Selbsttest: Zehn Tage Lieferando (Teil eins)

Satt nach ein paar Mausklicks: Im Internet Food zu bestellen ist praktisch, einfach und geht schnell. Schmeckt’s denn auch? Unser Gastautor Guenter Flohrs hat zehn Tage lang bei Bringdienst-Übervater lieferando.de bestellt. Teil eins: Die ersten fĂŒnf Tage.


Mein alter Kumpel Bodo hatte mich gewarnt: “Nimm sie nicht so hart ran, fĂŒr das bisschen Kohle können sie nichts Gescheites liefern.”Sollten sie aber. Mehr als hundert Anbieter beteiligen sich allein in Stuttgart am Lieferando-Konzept, fĂŒr kessel.tv testete ich zehn davon an zehn Abenden. Hintereinander.

Lieferando, fĂŒr die wahrscheinlich eher wenigeren Menschen, die es noch nicht kennen sollten: Man ruft im Internet auf www.lieferando.de einen Anbieter auf, klickt das gewĂŒnschte Essen und gegebenenfalls GetrĂ€nke an und lĂ€sst den Zahlungsbetrag zum Beispiel via PayPal oder ĂŒber die Kreditkarte bequem abbuchen. Circa eine halbe Stunde spĂ€ter klingelt der Bote.

Tag 1. Fix sind sie, das muss man ihnen lassen. Fangen wir mit dem klassischen Underdog an. Das Experiment startet mit „Palmyra“, einem Araber, von dem ich vorher noch nie gehört habe.

Das Falafel-Sandwich ist kein klassisches im Sinne des Earl of Sandwich, sondern ein Pfannkuchen, in den die KichererbsenteigbÀllchen eingewickelt sind. Ganz lecker, der Pfannkuchen ist auch nicht schlechter als der von Frau Mama.

Nur: das dazu bestellte Hummus, diese eigentlich ĂŒberaus beliebte Kichererbsenpaste, wird von einer Geschmacksnote dominiert, die wirklich ĂŒbel ist. Etwa wie DJ Autopsy-Achmed unterm Arm, nach fĂŒnf Stunden Auflegen. Die Falafel wĂŒrde ich jederzeit wieder ordern, aber dieser ĂŒbel stechend schmeckende Hummus – nein, danke.

Immerhin: Ich habe um 21.20 Uhr bestellt, 40 Minuten Lieferzeit sind avisiert – und bereits um Zehn vor Zehn kommt ein grauhaariger Herr und liefert das GewĂŒnschte.

Tag 2. Ich habe Bock auf Griechisch.. „Souvlaking“ heißt einer der gelisteten Anbieter, und ich bin gespannt, ob das Souvlaki dort King ist.

Ich freue mich auf den Ladokola Mix – er wird als “beliebtes Gericht” ausgelobt; Schweinefleischspieß ist drin, Bifteki, Gyros, Pommes frites, Zwiebeln und Tzatziki. 13,50 € soll es kosten.

Nachdem ich trotz einigem Herumklicken nicht weiter komme, finde ich schließlich ganz oben am Bildschirm diesen frustrierenden Hinweis: Das Restaurant, bei dem Du gerne bestellen wĂŒrdest, ist derzeit leider geschlossen. Bitte bestelle bei einem anderen Restaurant, indem Du hier klickst.

Wie sich an den Folgetagen zeigt, wird der Souvlaking ĂŒberhaupt nicht mehr bei Lieferando gelistet. Shit happens. Ich entscheide mich alternativ fĂŒr den Thai-Chinesen „Bambus-Garten“.

Das Gareng Phet macht mich an, mit rotem Thai Curry, Kokosnussmilch, GemĂŒse und Bambussprossen. Es ist erhĂ€ltlich mit HĂŒhnerfleisch, Rindfleisch, Schweinefleisch oder mit Tofu (10,- €). Dazu zwei mittelgroße FrĂŒhlingsrollen (3,50 €). Alles mundet bestens, ich muss auch gestehen, dass ich noch nie auf einen ThailĂ€nder gestoßen bin, der nicht gewisse QualitĂ€tsstandards bietet. Als durchschnittliche Lieferzeit: werden 55 Minuten angegeben, tatsĂ€chlich rauscht er nach etwa 40 Minuten an.

Wie sich auch an den Folgetagen zeigt, scheint diese Masche mit dem Zu-FrĂŒh-Kommen Prinzip zu sein.

Tag 3. Der Souvlaking taucht erst gar nicht in der Taskleiste auf. Schade. Da ich dennoch Bock auf lukullische Hellas-Spezereien habe, erwĂ€hle ich stattdessen:das  „Restaurant Fuchsrain“, ebenfalls ein Grieche, der alternativ als „Hungerbox“ firmiert.

Die Portion Gyros, eins der „beliebten Gerichte“, kostet dort satte 13,90 €. Ich bin gespannt.. Mit Salat extra wĂ€ren es weitere 1,50 €, aber ich entscheide mich stattdessen fĂŒr die beliebte Fischrogenpaste Taramas (4,90 €). Der Mindestbestellwert liegt bei immerhin 15 Euro.

Dann der Hammer: Das Gyros wird in einer 23 x 14 x 5 cm großen Dinnerbox kredenzt, die prallvoll bis zum Rand ist mit Gyros und Pommes – irgendwo stand neulich zu lesen, dass ein nachhaltig denkender MitteleuropĂ€er seinen Fleischkonsum auf 400 Gramm pro Woche beschrĂ€nken sollte und diese Marke ist hiermit locker erreicht.

Das fein geschnetzelte Schweinefleisch vom Drehspieß mit Tzatziki und Pommes frites schmeckt comme il faut, wird aber bald kalt, denn man kommt kaum nach mit dem Essen. Das Taramas ist auch nicht schlechter als bei meinem Lieblings-Griechen in Reutlingen, dem „Jahnhaus“ zwischen Kreiskrankenhaus und Hohbuch-Siedlung. Und mengenmĂ€ĂŸig macht es sogar mehr her.

Praktisch ist bei Lieferando noch, dass nach dem Bestellen ein Stadtplan angezeigt wird, auf dem man live nachverfolgen kann, wo sich der Kurier gerade befindet. Ich sehe, dass das Fuchsrain im tiefsten Gablenberg residiert.

Praktisch auch jedes Mal: das Dialogfeld beim Bestellvorgang fĂŒr kurze oder mittellange Regieanweisungen Ă   la „bitte ohne Zwiebeln“, „mit extra KĂ€se“ oder „wer das liest, ist doof“.

Calwer Eck. Symbolbild. Oder Fasching.

Tag 4. Am Montagabend ist mir nach schwĂ€bischer Hausmannskost und wĂ€hle ich die „Waldschenke Calwer Eck“. Diese Schenke liegt bekanntlich nicht im Wald,  sondern mitten in der FußgĂ€ngerzone Calwer Straße. In der Traditions-Lokalbrauerei fanden immer wieder abgefahrene Afro-Partys mit Ex-Unbekanntes-Tier-TĂŒrsteher Selector Manne „Manitu“ Hellriegel und seiner Tochter Afropunk statt. Aber ich schweife ab.

Ich entscheide mich fĂŒr den Braumeister-Schmaus. Eine hausgemachter Maultasche gibt‘s, FleischkĂ€se und KĂ€sespĂ€tzle, dazu Bratensauce und ZwiebelschmĂ€tze (14,80 €). Ich vermelde im Dialogfeld extra, dass ich keine Zwiebeln wĂŒnsche, aber dieser Wunsch wird schlichtweg ignoriert.

Das Ganze kommt leidlich lieblos angerichtet in einem schwarzen Plastiknapf, geschmacklich ist es okay, die ­­­­­- leider etwas spĂ€rliche – Bratensoße reißt es raus, die KĂ€sspĂ€tzle sind eine fade Beleidigung fĂŒr jeden, der  frĂŒher schon einmal die wohlfeilen KĂ€sspĂ€tzle im legendĂ€ren „Litfass“ beim nicht minder legendĂ€ren Ali Taner (heute: „White Noise“) verkostet hat.

Weitere Highlights dieses Hauses sind das Wiener Schnitzel oder die  FlĂ€dlessuppe oder das Brauhaus-PfĂ€nnle mit Filets vom Rind und Schwein in Pfeffer-Rahmsauce, dazu Kartoffelrösti und Beilagensalat (fĂŒr stolze 25,80 €).

Alles in allem etwas zu hochpreisig dafĂŒr, dass gediegene Vorstadt-Bringdienst-Tristesse geboten wird.

Tag 5. Heute soll es tĂŒrkisch sein. Das „Marmaris“ hat 1498 Bewertungen, mit durchschnittlich 4 von 5 Sternen.

Mit der Falafel im Kebab (5,50 €, mit Joghurtsauce) und dem Yufka Döner (6,50 € komme ich genau auf den Mindestbestellwert von 12 €, *fuxbin.

Die Karte zeigt an: Er kommt aus Downtown Heslach. „Killesberg-Baby, ich komm‘ aus Heslach, zum Dach der Stadt und leg Dich flach“, oder wie lautete noch einmal der Songtext  von Rapper Thomas D.?

Über den Döner kann man nichts Schlechtes sagen, außer dass er schon kalt war, als er bei mir ankam. Dickes Lob dafĂŒr, dass mein Sonderwunsch „ohne Zwiebeln“ erfĂŒllt wurde. Das ist nicht immer selbstverstĂ€ndlich, wie sich auch an den folgenden Tagen zeigt. Meine einzige Bitte: Mehr Joghurtsauce, please.

Die nĂ€chsten fĂŒnf Tage folgen in Teil 2 am Freitag, 22. Februar.

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