Amtsblatt-Cover: Fritz Kuhn schreibt den Stuttgarter*innen

Dieses Mal auf dem neuen Amtsblatt-Cover: Nach seiner Videoansprache hat sich Fritz Kuhn erneut an die Stuttgarter*innen gewendet und die Verantwortung jedes einzelnen appelliert.

 „Alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger tragen eine Mitverantwortung nicht nur fĂŒr sich selbst, sondern fĂŒr alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter.“ 

Er bedankt sich bei den BĂŒrger*innen fĂŒr die SolidaritĂ€t und sowie der kompletten Systemrelevanz, betont dass man aktuell nicht sagen kann, wie lange dieser Shutdown-Zustand noch an andauernd und sendet nochmals deutliche Worte in folgende Richtung:

Liebe Leserinnen und Leser unseres Amtsblatts, das alles wird nicht einfach in den nĂ€chsten Wochen. Aber Fatalismus wĂ€re nun das Allerschlimmste. Ich meine den asozialen Fatalismus der Corona-Partys oder die fatale Haltung derer, die sagen: „Sollen doch die anderen machen, mit mir nicht.“ Und wer in den sozialen Medien irgendwelche Falschinformationen mit dem Ziel der Verunsicherung betreibt, stellt sich ebenfalls außerhalb unserer Stadtgesellschaft auf.

Kompletter Brief unten.


Liebe BĂŒrgerinnen & BĂŒrger

das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Auch Deutschland und unser Stuttgart. Deswegen mĂŒssen wir jetzt in unserer Stadt zusammenhalten. Auf jeden Einzelnen kommt es an. Es handelt sich um eine gewaltige Anstrengung der gesamten Stadtgesellschaft. Unsere wichtigste Aufgabe ist es jetzt, die Ausbruchsgeschwindigkeit so zu drosseln, dass unsere KrankenhĂ€user in Stuttgart immer genĂŒgend Intensivbehandlungen fĂŒr die Menschen zur VerfĂŒgung stellen können, die das Virus am schlimmsten trifft.

Stuttgart ist gut mit KrankenhĂ€usern versorgt, und wir bauen die KapazitĂ€ten fĂŒr Intensivbehandlungen weiter aus. Aber der Anstieg der Schwerstkranken muss gebremst werden. Alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger tragen eine Mitverantwortung nicht nur fĂŒr sich selbst, sondern fĂŒr alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter.

HĂ€nde waschen, Abstand halten, zuhause bleiben, Ă€ltere Menschen mit Vorerkrankungen besonders schĂŒtzen und ihnen helfen, zum Beispiel beim Einkaufen. Das sind die Stichworte, auf die es jetzt wirklich ankommt.

Wir fahren das öffentliche Leben, das wir alle so schĂ€tzen, soweit es irgend geht herunter. Das ist schmerzlich, gerade jetzt, wenn es wĂ€rmer wird und man gerne viel Zeit gemeinsam draußen verbringen möchte.

Doch das ist jetzt notwendig, zunÀchst einmal bis zum Ende der Osterferien. Vielleicht sogar auch lÀnger. Wenn man ehrlich ist, dann kann man heute in der letzten MÀrz-Woche noch nicht sagen, wie lange es wirklich dauern wird. Auch das ist eine bittere Wahrheit. Aber eines ist sicher: Je konsequenter wir uns alle an die Regeln und Vorschriften halten, umso eher werden wir das Virus in Schach halten und unser normales freies Leben wieder aufnehmen können.

Die Stadt hat einen Krisenstab eingerichtet, in dem unter meiner Leitung alle Ämter zusammen mit Polizei, Feuerwehr sowie dem Leiter unseres Gesundheitsamtes, Professor Ehehalt, und dem Medizinischen Direktor unseres Klinikums, Professor JĂŒrgensen, vertreten sind. Dort werden die nötigen Entscheidungen sofort getroffen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mitmachen und dazu beitragen, dass unsere Stadt zusammenhĂ€lt. Bei den vielen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, die solidarisch mithelfen. Bei den BeschĂ€ftigten in den Kliniken ganz egal ob Ärzte oder Pflegepersonal. NatĂŒrlich auch bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die ebenfalls Immenses leisten. NatĂŒrlich auch bei den Eltern, die jetzt mit ihren Kindern zuhause sind, sie beschĂ€ftigen, mit ihnen spielen oder lernen. Bei der Feuerwehr, der Polizei, dem DRK, bei allen technischen Diensten, auch bei der MĂŒllabfuhr. Schließlich auch bei den umsichtigen BeschĂ€ftigten der LebensmittelgeschĂ€fte, die einen tollen Job machen. Auch unsere stĂ€dtischen Verwaltungsmitarbeiter verdienen unsere Anerkennung, ebenso der Gemeinderat, der als Hauptorgan unserer Stadt eine zentrale Bedeutung hat.

Liebe Leserinnen und Leser unseres Amtsblatts, das alles wird nicht einfach in den nĂ€chsten Wochen. Aber Fatalismus wĂ€re nun das Allerschlimmste. Ich meine den asozialen Fatalismus der Corona-Partys oder die fatale Haltung derer, die sagen: „Sollen doch die anderen machen, mit mir nicht.“ Und wer in den sozialen Medien irgendwelche Falschinformationen mit dem Ziel der Verunsicherung betreibt, stellt sich ebenfalls außerhalb unserer Stadtgesellschaft auf.

„Wo aber Gefahr ist, wĂ€chst das Rettende auch“, heißt es 1803 in einer Hymne von Friederich Hölderlin. Ich habe die Hoffnung, dass jetzt nicht das Destruktive wĂ€chst, sondern eben das, was uns helfen kann, das Virus zu besiegen. Eine solche Hoffnung macht es einfacher, die vielen aktuellen EinschrĂ€nkungen zu ertragen.

Helfen Sie alle mit.

Ihr Fritz Kuhn

1 Comment

  • martin sagt:

    565 gemeldete Infektionen in Stuttgart (26.3.2020)

    —-

    Coronavirus: Mehr Platz fĂŒr Infizierte und zur QuarantĂ€ne – Stadt mietet Schutz-UnterkĂŒnfte

    In Stuttgart sind inzwischen 565 (Stand: 26. MĂ€rz 2020, 14 Uhr) gemeldete Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus registriert, teilte die Stadt am Donnerstag, 26. MĂ€rz, mit. Drei Menschen sind an den Folgen der Viruserkrankung verstorben (Stand: 26. MĂ€rz, 14 Uhr). Um die Kliniken weiter zu entlasten, eine gute medizinische Betreuung zu sichern und die Lage von isolierten Erkrankten zu verbessern, schafft die Stadt jetzt vorsorglich ĂŒber 300 PlĂ€tze zur Unterbringung und Betreuung. Die gemieteten GebĂ€ude sind ĂŒber mehrere Stadtbezirke verteilt und werden von verschiedenen Hilfsdiensten im Auftrag der Stadt betrieben.

    Die BĂŒrgermeisterin fĂŒr Soziales und gesellschaftliche Integration, Dr. Alexandra Sußmann erklĂ€rte: „Wir schaffen Schutz-UnterkĂŒnfte. Sie bieten Erkrankten einen Schutzraum zur Genesung.“ Sußmann weiter: „Sie können genutzt werden von Menschen, die sich als VerdachtsfĂ€lle in hĂ€usliche Isolation begeben mĂŒssen, oder von Erkrankten mit mildem Verlauf, deren QuarantĂ€ne angeordnet wurde, aber nicht in der eigenen Wohnung möglich ist. Auch können wir hier vorĂŒbergehend Patienten betreuen, die nicht im Krankenhaus versorgt werden mĂŒssen, sich aber auch nicht zu Hause versorgen können.“ Die Menschen seien an den Orten in Einzelzimmern untergebracht und wĂŒrden so lange wie nötig professionell mit Pflege und Essen versorgt. FĂŒr sie gelten strenge Regeln der QuarantĂ€ne, deren Einhaltung ĂŒberwacht wĂŒrde. Die Zuweisung erfolge nach Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.

    Die erste Einrichtung nimmt am Freitag, 27. MĂ€rz, ihren Betrieb auf. Das Deutsche Rote Kreuz kĂŒmmert sich dann in Stuttgart-Mitte um QuarantĂ€nefĂ€lle aus dem Kreis von GeflĂŒchteten und von wohnungslosen Menschen. Das GebĂ€ude bietet 34 PlĂ€tze. Wenn der Bedarf steigt, so könnten Schutz-UnterkĂŒnfte in Stuttgart-Wangen (40 PlĂ€tze), in Stuttgart-Ost (90 PlĂ€tze) zur Unterbringung allgemeiner QuarantĂ€nefĂ€lle genutzt werden. Zwei weitere Objekte böten 165 PlĂ€tze. Der BĂŒrgermeister fĂŒr Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen, Thomas Fuhrmann unterstrich: „Wir haben intensiv nach Objekten gesucht, die den Patienten besten Schutz bieten. Wichtig war uns, dass die Rahmenbedingungen und die Konditionen stimmen. Denn wir brauchen FlexibilitĂ€t, um bei steigenden Infektionen handlungsfĂ€hig zu bleiben.“

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