1ste Liebe – Kolumne für Westallee-Programmheft

Vor dem Marienplatzfest ist nach der Westallee, die war wieder schön und bunt und hip und alle da und alle schön und wir freuen uns aufs nächste Jahr. Danke für den KTV Soundsystem-Slot auf der Mainstage, Danke wie immer an die tanzende U9-Crowd vor der Bühne und Danke fürs Organisieren. Anbei noch als Blogpost meine Ex-Westside Kolumne für das diesjährige Programmheft.

(Alle Fotos von Jerrit Peinelt) 

Es ist schön dich zu sehen, Love, hab‘ dich vermisst.
Ich hab’ fast vergessen wie ich mag wie du bist

Ich freue mich immer, wenn ich wieder mal im Westen bin. Denn nach einem wilden aber wenig sinnvollen WG-Jahr in Zuffenhausen in den 90ern war der Westen meine 1ste Liebe. In der Schwabstraße im Hinterhaus, unweit von der Kreuzung zur Rotebühlstraße, wo vor dem Kaba Sound das erste Video zu „A.N.N.A.“ gedreht wurde. Der Westen war für mich damals Schwabstraße, Café Soho, Edeka, Hausbesetzung gegenüber und ohne Fahrkarte mit dem Bus zur Uni. Erst WG mit meinem Bruder, dann im gleichen Block gegenüber zum ersten Mal allein gewohnt.

Nach der Schule ging ich für drei Monate weg
Hab’ noch andres entdeckt, lag woanders im Bett

Dann wurde ich dem Westen zum ersten Mal untreu. Die erste gemeinsame Wohnung mit der Freundin, in wirklich zentraler Lage in der Sophienstraße mit Tiefgarage und Dachterrasse.

Als ich dich wiedersah wusst ich, es war nur für ‘nen Moment
Klar ging ich wieder mal fremd, und seh, sie hat mir verziehen

Aber bald ging es gemeinsam zurück in den Westen, neue Hood, next level, Altbau-Maisonette mit Whirlpool, offenem Kamin und verschwenderischer Küche. Der Westen war wieder gut zu mir. Jetzt war der Westen für mich Vogelsang, Arndt-/Spittastraße und Bismarckplatz, das erste Motorrad und über den Westbahnhof nach Leonberg zur Arbeit.

Ich zog dreimal im Westen um, und zurück zu Mama
Dann in zwei Zimmer mit Terrasse mit dem Cash von Anna

Neuer Lebensabschnitt, neue Wohnung, neue Gegend, aber immer noch Westen. Für den Nachwuchs brauchte es mehr Platz, der Altbau in der Leuschnerstraße hatte vier Zimmer und war frisch renoviert. Der Westen war hier schön und weitläufig und näher an der Stadt als je zuvor. Er war der Spielplatz unterhalb vom Bismarckplatz Sonntagmorgen um 8, das Ekiz in der Ludwigstraße und der Feuersee, das Café Heller und beim Samstagsausflug zum Shoppen immer ein Stop bei Tom im Vinyl-West. Er war aber auch Hochparterre, Balkon zum kargen Hinterhof, die Drogenabgabestelle neben der Post in der Senefelderstraße und pöbelnde Junkies unter dem Wohnzimmerfenster.

Dass wir beide uns mal trennen – woher konnt ich’s wissen?
In einer Beziehung leben heißt auch Deal mit Kompromissen

Die Trennung vom Westen musste sein und war schwer und leicht. Die Neue Weinsteige, ein großer Altbau mit Garten und dem Blick über die Stadt, den jeder, der in Stuttgart wohnt, gerne hätte, haben den Deal trotz Stadtautobahn vor dem Fenster klargemacht. Und seitdem habe ich, und ich muss es zugeben, eine neue Liebe: den Süden. Selbst der Abschied von der Weinsteige nach vielen Jahren fiel mir nicht schwer, gegen mein HSV mit Herbertz, Mozartplatz, Hafendörfer, 10 Minuten Laufweite zum Marienplatz und zur Stadtmitte gibt es wenig Argumente. Und doch, wenn ich im WM Studio Elbe bin, im Lumen frühstücke, am Hölderlinplatz bei Timi sitze oder wenn Westallee ist – dann ist es immer ein kleiner Flirt. Und wer weiß, vielleicht komme ich irgendwann zurück.

Wenn’s nur um uns ging, Love, ich wär’ geblieben,
denn du bleibst meine Erste Liebe!

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