Feinstaubalarm wird eingestellt

Bild Stadt Stuttgart

Die Stuttgarter Erfindung Feinstaubalarm, fĂŒr nicht wenige vielleicht der grĂ¶ĂŸte Humbug aller Zeiten, aber halt auch wieder so ein geiler Stuttgart, wird ab Mitte April wieder eingestellt. Die LuftqualitĂ€t hĂ€tte sich verbessert, die Feinstaubwerte in Stuttgart “nachweislich unter einem kritischen Wert geblieben”, so OB Fritz Kuhn in der PM, siehe unten.

Fazit: Survived Feinstaubalarm 2016 – 2020 (Notiz an uns selbst: Shirt drucken).

Stuttgart stellt Feinstaubalarm ab Mitte April ein – OB Kuhn: „Wir sind angetreten, die LuftqualitĂ€t zu verbessern. Das ist uns gelungen.“ 

Die Landeshauptstadt Stuttgart wird den Feinstaubalarm nach dem 15. April 2020 abschaffen. Im Jahr 2019 sind die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte fĂŒr Feinstaub zum zweiten Mal in Folge eingehalten worden. Nach den offiziellen Messungen der Landesanstalt fĂŒr Umwelt Baden-WĂŒrttemberg (LUBW) hat es im vergangenen Jahr an der Messstelle Am Neckartor 27 Überschreitungstage gegeben.

Im Jahr 2018 waren insgesamt 20 Überschreitungstage erfasst worden. ZulĂ€ssig sind 35 Überschreitungstage. An keiner Messstelle in Stuttgart wird nunmehr seit zwei Jahren dieser Wert gerissen. Die zulĂ€ssigen Jahresmittelgrenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft werden an sĂ€mtlichen Stationen erreicht. 

OberbĂŒrgermeister Fritz Kuhn sagte am Freitag, 17. Januar 2020: „Ich freue mich sehr, dass die Feinstaubwerte in Stuttgart nachweislich unter einem kritischen Wert geblieben sind. Heute kann ich deshalb verkĂŒnden, dass wir den Feinstaubalarm ab Mitte April 2020 einstellen werden. Das ist ein großer Erfolg. Ich danke allen, die dazu ihren Beitrag geleistet haben: den BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, den verschiedenen Unternehmen und Institutionen sowie dem Land, das sich finanziell engagiert hat.“

WĂ€hrend des Feinstaubalarms haben mehrere Partner Rabattaktionen angeboten und den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel gefördert. Stadt und Land haben sich ebenfalls finanziell beteiligt. 

EingefĂŒhrt wurde der bundesweit einmalige Feinstaubalarm im Januar 2016. Seither habe es auch Kritik gegeben, so der OB. Davon habe man sich aber nicht beirren lassen. OB Kuhn: „Wir haben das Thema Luftverschmutzung in Stuttgart nicht mehr unter den Teppich gekehrt, sondern sind angetreten mit dem Ziel, die LuftqualitĂ€t in Stuttgart zu verbessern. Das ist uns gelungen. Der Feinstaubalarm war das richtige Instrument, er hat die Leute aufgerĂŒttelt und dazu gefĂŒhrt, dass sie ĂŒber Luftreinhaltung diskutieren und dafĂŒr sensibilisiert worden sind, ihr MobilitĂ€tsverhalten zu ĂŒberdenken.“ 

Feinstaubwerte sind ĂŒber die Jahre deutlich gesunken 
Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der Feinstaubwert nur an maximal 35 Tagen im Kalenderjahr bei ĂŒber 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen darf. Im Jahr 2015 hat die LUBW an der Messstelle Am Neckartor noch 68 Überschreitungstage gemessen. 2016 waren es 58 Überschreitungstage und 2017 dann 41 Überschreitungstage, gefolgt von 20 und 27 in den Jahren 2018 und 2019. FĂŒr die Jahre 2015 bis 2018 sind Streusalz und natĂŒrliche Quellen bereits abgezogen. Vor zehn Jahren lagen die Werte noch bei ĂŒber 100 Überschreitungstagen. 

Hintergrund Feinstaubalarm 
Die Stadt Stuttgart hat den Feinstaubalarm im Januar 2016 als Instrument zur Luftreinhaltung eingefĂŒhrt. Feinstaubalarm wurde ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschrĂ€nktes Austauschvermögen der AtmosphĂ€re prognostiziert hat.

Der Grund: Durch die austauscharme Wetterlage besteht die Gefahr von Überschreitungen der Grenzwerte fĂŒr Feinstaub. Vor allem im Winterhalbjahr können hĂ€ufiger Wetterbedingungen herrschen, die eine Anreicherung der Luft mit Schadstoffen begĂŒnstigen. Diese austauscharmen Wetterlagen verhindern die Verteilung und den Abtransport der Luftschadstoffe in die AtmosphĂ€re. 

Bei Feinstaubalarm haben die Stadt und das Land Baden-WĂŒrttemberg an die Stuttgarterinnen und Stuttgarter sowie die Pendlerinnen und Pendler aus der Region appelliert, das Auto möglichst in Stuttgart nicht zu nutzen und auf umweltfreundliche Alternativen umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Der Betrieb von Komfort-Kaminen, also Kaminen, die nicht der Grundversorgung dienen, war nach einer Verordnung der Landesregierung an Alarm-Tagen untersagt. Die Feinstaubalarm-Periode dauerte jeweils vom 15. Oktober bis zum 15. April. 

Der Feinstaubalarm wurde stets mit einem Tag Vorlauf bekannt gegeben und die Öffentlichkeit informiert, sodass sich Autofahrer rechtzeitig MobilitĂ€tsalternativen suchen konnten. Zudem informierte die Stadt umgehend ĂŒber die eigens fĂŒr den Feinstaubalarm eingerichtete Internetseite, die sozialen Medien sowie ĂŒber die Vario- Tafeln an Hauptverkehrsstraßen. 

Maßnahmen zur Luftreinhaltung 
Die Stadt Stuttgart hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Maßnahmen ergriffen, um die LuftqualitĂ€t im Stadtgebiet zu verbessern. Dazu gehören die massive Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, die EinfĂŒhrung der Umweltzone, das LKW-Durchfahrtsverbot, die intensive Förderung des Fuß- und Radverkehrs, das Jobticket, verstĂ€rkte Maßnahmen zur VerkehrsverflĂŒssigung, mehr StadtgrĂŒn fĂŒr das Stadtklima sowie der Feinstaubalarm. 

DarĂŒber hinaus hat die Stadt in den vergangenen Jahren nichts unversucht gelassen und auch neuen, innovativen Ideen und Projekten zur Luftreinhaltung eine Chance gegeben. Ein Beispiel hierfĂŒr ist das Testprojekt Straßenreinigung, bei dem Fahrspuren sowie Gehwege rund um die Messstelle “Am Neckartor” wĂ€hrend der Feinstaubalarmperiode in einer Kombination aus Wasserdruckreinigung und Absaugung sowie mechanischer Reinigung behandelt werden. Die nĂ€chtliche Straßenreinigung wird noch bis Mitte April 2020 fortgefĂŒhrt. 

3 Comments

  • Niko sagt:

    Das Thema Feinstaub und Feinstaubalarm sind fĂŒr mich ein klares Zeichen dafĂŒr (gewesen) dass die Politik in Deutschland entweder einfach macht was sie will, egal was die wissenschaftlichen Belege eigentlich suggerieren, oder echt absolut gar keinen Plan hat davon, wo man relevante wissenschaftliche Informationen zu einem bestimmten Thema herbekommt. Es hat fĂŒr mich die GlaubwĂŒrdigkeit von Politik nachhaltig zerstört. Entweder, die sind ideologisch getrieben, oder wirklich ahnungslos. Beides ist zermĂŒrbend.

  • ChrisK sagt:

    Apropos einstellen, was ist den aktuell mit dem X1?

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