Mystical Möhringen

Das wird definitiv mein Spirit Animal für KW 4 – das Schuppentier, das den China Palast in Stuttgart-Möhringen bewacht. Dort gibt es einen sehr mystischen Ort, den Stadtplaner früher mal zärtlich Ladenpassage genannt haben. Wir haben immer Salzäcker gesagt. Ins Salzäcker gehen und Kaugu klauen , das war eine unserer Lieblingsbeschäftigungen, damals, vor Nintendo und Corona.

Das Salzäcker liegt im Windschatten des berühmten SI-Centrums. Bei dessen Anblick man wehmütig die Frage stellen muss: Wann wieder Aladdin, Herr Drosten?

Die Ladenpassage Salzäcker war früher hauptsächlich Landesgirokasse (weg), Bistro A-Jour (weg), Supermarkt A&O Böhme (weg) und Bäcker Schrade (noch da). Bäcker Schrades Sohn Schrade Junior konnte ziemlich gut kicken. Der dürfte heute so Mitte 50 sein und ist vielleicht was für den VfB?

Schrades Hauptkonkurrent war Bäcker Remmele (weg). Und wir haben als Kinder immer Kinderquatsch gemacht und gereimt “Bäckermeister Remmele backt die besten Semmele”. Was nicht ganz korrekt war, weil es muss glaub bäckt heißen und Brezeln.

Remmele Brezeln waren der Hammer. Knusper-Ärmchen und fluffiges Bäuchlein und ofenwarm und warum hat sich denn bitte Schrade gehalten und Remmele nicht? Und auch der mittelmäßig sortierte aber gut beklaubare A&O Böhme musste weichen – und heute ist da ein Erdi.

Im Januar 2021 ist die Ladenpassage Salzäcker coronabedingt ein noch mystischerer Ort als im Januar 2020. Und beim Hochladen der Bilder hatte ich bei jedem einzelnen Motiv den Kollegen Setzer im Ohr. Der hat für solche Bilder und Momente das unglaublich treffende Wort “Sagenhaft”.

Sagenhaft wie Frauchen im Halb-Einzelhändler, Halb-Postfiliale Laden “Glücksschmiede” eine neue Fliegenklatsche shoppt, während der Hund brav und ohne zu pienzen im Wartebereich die Freizeitangebote studiert.

Fliegenklatsche ist erstens triftig und zweitens systemrelevant und drittens einfach im Click&Collect Modus keine Option und viertens: Wann wieder Fliegen klatschen, Herr Drosten? Und wann endlich wieder QiGong?

Unterdessen muss der Friseur in der Ladenpassage seine Kunden vertrösten und wieder vertrösten und ihnen “Trotzdem friedliche Weihnachten” wünschen. Und halt darauf hoffen, dass der 14. Februar vielleicht Stichtag ist. Und er weist freundlich aber bestimmt darauf hin, dass Hausbesuche nicht möglich sind. Und Fußballerfrisuren auch nicht, wenn man sich an die Spielregeln hält. Und bitteschön auch kein Rumsitzen im Wartebereich.

Was allerdings geht, ist to go. Wenn ich das auf Twitter richtig interpretiert habe, hat die Kollegin Britta neulich beim ebenfalls in der Ladenpassage ansässigen Chinesen was für daheim geholt. Oder hatte es wenigstens vor.

“Familiäres chinesisches Restaurant in bodenständigem Ambiente mit Samtmöbeln, Bonsaibäumen und Lampions” nennt Google die Atmo dort. Und auf einem Besucherfoto – Stichwort “Super lecker und super Lustig. Wir hatten die Feuer-Ente” – kann man sehen, dass die Feuer-Ente in einer selbstgekneteten Aluminium-Ente serviert wird. Sagenhaft!

Und wann wieder “Das Essen ist durchweg klasse. Das Ambiente ist etwas abgewohnt, das vergisst man aber schnell, wenn es lecker schmeckt”, Herr Drosten?

3 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.