Die in dieser Klasse erwartete Scheibe Räucherlachs: HBF-Insticle

Wer weiss, was ein GIF-Listicle ist, bitte die Hand heben. Ah nur einer, ok.

Also fasse ich es für alle anderen nochmal kurz zusammen: ein GIF-Listicle – haben wir letzte Woche gelernt – ist so ein inflationärer Internet-Beitrag, bei dem man zusammengeklaute Wackelbilder aus dem Interweb (sogenannte GIFs) mit Witzen aus Christoph Sonntags Grüner Tonne (sogenannte Jokes) recycelt und daraus eine Liste macht.

Zum Beispiel: 10 Dinge, an denen Ihr erkennt, dass Ihr an einem Hauptbahnhof seid.

Und wisst Ihr, was wir hier jetzt nicht machen? Richtig. Ein GIF-Listicle. Stattdessen bekommt ihr ein Insticle.

Das Wort habe ich gerade erfunden und es ist eine Mischung aus Instagram und Artikel und heisst eigentlich nix anderes als: ich war seit langem mal wieder am Bahnhof und hab mir Bilder und Gedanken gemacht.

Bitte aufgleisen – weil wo, wenn nicht an einem Bahnhof gleist man sich was auf? Diese Lok hatte ich von Märklin. Und ich meine mich zu erinnern, dass es schon damals meine Lieblingslok war. Das hat sich bis heute nicht geändert. Soviel Lokliebe. Im nächsten Leben möchte ich bitte für immer 16 sein – und mich für immer via Interrail von dieser Lokomotive quer durch Europa ziehen lassen.

Leider wurde dieses schöne Bild getrübt, als zwei rivalisierende JGA-Gruppen an der Bahnsteigkante aufeinander trafen. Die einen als Bogenschützen, die anderen als Schuhplattler verkleidet. Hätten wir euch gerne hier gezeigt.

Aber erstens peitschte uns beim Sichten der Bilder der Ekel. Und zweitens darf man laut DSVGO keine Idioten mehr zeigen. Sinnvoller wäre es in diesem Punkt, man würde laut DSVGO die JGAs unterbinden und nicht umgekehrt. Der Gute Laune Express fuhr jedenfalls planmäßig ab Gleis 5. Karneval der Kulturen. Und ein Prosit der Gemütlichkeit und der Sitzplatzreservierung.

Wie geil ist bitteschön Ritter Sport? Mach das mal mit Milka. Eat your heart out, blöde Kuh. Wenn einer von euch in einer Art Schoko-Mikado die Rum-Trauben-Nuss da rauskriegt, ohne dass die anderen umfallen, darf er mit zum nächsten kessel.tv Spielewochenende und versuchen, DJ Elbe im Jenga zu schlagen.

Bitte die Typo – und den unterarmtattowierwürdigen Text – einfach mal wirken lassen. Und ich meine nicht  Ankunft – Abfahrt. Wobei… warum eigentlich nicht?

War schon mal irgendjemand im Intercity-Hotel? Ich bisher nicht. Aber nachdem ich einen Blick in den Frühstücksraum werfen durfte, überlege ich mir, dort hinzuziehen. Man sieht die zu hart gekochten  Eier, die in einem Körbchen unter einer winzigen karierten Thermo-Decke liegen, förmlich vor sich. Dazu eine blasse Wurst, die einen Schinken imitiert und ein No-Name Aprikosen-Gelee mit unheimlich viel Zucker und unheimlich wenig Aprikosengeschmack.

In meiner neuen Lieblingsquelle Google Rezensionen konnte ich dazu noch folgende Highlights recherchieren: “Es ist zwar sauber, aber leider auch dunkel und ungemütlich” und “Im Bad konnten wir den Waschbeckenstöpsel nicht öffnen” aber auch “Das Frühstück hätte die in dieser Klasse erwartete Scheibe Räucherlachs bieten können.” (Dieter auf booking.com vor einem Monat).

Die in dieser Klasse erwartete Scheibe Räucherlachs – ich glaube nicht, dass jemand schon mal aus Versehen einen besseren Max Goldt Buchtitel rausgehauen hat.

Die berüchtigte Klettpassage habe ich übrigens ganz bewusst nicht durchschritten und/oder fotografiert. Ich finde, alles was es zur Klettpassage zu sagen gibt, hat schon mal jemand gesagt. Ich zum Beispiel.

Irgendwann hatte ich mal die Anfrage, einen Werbeclaim dafür zu entwickeln. Mein Vorschlag “Die Klettpassage – da muss man durch” kam aber bei der Werbegemeinschaft nicht so gut an.

Heute wären sie froh, sie hätten so eine eigenständige Positionierung. Heute, wo die Klettpassage gar keinen echten USP mehr hat und ihr die Stammkunden in Richtung Paulinenbrücke und Co. abwandern.

Ob das die gleiche Werbegemeinschaft ist, wie in diesem Fall, weiß ich nicht. Und ich mag mich auch täuschen, aber ist “Einkaufsvielfalt von früh bis spät an 365 Tagen im Jahr” nicht eher der große Vorteil  von amazon und nicht von Bahnhof? Wenn ich einen Vorschlag machen darf: wie wär’s denn mit “Hauptbahnhof Stuttgart. Einkaufsvielfalt von früh bis spät an 365 Tagen im Jahr und dazu Lokomotiven vom Feinsten”? Gern geschehen.

So stelle ich mir den Eingang zur Hölle vor. Lost & Found. Mit der Betonung auf verdammt lost. Früher war genau an dieser Stelle mal der Lufthansa City Schalter. Das war superpraktisch, weil man da schon für seinen Flug in Frankfurt einchecken und sein Gepäck aufgeben konnte.

Im Grunde ein vorgelagerter Check-in Schalter – und gleichzeitig ein nachgelagertes Gepäckband: als ich mal mit der Lufthansa aus Mumbai in Frankfurt gelandet bin, kam hier mein Koffer raus. Und zwar mit voller Absicht. Im Grunde heisst das ja, dass der Koffer wahrscheinlich im gleichen Zug wie ich saß. Nur ohne von mir getragen zu werden.

Dies ist das Traurigste, was Ihr diese Woche sehen werdet. Versprochen. Das Casino FSA Hauptbahnhof Stuttgart. Eine Art Kantine für DB Mitarbeiter, in der man aber auch essen darf, wenn man kein Lokomotivführer ist.

Am Dienstag war das Stammessen Kohlroulade gefüllt mit Schweinehackfleisch an Schmorzwiebelsoße dazu Karottengemüse und Salzkartoffeln. Für Gäste 6,25. Für DB Mitarbeiter 3,25 €.

Die meisten gehen aber glaub nicht wegen dem Essen sondern wegen der Atmo hierher. Die meisten hahahaha. Der war gut. Jemand hat das in einer Google-Rezi (!) ganz schön zusammengefasst:

„Eine typische Kantine mit Ermäßigung  für  Mitarbeiter  der DB und andere öffentliche Dienste ( mit Nachweis).  Kochleistung ist leider sehr durchschnittlich… 
Ich hatte aber ab und zu Glück wenn mal wieder eine Aktion wie gesundes Essen oder Job und Fit gibt, da sind manchmal leckere Gerichte dabei.
Leider gibt es aber ansonsten  einheitsbrei… meistens , braten, wurst, Frikadelle mit Reis, Nudeln oder Kartoffeln…. langweilig und kleine Portionen… schade“

Tja, so ist das im Leben: mal fehlt der Räucherlachs, mal die Kochleistung. Aber hey: you never walk alone.

Der erste Fernsehturm der Welt, Wahrzeichen der Landeshauptstadt und das Zuhause der beiden Kosmonauten Äffle & Pferdle… ach nee, jetzt bin ich im Dia verrutscht. Genau wie der segwayfahrende Reisegruppeführer, der seine Karohemd/Halbarm-lastige Reisegruppe hier natürlich mit einem Referat über Stuttgart 21 beglückt hat.

Frage: Ist Segway-Führer eigentlich ein Ausbildungsberuf? Ich möchte dieser Stadt (und den Menschen, die sie sich von einem Segway aus anschauen) an dieser Stelle ein kleines Armutszeugnis ausstellen: wenn eines deiner größten touristischen Highlights eine milliardenteure Baustelle ist, weiß ich ja auch nicht. Evolutionsbiologisch kommt der Segway für mich übrigens eine Stufe vor dem Rollator.

Der grüne oder der rote Draht? #brucewillisvoice. Seit es in Stuttgart Stella und Car2Go, FlexPilot und Stadtmobil, Bahnbike und Schwarzfahren gibt, braucht eigentlich kein Mensch mehr ein Taxi. Dafür gibt es Nordsee. Pro-Tipp: wo Nordsee ist, ist wahrscheinlich auch die in dieser Klasse erwartete Scheibe Räucherlachs.

Und falls Ihr euch wie Segway-Touristen fragt: Was geht eigentlich bei S21? Lasst euch sagen: keine Bange. Das schaut alles gut aus. Läuft. Baustelle in full swing. Kann sich nur noch um Wochen handeln bis zum Soft-Opening. Und auch wenn ich kein Bauingenieur bin – aber aus meiner Sicht wirkt das alles top: on time und on statik. Ich bin jedenfalls guter Dinge.

Das wir jetzt zusammen bis zum Ende dieses Insticles durchgehalten haben und uns den Michael Gaedt Gedächtniswitz verkniffen haben, bei dem man die englische Dankeschön-Ansage der Deutschen Bahn nachäfft, ist wahrscheinlich heute die größte redaktionelle Leistung. Chapeau.

Wer war jetzt dafür nochmal journalistisch verantwortlich? In jedem Fall war das der erste DSVGO-zertifizierte kessel.tv Beitrag ever. More to come. Bitte bleiben Sie gespannt.

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