10 Orte, an denen sich Stuttgart anfühlt wie ein Diercke-Atlas

„Stuttgart – wer kennt es nicht?“ – hat neulich eine übermotivierte Social Media Abteilung die Community gefragt. Und die korrekten Antworten in den Drukos wären gewesen: WAS? Und WHAT THE FUCK!

Zu gewinnen gab es nix. Außer der Erkenntnis, dass für manche Interaktion ist, wenn man doof fragt und keiner antwortet. Atmen – schon mal probiert? Wasser – wer kennt es nicht? Stromern – schon mal gemacht?

Wenn man Bock auf Stromern hat – und welcher Hund und Blogger hat das nicht? (Frage an die Community) – kann man sich an der Weinsteige einfach irgendwo rechts runterfallen lassen. Am besten dort, wo Stäffele sind. 

Wo genau – das wird nicht verraten. Sonst sieht es hier nachher aus wie im Nationalpark Berchtesgarden, wo sich 18-jährige Influencerinnen in einen Infinity-Pool legen und ihr Leben und unsere Geduld mit ihnen riskieren.

Gut, lebensgefährlich ist es hier unterhalb der Weinsteige vielleicht nicht. Aber auch nicht gerade gesundheitsfördernd. Jeder weiß, dass Stuttgart kein Luftkurort ist. Und man kann die Euronorm der Dieselfahrzeuge leider rausriechen.

Dort den Abgang suchend fällt nämlich auf, wie viele Stinkeautos noch immer rumfahren. Und ich meine nicht den entgegenkommenden Flixbus mit Fahrtziel Reutlingen/Himmelskron. 

Eine Bitte: Sucht euch Euren Einstieg in dieses Abenteuer selber. Soviel Stuggiboogie-Schnitzeljagd muss sein. 

Anfang der Woche war mir schon ein unfassbar mystisches Foto gelungen. 10 Orte, an denen sich Stuttgart wie Wuhan anfühlt. Im Tatti-Parkhaus. Die Rückseite von Kap Tormentoso und Co. sieht nämlich ein bisschen aus wie die Vorderseite von Fernost.

Jetzt galt es, da anzuknüpfen. Mein Highlight dieses Unter-der-Weinsteige-Spaziergangs: Dieses Foto. Aus der Serie „10 Orte, an denen sich Stuttgart anfühlt wie Mallorca und du einen Covid-19-Test machen musst, wenn du als Reiserückkehrer nachher wieder am Tatti sitzen willst.“ Believe it or not: Aber auch das ist Stuttgart.

Bissle weiter sehe ich die schönste Dachterrasse der Stadt. Kein Mensch hier. Ich schicke DJ Elbe ein Beweisfoto, das er umgehend mit Straßenname und Geocaching-Koordinaten beantwortet. Natürlich kennt er das. Natürlich war er hier schon mal. Eher joggend als rennradfahrend. Merke: was Elbe nicht kennt, kann man getrost aus dem Stadtplan streichen, weil es wahrscheinlich nicht existiert.

Weiter geht’s über einen gepflasterten Serpentinenweg – eine Meisterleistung des Straßenbaus. Wer immer diese Steine hier verlegt hat, das war ein Sau-G’schäft. Problem: sobald’s auch nur ein bisschen feucht wird, hast du hier eine City-Slide. Oder du hast LOWA Pro. Irgendwann wird das Geplättel aber so komisch, dass selbst der Hund mit seinem 4-Pfoten-Antrieb strauchelt. 

Da hilft auch das schöne Holzgeländer nix. Es zaubert aber so ein bisschen Shiloh-Ranch Atmo. Ohnehin wäre das hier der perfekte Platz für ein paar Haflinger-Pferde oder wenigstens für Alpakas. Und im Handumdrehen hättest du hier einen Instagram Hotspot. 

Ein einsames Haus klebt am Hang und man möchte wirklich gerne wissen, wer da wohnt – und wie der seine Ensinger-Kisten nach Hause bringt. Hier, wo Lieferando nicht mehr liefert und dein Dauerzustand Edge ist. 

Ein paar Meter weiter unten wird es ruhig aber nicht still. Man pendelt akustisch die ganze Zeit zwischen Lehenviertellachen unten und dauerrauschender Weinsteige oben. Ein guter DJ könnte daraus bestimmt einen super Mix machen. Nur: wer kennt schon einen guten DJ? 

Noch weiter unten schaut man auf die verwilderten Rückseiten von ein paar versprengten Häusern, kann auf einem Picknick Bank-Tisch-Ensemble durchschnaufen und sich darüber freuen, wie geil schön diese Stadt immer wieder dort ist, wo man es am wenigsten erwartet. Man muss sich nur trauen. Und das tut diese Stadt halt leider ein bisschen zu selten. 

Offiziell sagt Google Maps – das hier seien das Ferien- und Waldheim Altenberg, der Landschaftspark Wernhalde und der Immenhofer Park. Für mich klingt alles drei als hätte sich jemand Stuttgart nochmal ausgedacht. Tatort Drehbuchschreiber zum Beispiel – so dass eingeborene Zuschauer am Sonntag Abend twittern können: WO SOLL DAS SEIN??? LANDSCHAFTSPARK WERNHALDE GIBT’S DOCH GAR NICHT!

Gibt es wohl. Und am Fuße stehen das Haus der Lebenschance und Stuttgarts bestversteckte Bungalows. Ein paar Architekten-Firmenschilder verraten, dass hier die Profis wohnen. Wohnbau direkt vom Erzeuger, Markise direkt aus den 70ern. Herrlich. 

Und über all dem thront das Kult- und Höhenhotel Seybold. Seybold reimt sich auf Guldenburg. Und wo, wenn nicht hier, sollte man bitte mal einen Videobeitrag für die stuggi.tv Sexwochen drehen? Stichwort: Fremdgehen im eigenen Bett machen nur Ferkel.

Verstehe auch nicht, dass das hier noch nie Schauplatz im Stuttgart Tatort war. „Das hier ist die Haushälterin. Sie hat die Leiche gefunden“, liesse sich nirgendwo glaubwürdiger erzählen, als hier. 

Ich empfehle dazu auch die weiterführende Lektüre von Internet-Rezensionen über das Hotel: 

„Insbesondere die ‚modernen Telekommunikationsmittel‘ muten zum Lachen an: es handelt sich um einen kleinen Röhrenfernseher und ein Wählscheibentelefon, das WLAN endet schon im Flur.“

Und weiter:

„Bei der Abreise aber war ich sehr verwirrt, denn die Eigentümer bezeichnen sich in jedem dritten Satz als Millionäre mit Wohnsitz in Südfrankreich.“

Absolute Empfehlung auch die Google Bildersuche nach „hotel+seybold+stuttgart.“ Bitte sehen Sie selbst. Wann kommen die ersten Influencerinnen in diesen Infinity-Pool der guten Laune?? Meine Frage.

Und auf der eigenen Website schreibt das Hotel „Empfehlungen von “Max”, “Varta”, “Merian” und “Prinz” sprechen für sich. Unsere Gäste waren schon u.a.: John Cranko, Marcia Haydee, John Neumeier, Ray Barra, Peter Hofmann, Harry Kupfer, Jose L. Carreras, Michael Schumacher, Blümchen und Blumentopf.“ 

Blümchen und Blumentopf. Besser wird’s heute nicht mehr. 

Oder doch? Hinter der Weinsteige Nummer 124 – bei dem die Lieferanten und die Lieferandos weiter unten klingeln sollen – verbirgt sich wohl ein Tonstudio. Laut Website mit Produktionen im Portfolio für Musikgrößen wie Andrea Berg, Bob Marley und Das tragische Dreieck – featuring Freddy Bobic, Gerhard Poschner und Marco Haber! Never forget. Und thank god, habt Ihr damals Thomas Berholdt nicht mitspielen lassen. 

Und um all das der Laufkundschaft an der Weinsteige mit auf den Weg zu geben, hat das Tonstudio auf das Eingangsportal einen Plattenspieler geklebt. Der allerdings inzwischen rostet. Ein bisschen wie Andrea Berg.

Schön, denn ab sofort werde ich jedes Mal, wenn ich da mit den erlaubten 40 km/h vorbeifahre, an den rostigen Plattenspieler denken. Ein guter DJ würde auch daraus etwas machen. 

3 Comments

  • sepplbmx sagt:

    Nicht zu vergessen der Hotspot für 4-blättrige Kleeblätter. Ist gleich neben einem der Gebäude auf einem dieser Fotos. No joke!!!!1!!! Wer suchet, der findet.

  • s'Horschdle sagt:

    Im Waldheim Altenberg – früher „d’r Aldaberg Garda“ – hatte das Müsli früher noch die Konsistenz von Beton. Scheinbar wurde das parallel auch direkt zum Bungalowbau verwendet.

  • Patrice Grad sagt:

    geil das es den Briefkaten noch gibt! WOW… den haben wir damals daran gebaut als dort noch die Benztown Burg von Thomilla und Peter Hoff war und ich dort gearbeitet habe… hier wurden die Fantas, Afrob, die Massiven, Tiefschwarz, Joy und und und produziert! Lange ist es her…!

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