Selbsttest: Zehn Tage Lieferando (Teil zwei)

Satt nach ein paar Mausklicks: Im Internet Food zu bestellen ist praktisch, einfach und  geht schnell. Schmeckt’s denn auch? Unser Gastautor Guenter Flohrs hat zehn Tage lang bei Bringdienst-Übervater lieferando.de bestellt. Die Tage eins bis fünf kann man hier nachlesen.

Tag 6. Ich hätte Lust auf den guten alten „Onkel Otto“, das selbst ernannte „Schnitzelparadies“ auf der Wangener Höhe. Das Jägerschnitzel mit Spätzle und Champignon-Rahmsauce kostet 11,90 €, mit  Fleisch von der Pute: 1,50 € extra. Machen wir es kurz: Es ist schon kurz nach 22 Uhr, daher folgender Hinweis: Das Restaurant, bei dem Du gerne bestellen würdest, ist derzeit leider geschlossen. Bitte bestelle bei einem anderen Restaurant, indem Du hier klickst. Grrr.

Okay. Stattdessen dann halt der absolute Klassiker: “Angelo’s Pizza-Taxi”. Der Mindestbestellwert liegt bei süßen 5,90 €, er hat – Rekord – schon über 14 000 Beurteilungen, Seit dreißig Jahren die Macht am Nesenbach. Aber nur drei von fünf Sternen, how comes? Auf jeden Fall kann man garantiert bis 23 Uhr bestellen.

Pizza und Pasta sind dort immer ein Genuss, aber ich bin gerade auf Schnitzel mit Spätzle fixiert. Es kommt mit Champignon-Rahmsauce, für 9,90.€ (ohne Aufpreis für die Pute).

Dazu einen frischen Apfelkuchen und eine Schwarzwälder Kirschtorte vom Hafendörfer (je 3 €) für das Frühstück am nächsten Tag, die Angelo seit seinem jüngsten Jubiläum im Programm hat. Ferner gibt’s mittlerweile hauseigenen Kaffee und Dinkel-Pizzen.

Was es auch gibt bei Lieferando : die sensationell günstigen Angelo’s- Tagesgerichte für 5,90 € inklusive einem kleinen Beilagensalat

Vorläufiges Fazit: Yes, he can. Angelo’s bringt’s einfach. 30 Jahre Tradition und kein Skandälchen in Sicht.

Woran man sich gewöhnen muss: Manche Lieferando-Boten rufen einen an, während sie schon vor der Tür stehen, weil sie anscheinend mit dem komplizierten Klingel-Mechanismus nicht zurecht kommen.

Tag 7. “The Burger Republik” wirbt mit täglich frischen Brötchen vom Meisterbäcker, regionalem Weiderind und Fritten von den Fildern – sounds good, also los.

My choice: Der Los Cojones Mexicanos Burger mit Salat, Tomaten, Bacon, Jalapenos, roten Zwiebeln, Chili-Mayonnaise und Chilisauce für 8,20 €.

Und der Cojones-Burger hat wirklich Eier – er brennt ordentlich im Kittel. Die „kleine“ Portion von den Filder-Fritten (2,70 €) erschlägt einen schier, ist bestimmt ein knappes Pfund. Leider sind sie teilweise hart. Dazu gibt’s Balsamico-Mayonnaise und zum Nachtisch die guten Republic Brownies, hausgemachte Brownie-Ecken, lecker schokoladig, für 3,80 €

Lobenswert: neun Drinks der Marke „Fritz“ sind im Angebot (Kola 2,80 €) , Biere der Marke „Meckatzer“ und nur kommt die Kola leider warm ins Haus.

Auf der Karte wird sogar angezeigt, dass sich ein gewisser Mehmet Efendi für mich von der Sophienstraße aus auf den Weg gemacht hat. Ich kann live nachverfolgen, dass er einen Umweg über den Stöckach nimmt

Dank Jalapenos-Alarm fühle mich zeitweile wie ein Kandidat der Reihe „Man vs. Food“ auf D-Max. Ich frage mich nur: Wieso schreibe ich immer „bitte OHNE ZWIEBELN liefern“ in die Bestellung, wenn es eh in 90 % der Fälle ignoriert wird? Und: Wo war jetzt eigentlich der Bergkäse?

Tag 8. Hätte Bock auf den „Indian Palace“. 17 vegetarische Hauptgerichte, darunter solche mit Kichererbsen, schwarzen Linsen und gebratenen Auberginen sowie frischen Okraschoten.

Entscheide mich für Vegetable Malai Kofta, Gemüsebällchen mit Nüssen, Kokos und Sahnecurry (13,90 €). Kurzum: Es kommt wieder mein Lieblingsspruch – das Restaurant, bei dem Du gerne bestellen würdest, ist derzeit leider geschlossen. Bitte bestelle bei einem anderen Restaurant, indem Du hier klickst.

Alternativ bietet sich etwa “Roshni’s Palace” an, ebenfalls ein Inder. Dort werden die Malai Kofta als Bällchen aus Kartoffeln, Rahmkäse und Gemüse mit Mandeln, Rosinen und Cashewnüssen in Weizenmehl frittiert und in würzig milder Sauce angepriesen, Kostenpunkt: 14,10 €.

Und Herr Roshni stellt einen ersten Rekord auf: 45 Minuten Lieferzeit sind avisiert, 28 Minuten vor der Zeit kommt er.

Die Bällchen entpuppen sich als drei leckere krokettenförmige Teilchen, die schier in einem Wust aus Basmatireis und rezenter Currysauce verschwinden. Unterm Strich eins der besseren Gerichte, jedenfalls.

Tag 9. So langsam würde ich gern wieder selbst kochen, aber ich habe mir diese Mission ausgesucht. Am Abend des neunten Tags kommt die vorläufige Krönung: „Art Sushi“ aus der Hasenbergstraße im West End. Vier Sterne, 284 Bewertungen. Happiger Mindestbestellwert: 25 €.

Aber es gibt bei Lieferando noch einen anderen Bringdienst, bei dem man für Sushi schlappe 50 Tacken hinlegen muss, bevor er sich bequemt. Ungewöhnlich ist bei Art Sushi auch, dass zusätzlich eine Lieferpauschale von drei Euro aufgerufen wird.

Egal: Von der Art Inside-Out-Platte war ich restlos begeistert. Je vier Sushi der Sorten California Roll, Philadelphia Roll, Green Veggie, Virginia,  Alaska Roll und Spicy Salmon sind ein absolutes Geschmackserlebnis während dieser zehntägigen Mission.

Mitgeliefert werden Wasabi und Ingwer satt sowie Stäbchen. 18,50 € kostet dieses Vergnügen. Ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht, welches Röllchen was ist, kann vielleicht Aal von Lachs unterscheiden, aber dann hört’s auch schon auf.

Die Gaumen-Parade endgültig abrunden können die Nigiri Maguro (7,- €). Bekanntermaßen betreiben unsere japanischen Freunde einen regelrechten Kult um  Thunfisch, auf den Großmärkten in Tokio werden horrende Preise verlangt. Diese Art von Thunfisch – und Art Sushi liefert sie – ist einzigartig in Textur, Struktur und organischer Beschaffenheit, geschmacklich sowieso. Beileibe nicht zu vergleichen mit dem Billig-Thunfisch aus der Dose, der in diversen Salaten landet.

Ach ja – 70 Minuten Lieferzeit waren angepeilt, aber mein tüchtiger Junge Mohammed kommt schon 40 Minuten vorher. Auch ein Rekord.

Tag 10. Mein Endgegner ist kein Geringerer als Burger King. Die Filiale am Marienplatz liefert aus.

Was soll man zu einem Big King XXL (9,19 € im King Menu mit Pommes und Cola) noch sagen? Die hauseigenen Werbetexter greifen jedenfalls in die Vollen und lassen sich nicht lumpen: “Extra-Extra-Large. Das ist keine Größenbezeichnung, das ist ein Versprechen. Mit 222 g (vor dem Grillen) auf offener Flamme frisch gegrilltem Beef, der original KING Sauce und nicht ein, nicht zwei, sondern drei leckeren Cheddar Cheese Scheiben ist der BIG KING XXL ein echter Prachtkerl mit satten 5 Zoll Durchmesser. Einfach zum Anbeißen.” Nuff said.
 
Um es mit Oberfranke Lothar Matthäus in New York City zu sagen, bestellte ich noch “An Schießbörcher, blies” dazu.

Ich will keine müden Sommerfestival-Witze aufwärmen von wegen kalten Ravioli und warmem Bier, aber einziger Kritikpunkt bei Burger King ist, dass die Pommes drei Grad wärmer sein könnten und die Cola zwei Grad kälter. Bei einem Lieferpreis von rund zehn Euro sollte man aber auch nicht unnötig herummäkeln.

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Vorläufiges Fazit: LIeferando.de oder im weiteren Kontext auch die ähnlich arbeitende Konkurrenz von Lieferheld.de ist ideal, wenn es schnell und unkompliziert gehen soll und man nicht genügend Bargeld im Haus hat. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass relativ viel Fluktuation herrscht.

Außerdem ist Vorsicht geboten bei kleineren Anbietern, von denen man noch nie gehört hat. Die verschwinden mitunter auch recht schnell von der Liste. An den Kunden-Bewertungen, den Sternen, kann man sich im Normalfall gut orientieren. In diesem Sinne: Prost Mahlzeit!

Ach, noch ein Tipp : Bitte nicht am Valentinstag (14.2.) bestellen. Da ist naturgemäß bei Bringdiensten die Hölle los. Letztes Jahr musste ich zwei Stunden auf meine Cannelloni warten, die dann wenigstens – nach einer Beschwerde meinerseits – aufs Haus gingen. Danke, Angelo.

Zu Teil eins bis fünf.

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