Hallo Scootgart

Rattan Roll. Neulich irgendwo an der B 14.

So Rollerausfahrt ist rum. War wohl gut. Thorsten und Jaytext haben bestimmt bald die Bilder und die O-Töne (Antwort: Ja. coming soon wie Hérmes Shop in der Stiftstraße). Ich selbst war 2019 nicht dabei. Was daran lag, dass ich keinen Roller mehr hab. Und dass irgendjemand ja im Backend von kessel.tv die nächste Großveranstaltung planen muss.

Folgende Ideen stehen bisher auf dem großen Flipchart: Der große kessel.tv Nordic Walking Ausflug. Die kessel.tv Gassirunde (mit Leinenpflicht und Listenhundeverbot). Die lustige kessel.tv Flusskreuzfahrt. Oder die kessel.tv E-Scooter-Safari. Bitte liked Euren Favoriten in den Kommis. Danke.

Scooter deshalb, weil coming sowas von soon. Selbst die Zeitung mit den großen Buchstaben schreibt: E-Scooter werden immer beliebter (Symbolfoto). Und ein Mann namens Roger Kehle, der wohl Präsi des Gemeindetags Baden-Württemberg ist, pressemitteilt, “dass man noch nicht genug über diese Dinge weiß, um wirklich sagen zu können, was da alles zu geschehen hat.”

Die Medien jedenfalls sind seit Wochen voll davon – und wenn man ihnen glaubt, die Friedhöfe auch. Nur in Stuttgart ist bisher noch keiner damit gefahren und somit glücklicherweise auch noch keiner daran gestorben. Jetzt (wann eigentlich genau) kommen aber dann drei Anbieter mit je 100 E-Scootern: die Firmen Circ, Lime und Voi.

Ich dachte erst, das ist das Line-up vom New Fall Festival in der Carl-Benz-Arena, bis mir a) auffiel, dass es das in Stuttgart nicht mehr gibt und b) dass ich Lime ja schon gefahren bin. Im Mai in Paris. Von einem Arrondissement ins nächste.

kessel.tv Prakti – bitte im Dreisatz Kilometer- und Minutenpreis ausrechnen, in ne ordentliche Infografik packen und mit den Kosten von Auto und SSB vergleichen. Danke.

Die Erkenntnis damals: E-Scooter fahren ist beides – saugut und saudoof. Natürlich macht das großen Spaß und es ist – wenn man die App und den Roller mal zum Laufen gebracht hat – eine supergute Art von A nach B zu kommen. Wenn B jetzt nicht Bad Cannstatt ist und A Asemwald. Dann ist es Quatsch. Aber innerstädtisch und für die sogenannte letzte Meile und ohne Einkaufstüten ist das durchaus geil.

Was es doof macht, ist der Typ am Lenker. Leider zwingt einen die unkomplizierte Art des Anmietens, Losfahrens, Abstellens dazu, sich wie ein Arsch auf zwei Rädern zu benehmen. Man fährt noch anarchischer als auf einem Fahrrad: Rote Ampel, Einbahnstraße, Bürgersteig – alles kann, nichts muss, vor allem anhalten nicht.

Damit Schwarm-Intelligenz funktioniert, braucht es halt immer auch einen Schlaubi-Schlumpf, der einem die Vorteile von Vernunft mal kurz vor dem inneren Powerpoint-Auge ablaufen lässt. Und ja: Natürlich zwingt einen niemand, sich wie ein Idiot zu benehmen – ein E-Scooter tut aber zumindest von der Sache her relativ wenig dagegen.

Bisher. In München haben die Dinger im Gegensatz zu Paris jetzt immerhin kleine Nummernschilder. Dort habe ich mich neulich echt gefreut, als ich festgestellt habe, dass es vom Ostbahnhof zur Rosenheimerstraße doch noch ein paar Meter sind – und ein Lime-Roller vor der Tür stand.

Für die letzte Meile, le kilometre dernier oder so: lustigerweise hat mich die Lime-App – noch im Paris-Modus – nämlich französisch angequatscht. Wohl nicht wissend, dass ich in Franz durchgängig ne Fünf hatte.

In der deutschen Version der App ist jetzt übrigens niedlicherweise ein Spiel integriert. In-App-Game heißt sowas bestimmt. Da kann man auf spielerische Art lernen, wo man den Scooter abstellen darf – und wo nicht. Ob dass das Problem lösen wird, dass man die Dinger einfach stehen und liegen lässt wie Schuhe beim Nachhausekommen aus dem Climax? Je ne sais pas.

Wenn die E-Scooter jetzt dann jedenfalls nach Stuttgart kommen – dann weiß man im Gegensatz zu Roger Kehle eigentlich schon so ein bisschen, was passieren wird:

In anderen Städten darf man sie ohne Helm & Co fahren – nur in Stuttgart wird man wahrscheinlich Ellbogenschützer tragen müssen (“mfg ihre wgv. Gut versichert auf allen Wegen”).

Ein Typ namens E-Scooter-Basti wird versuchen, das Ding aufzubohren/aufzuhacken, um damit auf der Weinsteige hochzus und nunderzus geblitzt zu werden. Es wird ihm nicht gelingen – aber der auf diese Art manipulierte Roller kommt ins Stadtmuseum.

Das Gerber wird Scooterfahrern das Scooterfahren vergüten. Im Milaneo werden sie ein paar Alibi-E-Scooter Parkplätze einrichten, während im Kottan jemand ein Schild an die Tür hängt, das E-Scooter-Fahrern den Zutritt verweigert.

Auf der Theo wird sich der ExOne versuchsweise die Busspur mit E-Rollern teilen – und scheitern: nach wenigen Tagen steht das E- in E-Scooter für Eskalation. Worauf die Zeitung mit den großen Buchstaben die Jugendwörter des Jahres 2020 erfindet:

Rollerrüpel.

Raserroller.

Todesscooter.

Scooterkiller.

Dann wird Vertikalpass Jens Grahl dabei erwischen, wie er mit dem Scooter zum Training in die Mercedesstraße fährt und dabei ein Selfie schießt. Shitstorm und Entlassung Tim Walter coming up. („Grahlgate“, „Über diesen Scooter stolperte der Trainer“. Alles hinter der Paywall). 

Michael Gädt wird lustiger Markenbotschafter des Start-ups „Stuggy-Scooty“ und die EnBW legt mit dem Premiumangebot „Schwabenroller“ nach.

In other news wird Stuggi.tv bei den Sexwochen umfragen, ob schon mal jemand mit dem E-Roller zum heißen Date gefahren ist. Geheimtipp Stuttgart wird out of context verraten, dass es das beste Eis der Stadt beim Pinguin gibt. Und für die künftige Wortschöpfung “Scootgart” kann man Uwebogen eigentlich schon mal den Literatur-Nobelpreis rauslegen.

Alles andere aber bleibt beim Alten: die Menschen werden weiterhin ExOne, U6 und V90 fahren – und auch nicht früher sterben als in Zeiten bevor es E-Scooter gab.

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