Dog´n´Roll

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Irgendwie hatte ich mir Urlaub mit meiner Freundin Helmut Podolski auf Kreta anders vorgestellt.

Aber dann halt so: Weg nicht gefunden, dafür eine verlassene Bergstraße, zwischen Nix und Garnix und eine kleine Hündin. Völlig verstört, verwirrt, verhungert und verdurstet stürzte sie mit letzter Kraft auf die Straße vor unser Auto. Sah aus wie Goofy, nur ohne jegliche Lebenslust. Keine Ahnung, ob das ein Selbstmordversuch oder die letzte Hoffnung auf Rettung war.

Wir zählten ihre Rippen und dachten lieber nicht an die Scheiße, die die Kleine durchmachen musste auf einer Insel, in der man lieber nicht in Mülleimer schaut, weil jemand achtlos Hundewelpen darin entsorgt haben könnte. Sie konnte wohl flüchten. Ausgerechnet zu uns. Hunde bewachen hier Schafe, Ziegen und Jäger. Das war’s dann. Für die FDP und Darmgrippe findet man hier vergleichsweise eher eine Lobby als für Hunde. Kaum einer geht mit denen auf der Couch steil.

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Unsere kleine Straßenhündin lies uns aber keine Wahl: Erst hat sie uns alle Wasservorräte weggetrunken, dann eine Packung Katzenfutter plattgemacht und gezittert vor Erschöpfung. Später auf dem Weg zum hastig ergoogelten AnimalShelter hat sie Witze über unseren Fiat Panda Mietwagen gemacht und den Rücksitz vollgesabbert. Ich wollte sie „Doro Pesch“ oder „Chuck Norris“ nennen, Freundin sagte: LENI.

Vom örtlichen Tierschutzbeauftragten Arche Noah, beziehungsweise deren Anlaufstelle für Straßenhunde im Stich gelassen, besorgte uns die Tierschutz-Aktivistin Jutta aus dem Ruhrpott beziehungsweise Kreta eine Übernachtbleibe auf dem Hof von Kiriakos, einem sehr lieben Kretamann. Auf Facebook sind Bilder von geschundenen Tieren halt wesentlich leichter zu bekommen als Hilfe.

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Der Tierarzt sagte einen Tag später was auf Griechisch, gab ihr Medikamente, zeigte uns den Facebook-Daumen und lächelte als er sie streichelte. Sie hätte keinen weiteren Tag mehr da draußen überlebt. Alleine lassen ging aber nicht.

Nach zwei Tagen hat Leni zum ersten mal gebellt und mit Katzen und Hunden gespielt. Zum ersten Mal darf sie auch Dinge tun, die Hunde eben so machen. Treudoof gucken und nix blicken zum Beispiel – oder essen und trinken. Sie kann auch zum ersten Mal ohne Angst schlafen und träumen. Wir brauchen auch keinen Ventilator mehr, weil sie vor Freude mit dem Schwanz wedelt.

Leni ist fünf Monate alt, ein Mix aus kretischen Hunden, spricht fließend Griechisch, mieses Deutsch, von schwäbisch hat sie keine Ahnung, aber kaut gerne wahllos auf Gegenständen rum, kuschelt wie ein Profi und schaut herzergreifend aus dem Fell, das langsam wieder Glanz bekommt. Bald sieht man auch ihre Rippen nicht mehr. Ihre Angst verschwindet hoffentlich auch bald.

Wir können sie nicht hier lassen, da es weder Menschen, noch einen Platz gibt, wo sie bleiben kann. Sprich: wir suchen nach einer Bleibe für Leni bei jemandem mit Herz und mehr Platz als wir zu Hause.

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11 Comments

  1. says: stavi

    ich hab schnell mal Google nach Tierschutzorgas in Kreta befragt, hoffentlich hilft das was:

    Tierschutzverein Südkreta e.V.: +49 163 6380901
    Tierfreunde kreta e.V.: 0030 (0) 6946 881155
    Kreta-Tierhilfe e.V.: +49 4624 / 8688

    und hier noch eine Seite, auf der noch viele weitere (auch griechische und damit eventuell etwas flexiblere und kurzfristige Hilfe leistende) Tierschutzorganisationen aufgelistet sind.

    Ich selbst habe auch noch einen Kontakt, denn kann ich aber erst heute Nachmittag ansprechen.

  2. says: Tim

    So ’ne Töle eignet sich übrigens auch prinzipiell hervorragend zum Waldlauf! Für das bisschen Grundgehorsam und Stadttauglichkeit kann ich dir ’ne prima Hundetrainerin empfehlen, wenn ihr Leni vielleicht doch behalten wollt…? 😉

  3. says: Nadja

    Bitte meldet euch bei Brigitte und Bruno Hochuli (hochuli@gmx.ch) von Arche Noah e.V.! Habe die gleiche Geschichte auf Kreta erlebt, die Hündin zu ihnen gebracht, welche heute ein glückliches Leben auf der Insel Reichenau lebt!!!! Liebe Grüße und alles Gute für die Kleine und danke, dass ihr das getan habt!!!!!

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