Wer und wo in Untertürkheim

Gute und durchaus berechtigte Frage am Bahnhof Untertürkheim: Über einer Werbetafel, die die örtlichen Dienstleister, Handwerker aber auch Sehenswürdigkeiten für den Besucher zusammenfasst, stellt man in großen Lettern die zwei großen Sinnfragen des Lebens: wer und wo? 

Das wären auch meine beiden Fragen gewesen. Und die Antwort gibt ein paar Meter weiter ein lustiges Trinkervölkchen auf dem Vorplatz des Bahnhofs. Wer und wo? Ah. Ihr und hier! Sehr zum Wohl.

Den Bahnhof selbst hat jemand direkt aus der Faller-Packung genommen und liebevoll zusammenklebt. Modelleisenbahngefühle pur, Gänsehaut im Maßstab 1:87. 

Überhaupt zeigt sich Untertürkheim von einer ganz beschaulichen Seite und hat neben dem omnipräsenten Weinbau sehr gute, auf den zweiten Blick schöne Architektur zu bieten. Hier wohnt und wächst es sich in Hanglage und Muschelkalk.

Ich stelle mir das so vor: Unten die Daimlerjungs aus der Gießerei im grundehrlichen Arbeiterhäuschen mit Bohnensuppe und Flaschbier. Oben im Weinberg thront der E2 und schaut auf sein Arbeitervolk bei Jakobsmuschel und kleiner Feinkost Böhm-Getränkeauswahl. Wenn Wein, dann Schampus. Lemberger trinken hier nur Touristen.

Bemerkenswert: In der Miniatur einer „Fußgängerzone“ (Maßstab 1:87) kommen auf einen griechischen, einen italienischen und einen asiatischen Take-away – null Shisha Bars. Was Untertürkheim im Jahr 2020 ja fast schon zum Weltkulturerbe macht. 

Schön hier. Und der perfekte Ausgangspunkt für eine InstaWanderung. Denn alles über zwei Stunden Fußmarsch heisst nicht mehr InstaWalk. Dafür reicht dann auch kein North Face mehr. Ab da betritt man schweres Patagonia-Gelände.

Pro-Tipp: Die große Kappelbergüberquerung. Mit Basislager Luginsland. Einfach herrlich. Ganz ohne Ironie. Immer wieder der erhaschte Blick auf die Grabkapelle (“Das schwäbische Tadsch Mahal”), das Neckarstadion (“Die schwäbische Anfield Road”) und leider auch ab und zu auf die B14. (“Die schwäbische Route 66”).

Und dann das schwäbische Gipfelkreuz: der kreisende Mercedes-Stern. Solange der sich noch dreht, ist die Welt im Remstal noch in Ordnung.

Wir haben die Bilder:

Mutige und bewundernswerte Entscheidung in diesen Tagen zu sagen: was ich weniger machen will, ist Sport und Überbacken. Das Zeug kommt alles fort. 

Top-Logo. Top-Tattoomotiv. Extrapunkte gibts dafür, hier auf die Marketing-Steilvorlagen „wir leben Weine“ oder „Jungwinzer seit 1887“ verzichtet zu haben.

Weiß einer von euch Hobby-Sommeliers und -Virologen, ob 1887 ein guter oder ein durchwachsener Jahrgang war? Wie weit reichen denn die vielzitierten Wetteraufzeichnungen überhaupt zurück?

Nature is healing. Endlich ein Schritt zurück in die Normalität. Ab heute dürfen Postkartenproduzenten wieder Postkarten produzieren.

Der Ochsen Uhlbach da unten jammert übrigens nicht, dass ihm jemand aus Berlin unter die Arme und in die Pötte helfen soll. Der kocht. Rinderbraten gespickt mit Gemüse, Soße, Spätzle zum Beispiel. Bitte vorab telefonisch bestellen 0711 32 29 03. #supportyourochsen

Auf Gesetze pochen – aber als Trendsportart. Wobei ich, der mal neben dem Santiago de Chile-Platz gewohnt hat – Home of the Alkopop und Abitur-After-Party – für den Wunsch nach Nachtruhe jede Menge Verständnis habe. Viel viel mehr als für Menschen, die sich aktuell auf den Cannstatter Wasen stellen (ohne Bier).

Die SpringSummer 2020 Season wirft ihre Schattierungen voraus. Ton in Ton in Creme, Camel, Caramel. Denn: wenn Youngtimer, dann immer drauf achten, dass er zum Haus passt. Wir hatten es neulich erst im kessel.tv Backend, bei DJ Buzzi am virtuellen Tresen davon, wie ich mal einen Sommer lang einen Fiat X1/9 in Rotbraun-Metallic hatte.

Der dann aber nicht zum schieferfarbenen Haus gepasst hat und deshalb verschrottet wurde. Okay, der letzte Teil stimmt nicht: in Wahrheit hab ich ihn einen Sommer lang gefahren und einen Winter lang in einer Scheune auf der Alb eingemottet. Nach der Schneeschmelze hatte sich dann die Lackierung leider von Rotbraun zu Rostbraun entwickelt – und das sauschöne Auto war im Arsch.

Unterdessen macht man sich in der Untertürkheimer Kurve bereit für die Rückkehr zu was-auch-immer. Das Hygienekonzept sieht vor, erst mal das ganze Gepupse aus den Polstern zu lüften. In punkto Sicherheitsstandards gilt: wenn die Musik aufhört, müssen alle sitzen.

Aber sonst gibt’s offensichtlich nicht viel Neues im Ort. Obwohl: wenn man nach den neuesten Nachrichten aus Untertürkheim googelt, stößt man auf die aktuelle Meldung, dass hier “die Treppen für Fische nicht funktionieren. Weil die Staustufen des Neckars für die Tiere ein unüberwindbares Hindernis darstellen.”

Ich hätte super gerne mehr dazu gewusst – und geschrieben. Leider Gottes war es ein STZPlus Artikel hinter der Bezahlschranke. Wie eine Treppe für Fische.

1 Comment

  • Axel sagt:

    Ich habe den Artikel gelesen. Am Inselkraftwerk wurde an der Seite ein Durchgang für die Fischwanderung geschaffen. Kennt ihr bestimmt Stichwort Lachswanderung usw. Weil an der Inselbrücke logischerweise ansonsten für sie kein weiterkommen möglich wäre. Blöderweise wurde die Schleuse aber falsch konstruiert und kein Fisch kommt drüber … nur ein Reiher hat dies als als Futterquelle entdeckt !

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