und nein, Tabaluga z├Ąhlt nicht.

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