Verpassen ist wie erleben, nur krasser

Mein schönstes Ferienerlebnis: als ich dachte, RAM kommt extra vorbei, um uns Ombrelloni zu bringen, was er mit seiner Firma schon seit 1955 tut.

Die längste Zeit, die ich mal nicht in Deutschland war, sondern ganz woanders, waren acht Monate. Und als ich damals zurückkam, war das Bemerkenswerteste, was in diesen acht Monaten passiert ist, die Hitparadenplatzierung einer Formation namens No Angels.

Der ganze Prozess Casting – Erfolg – Single-Auskopplung dieser Formation war damals spurlos an mir vorbeigegangen. Deshalb kam der Nummer 1 Hit (“Daylight in your eyes”) für mich wie aus dem Nichts. Und daran sieht man mal, wie wenig man verpasst, wenn man denkt, man verpasst was.

Hätte es damals schon Autokorrektur gegeben, dann hätte die erst sehr viel später erfundene Schreibhilfe aus den No Angels die No Nagels gemacht, so wie sie gerade eben, viele Jahre später beim Tippen dieses Textes gemacht hat.

Und man würde sich heute in launiger Aperol Sprizz Runde die Frage stellen: “Was macht eigentlich Sandy Mölling von den No Nagels?” Ist aber nicht so. Denn die Epoche der No Angels war noch das Zeitalter von Tipp Ex. Autokorrektur gibt es aber mehr oder weniger erst ab Mac OS X Snow Leopard 10.6 – #dfdi.

Neulich beim alles entscheidenden Relegationsspiel des VfB Stuttgart gegen Union Berlin dachte ich noch: Ach guck – Sandy Mölling interviewt Thomas Hitzlsperger. War aber gar nicht Sandy Mölling, über die ich dadurch jetzt immerhin weiß, dass sie 2017 bei der RTL Show ‘Dance Dance Dance’ mitgemacht hat – und zwar mit dem Ex-Monrose-Mitglied Bahar Kizil als Tanzpartnerin.

Desweiteren weiß das Internet, das nichts vergisst, dass Sandy zusammen mit Dagmar Sprenger-Fuchs das Buch Pumpel, der Baumzwerg – Auf der Suche nach dem großen Glück verfasst hat. Ich hoffe für alle Beteiligten, dass das ein Kinderbuch ist.

Jetzt war ich statt acht Monaten nur zwei Wochen weg, komme wieder und die Bundeswehr wirbt mit dem Rautezeichen #schrauben. Der VfB Stuttgart ist ab- und die Stuttgarter Kickers sind nicht aufgestiegen. Auch die – das ging an vielen vorbei wie die No Nagels – übrigens mussten durch einen mürbemachenden Relegationsprozess.

Das ebenfalls alles entscheidende Spiel gegen den FC Bayern Alzenau habe ich mir zumindest in Ausschnitten im Live-Stream (!) auf Youtube (!!) angeschaut, nach der verdienten 1:0 Führung durch Alzenau Toptorjäger Hedon Selishta aber den Laptop mit inzwischen MacOs Mojave enttäuscht zugeklappt. Verpasst hab ich dadurch noch den Ausgleich der Kickers zum 1:1 – mit dem die Kickers wiederum den Aufstieg in die 4. Liga verpasst haben. Wodurch man wieder mal sieht, wie wenig man verpasst, wenn man denkt, man verpasst was.

Im Gegensatz zum nichts-vergessenden Interweb habe ich dann vergessen, das Netzteil meines Computers aus dem Urlaub wieder mit nach Hause zu bringen. Das kann ich nur bedingt empfehlen. Weil es einen am ersten Arbeitstag direkt in den Gravis Lautenschlagerstrasse führt. 25 Minuten und 90 Euro später verfügt man dann aber wieder über die Technologie, den Rechner hochzufahren.

(Hochfahren! Geiler 2000er Ausdruck. Hochfahren gabs doch vor dem Computer nur im Zusammenhang mit der Weinsteige, oder?). Und dann merkst du, dass dein Browser immer noch versucht, dem Livestream (!!) der Partie Alzenau gegen Stuttgarter Kickers etwas Positives abzugewinnen.

Apropos positiv: besser als heimkommen und die No Angels sind auf Platz 1 ist heimkommen und diese Mail ist in deinem Postfach:

Guten Tag,

ich habe Ihre Email an den Vorsitzenden der Abteilung Milchschafe zur Bearbeitung weiter geleitet.

Mit freundlichen Grüssen
Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg e.V.
homepage: 
www.schaf-bw.de

Das ist fast so schön wie ein Ombrelloni von RAMBERTI. Werbung wegen Markennennung. Und wegen ganz viel Ombrelloni – und Milchschafliebe.

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