Mondo Sangue – Hängt ihn höher!

(Foto: Allscore Media)

Wenn’s mal etwas brutaler werden darf: Einfach mal ein paar Spaghetti-Western aus den späten 60ern, frühen 70ern ansurfen. Was als bloßes Abziehbild der Winnetou-Filme, Hollywood-Western und Samurai-Schinken begann, wurde durch Regisseure wie beispielsweise Sergio Leone, schmalem Budget und viel Lust schnell zur eigenen Kunstform.

Im Italowestern wird munter geblutet, gebumst, gerächt, vergewaltigt und brandgeschatzt. Auch ziemlich beeindruckend: Wer in den Italo-Western der Ära umgeballert wurde, fiel nicht einfach um wie ein Sack Kartoffeln, sondern schlug im Idealfall dabei Pirouetten wie ein betrunkener Eiskunstläufer. Toll.

Und wenn einer aufgeknüpft wurde, dann aber bitteschön so hoch, dass er wenigstens noch Panoramablick aus Halbhöhenlage hatte, bevor das Genick bricht und der Zigarillo aus dem Mundwinkel fällt. Ehrensache. Sich mit der blickdichten Feinstrumpfhose an der Türklinke erhängen war da noch keine Option.

Die Dialogdichte war auch recht überschaubar. Wie so ein Beziehungsstreit:

Er: “Was ist los?”
Sie: “Nix!!!!!”

… und dann hoffen, dass die Ärzte dich noch retten können.

Auch die Musik von Komponisten wie Ennio Morricone oder Bruno Nicolai war schmackofatzmäßig, bei so einem Zirkus kannste schließlich nicht mit Bonnie Tyler oder One Republic auflaufen: Hochpsychedelisches Geflirre, ordentlich Kitsch, Rumgepfeife, Leitmelodien, Gejodel, Streicher satt und einen Galopp, den später nur noch Iron Maiden einigermaßen hinbekommen haben.

Nach L’Isola dei dannati, dem gefakten Soundtrack zum ollen Kannibalenfilmen-Genre, nehmen sich Mondo Sangue aus Stuttgart nun den Italo-Western musikalisch zur Brust: „No Place For A Man“.

Den Film dazu gibt’s nicht, die Geschichte ist aber schon ganz viel versprechend. Ein einsamer Desperado kommt in eine Stadt, in der nur Frauen leben und jeder weiß sofort: Nix da Analog-Tinder, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Grobe Ecke, des von Christian Bluthardt und Ivy Pop ersonnenen Soundtracks: natürlich Ennio Morricone, ein bisschen Ricky King, Nancy Sinatra oder, hüstel, die Countryplatten von Bela B  und was sich Quentin Tarantino so im Fieber erträumen würde.

Die Platte gibt’s hier. Der Italowestern-Abend mit Mondo Sangue steigt am Montag, 9. April, 21.00 Uhr in der Rakete – mit Andreas Vogel, Yvy Pop und Christian Bluthardt.

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