Home is where the Hannibal is

Dauerbrenner-Thema Asemwald. Den wahrscheinlich einzigen Stadtteil, der aus drei H√§usern besteht, hatten wir jetzt schon ein paar Mal¬†hier auf kessel.tv. K√∂nnte also gut sein, dass wir demn√§chst eine eigene Landingpage daf√ľr machen. Oder einen eigenen Blog: asemwald.tv

Andererseits sind 91.000 qm nat√ľrlich auch eine ergiebige Quelle –¬†(kann das schnell jemand im Back-End der ktv Redaktion in Fu√üballfelder umrechnen? Danke.)¬†Dazu der ganze Wald und das viele Feld vor der T√ľr, wo sich Fuchs und Hase und Herr Polke aus H3/Stock 17 alle Gute Nacht sagen. Night night.

2013 hatte Leserreporterin Boomin Granny hier ja schon den Asemwald¬†Pro-Tipp: “Abends hingehen und vom B√§nkle auf dem Birkacher Feld aus zuschauen, wie die Lichter in den Treppenh√§usern an und aus gehen. Das ist wie Atari-Tennis in r i e s e n gro√ü (und ohne Ball).”

W√§re ich Werbeleiter vom Asemwald, w√ľrde ich Bepper machen: “Drei H√§user, 1000 M√∂glichkeiten”. Denn es gibt Infrastruktur satt: Kindergarten, Kirche, Sportplatz, Tennisplatz, Verwaltung, Frisuren, medizinische Fu√üpflege, Akkupunktur, BW Bank, den Supermarkt Treff 3000 ‚Äď und ja, es gibt nat√ľrlich das Restaurant und das Schwimmbad, √ľber das immer alle staunen.

Allerdings m√ľssen wir auf dem Karussell der Freude ein bisschen die Spa√übremser spielen. Denn¬†das Klauss & Partner Immobilienmanagement informiert: Schwimmbad und Sauna bleiben wegen technischer Probleme und damit verbundener Reparaturarbeiten bis auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Bis auf unbestimmte Zeit ist die Steigerung von bis auf weiteres ‚Äď und klingt f√ľr mich, als h√§tte man auf jeden Fall mal den St√∂psel gezogen und das Wasser abgelassen.¬†Schade. Das hei√üt auch, dass die Wassergymnastik mit Spa√ü von Mike-Sports bis auf unbestimmte Zeit ausfallen muss.

Wei√ü jetzt mietrechtlich nat√ľrlich nicht, was das bedeutet, wenn Du Schwimmbad im Mietvertrag stehen hast, dann aber auf dem Trockenen sitzt? Sind Anw√§lte unter Euch? Ist das schon Mietminderung?

Aber es gibt ja noch ganz oben das Bella Vista –¬†das angeblich h√∂chstgelegene Restaurant der Stadt.¬†Wobei es √ľber die Qualit√§t unterschiedliche Aussagen gibt. Also zumindest im Interweb, wo Google-Gourmeggles schreiben: ‚ÄěDas¬†Essen¬†war gut, die Bedienungen sehr¬†flott¬†und¬†professionell.”

Oder auch ‚Äěleider sehr gro√üe Portionen, was nicht n√∂tig w√§re‚Äú und das schw√§rmerische¬†‚ÄěEin MUSS, nicht nur f√ľr Verliebte & Genie√üer!!‚Äú

Aus unserer Lieblings-Rezension stammt der Auszug:¬†‚ÄěSch√∂n war auch nicht, dass das Essen nicht beschriftet war‚Äú. Wobei sich das auf das Silvester-Buffet bezog. Und der Abend anscheinend insgesamt unbefriedigend war:

‚ÄěDer Melonen-Schinken Salat sah aus wie das reinste Massaker.‚Äú Wir waren jetzt nicht dabei, aber liegt Massaker nicht sogar in der Natur eines Melonen-Schinken-Salats? Und geht der Trend nicht ohnehin zum Kale-Salat, dem das Katastrophale g√§nzlich fremd ist?

Wer weiter googelt, findet dort aber auch die Liebeserkl√§rung von¬†H R J: ‚ÄěMein senkrechtes Dorf.‚Äú

Und auch die folgenden Stimmen gibt es online ‚Äď wobei man auch fragen darf: wer bittesch√∂n schreibt eine Rezension √ľber einen Wohnblock auf Google?

“Betrunkene die vom Bistro kommen finden manchmal infolge zu viel Alkohols den Nachhauseweg nicht und fallen durch unkoordinierten Gang auf den Wiesen um. Der Anblick ist nicht so sch√∂n.”

“Ich lebe jetzt schon ein parr jahre hier und bin sehr zufrieden sehr ruhige wohnverh√§ltnisse eine klasse k√∂rper schmiede in der n√§he und Hast deine ruhe,¬†Die einkaufs m√∂glichkeit ist zwar zum kotzen aber sonst ganz nett hier.”

F√ľr uns nebenan in M√∂hringen war fr√ľher die unmittelbare Nachbarschaft immer viel spannender als der Asemwald und die Hannibal Hochh√§user selber. Denn direkt daneben waren und sind die Kelley Baracks. Von allen die Kelleys genannt. Irgendwann zwischen dem kalten Krieg und diesem ganzen Terror-Irrsinn gab es mal eine sch√∂ne Phase, in der die Kelleys nicht ganz so hermetisch abgeriegelt waren.

Wenn man jemanden kannte, der in den PX Supermarkt kam, konnte man sich Peanutbutter-Cookie-Spr√ľhk√§se und andere Cholesterin-Buddies mitbringen lassen. Aber auch NTSC Videocassetten von Ted Nugent – live in Colorado, die keine Sau abspielen konnte.

√úberhaupt war Amerika in dieser Gegend auch au√üerhalb der Kelleys zum Greifen nah. √úberall fuhren Dodges und Buicks und Chevrolets mit US-Nummernschild. Und wir haben als Kinder jedes amerikanische Fahrzeug mit dem Zeigefinger-Mittelfinger V gegr√ľ√üt. Ahnungslos, ob das nun Peace, Victory oder voll die coole Karre hei√üen sollte. Das war auch egal, denn die Amerikaner haben immer zur√ľckge-vaut. Und das war das Gr√∂√üte.

Neben dem Highlight Deutsch-Amerikanisches Volksfest in den Kelley Barracks, denn da waren wirklich T√ľr und Tor offen. Man durfte selber einen Fu√ü auf amerikanischen Boden setzen, und es gab salzige Popcorn mit Butter, Hot Dogs, Burger und Marshmallows ‚Äď und das lange, lange, bevor man das im Gerber-Edeka in einem eigenen US-Regal kaufen konnte.

Ich fand Amerika vor der Haust√ľr zu haben fr√ľher immer super. Besser als Asemwald jedenfalls. Heute hat sich das verschoben. Little Amerika ist f√ľr Au√üenstehende geschlossen – und Asemwald wohl als Wohnort gut, sagen einige, und teuer und gesucht. Auch als Drehort. Ich kenne einige Leute, die finden die Vorstellung, in einem Hochhaus nicht nur zu drehen, sondern auch zu wohnen, top.

Ich selber bin kein Hochhaus-Man. Ab mehr als sechs Parteien muss ich immer an den 70er Jahre Katastrophenfilm ‚ÄöFlammendes Inferno‚Äô denken, in dem ein Hochhaus brennt ‚Äď und ich k√∂nnte keine Nacht ruhig schlafen. Gibt‚Äôs eigentlich noch Katastrophenfilme? Oder sind alle Ungl√ľcke inzwischen abgefr√ľhst√ľckt?

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