Der erste Schultag – laut waren nur die Gedanken

Bild: Aycin Akbay

Gastautorin Aycin ist Lehrerin einer Sekundarstufe im Raum Ludwigsburg. Nach vielen Corona-Lockdown-Wochen unterrichtete sie am vergangenen Montag zum ersten Mal wieder vor ihrer 9. Klasse und hat im Anschluss ein paar Gedanken dazu für uns aufgeschrieben.

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Ein Ort voller Lebendigkeit. Schubsen, rennen, knutschen, dem anderen „Eine Mitgeben“. Lachen, grüßen, mürrisch sein. Ein Ort voller Emotionen, Mimiken und Testosteron. Das Schulhaus wie ich es bisher kannte.

Laut war heute einzig mein innerer Beobachter, da alles so leise war. Schülerinnen und Schüler, die man nur am Gang und an der Kleidung erkennen konnte. Man schaut ihnen in die Augen, um die Mimik zu erahnen. Nur durch den Glanz der Augen. Bei manchen war er da, bei manchen nicht.

Leichte Augenräder – vom Zocken? Vom frühen Aufstehen? Man kann es nur erahnen. Sie kamen schweigend, mit Abstand und ihren bedeckten Gesichtern ins Klassenzimmer. Einer nach dem anderen zog die Maske aus – wie bei „The Masked Singer“. Die Entblößung der letzten Wochen.

Ich begrüßte sie. Nervös und überfordert in meiner Rolle. Fünf Jahre begleite ich sie nun. Und jetzt weiß ich nicht, was diese Jugendlichen brauchen: Verständnisvolle Worte, Druck und Motivation für die anstehende Prüfung? Humor? Jetzt? Schwierig.

Sie sahen mich an, im Wechselspiel meiner Rollen. Wie Beobachter, deren innere Stimme lauter ist, als ihre Sprüche und Witze, die sie einst im Unterricht klopften.

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