Einfalt!

Kessel_oper

(Foto: Homepage / Oper Stuttgart)

Die hellsten Leuchten der CDU-Landtagsfraktion scheinen tatsächlich auch noch für die dümmste Idee zu brennen. Sie beantragen nun eine Überprüfung, ob es rechtmäßig war, dass Mitarbeiter der Oper im Oktober bei der „Demo Für Alle“ ein Regenbogenbanner ans Haus hängten, auf dem laut und deutlich „Vielfalt“ stand. (Hier geht’s zur Meldung bei den StN). Bei dieser Demo am 11. Oktober wurde gegen mehr Rechte für Homosexuelle protestiert.

Im Kern geht es nun darum, ob sich ein staatlicher Betrieb an einer politischen Auseinandersetzung beteiligen darf. Offizielle Sprache: man stehe einer Instrumentalisierung des Staatstheaters kritisch gegenüber. Und wir wissen: instrumentalisiert sind immer die anderen. Oder andersrum: Das ist ja wohl eine Frechheit gegenüber derer, die mit der Mistgabel in der Hand für „Einfalt“ auf die Straße gegangen sind.

Ich habe mir das kurz überlegt, Problem gelöst: Wenn die rechten Grenzpfosten einer Partei, die offiziell für „christliche“ Werte eintritt, eine derartig große Angst vor Homosexualität haben, freue ich mich, wenn ihnen zumindest ein Wind von „Vielfalt“ entgegenweht. Juristisch ist das anfechtbar, ich weiß.

Das aber nicht: Das Staatstheater/Oper wollte mit diesem Banner lediglich Werbung für sein vielfältiges und buntes Programm machen. Gerade wenn vor der Tür sehr viele Einfaltspinsel ihre irrationalen Ängste in die Luft malen, ist das sehr weitsichtiges Marketing außerhalb der üblichen Zielgruppe.

Thomas Koch, Kommunikationsdirektor des Staatstheaters, geht da noch weiter: „Das war eine durchdachte künstlerische Aktion des ganzen Hauses – keine parteipolitische Meinung. Wir sind hier gelebte Vielfalt, was die Mitarbeiter und auch den Spielplan angeht.“

Und wenn wir uns jetzt kurz in die Tiefen der Kunst und Performance vorwagen möchten: „Die Grenzen zwischen Werk, Publikum und Künstler wurden dabei aufgehoben und zum Nachdenken angeregt.“

Jetzt noch ein bisschen Religion für unsere bibelfesten Recken von der CDU: Gott schenkte Noah den Regenbogen nach der Sintflut. Als Zeichen, dass nie wieder eine kommen werde.

Den Vorwurf, man hätte die Demonstranten vom Dach des Hauses aus mit Gegenständen beworfen, kann allerdings auch Thomas Koch nicht ganz entkräften: „Ja, das stimmt. Es war Konfetti. Das war ein Teil unserer Performance. Man kann Konfetti streng genommen sicherlich als ‚Gegenstand‘ bezeichnen. Ich denke aber, dass da keinerlei Verletzungsgefahr bestand.“

Ich sag mal: Oper des Jahres. Ausgezeichnet!

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