Gone Leitz-Ordner in Feuerbach

Lesen Anwälte mit? Kann sein, dass wir gleich einen brauchen. Zum Beispiel für die Frage, ob man wegen Rumstromern rückwirkend drankommen kann. Drankommen – geile Gangstersprache. Wir haben nämlich das Leitz-Areal unerlaubt betreten. Beziehungsweise unaufgefordert, weil so richtig nicht erlaubt war’s nicht.

Stand zumindest nirgends dran, dass man nicht reinkommen soll. Was für uns immer wie eine Einladung klingt. Die amerikanische Sprache hat dafür das schöne Wort trespassing. Das stammt von tres- und/oder trans- und passing, as in ‘go by’ und heißt soviel ‘enter unlawfully’ Ihr kleinen Etymologen.

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Und so ein bisschen gesetzlos eindringen – das ist das, was wir am besten können, hier in Deutschlands größtem Baustellenblog. Hat jemand Gone Girl gesehen oder gelesen oder beides? Und sich genauso darüber aufgeregt, dass der Mimik-Allergiker Ben Affleck in Minute 1, wo er als total unschuldig gilt und in Minute 80, wo er erfährt, dass alles nur Rache war, das gleiche Gesicht macht? Das Ben Affleck Gesicht nämlich?

Und habt Ihr euch auch an der Stelle gefürchtet, wo die Obdachlosen in der stillgelegten Mall rumhängen? Auch da haben die Amerikaner ja wieder einen Top-Ausdruck, der unserer Sprache fehlt: abandoned places. So hab ich mich gefühlt.

Wie an einem verlassenen Ort, wo du durchstreifst und die ganze Zeit damit rechnest, dass aus dem Nichts jemand “Hey” ruft. Entweder ein Abbruchleiter, der dich fragt, was du da zu suchen hast.

Für den Fall hatte ich mir so ein Genuschel zurecht gelegt von wegen “Tatort-Dreh, suchen ne Location, bin vom SWR, Ritchy Müller wartet unten im Auto, SIE könnten aber gerne auch mitspielen, tolles Profil haben Sie, echt, kennt man Sie vielleicht aus einer anderen Serie? Theater? Netflix?

Oder aber du kriegst synchron mit dem “Hey” eine Eisenstange über den Kopf. Wie im Film. Da muss man ja eigentlich auch nicht mehr groß “Hey” rufen, sondern kann gleich zuschlagen. Hat aber glaube ich eine ganz schöne Dramaturgie: Hey – Klonk – Blut – Blende auf schwarz.

Dann gefesselt aufwachen und nicht wissen, warum – und zwar genau hier:

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So, damit dass aber nicht nur abandoned art wird hier, sondern auch noch im Infokästchen einen kleinen Mehrwert liefert (Bei kessel.tv ist der Leser noch König), hier die Fakten. Vor allem, weil ich selber keine Ahnung hatte. Ich wußte nicht mal, dass der Leitz Ordner made in Feuerbach war. Dachte, da sitzt nur die Verwaltung. Haha, wie Meta: die Verwaltung von Leitz Ordnern, die ihre Akten in Leitz Ordnern verwaltet.

Denkt da mal drüber nach – und schreibt einen Plot für einen Tatort Stuttgart, der im Leitz Areal spielt. Einsendeschluss ist Montag.

Der Leitz Ordner wird seit Mitte 2015 nicht mehr hier produziert. Die Aktenlage (gnihihihi):

„Der Plan sieht vor, das Produktionsvolumen aus Stuttgart zukünftig auf den zweiten Produktionsstandort in Uelzen in Niedersachsen sowie teilweise auf Standorte in Polen und der Tschechischen Republik zu konzentrieren“.

Was bitteschön hat Uelzen was Feuerbach nicht hat??

2014 stand jedenfalls noch im Interweb “Die neu gegründete 1A Immobilien AG hat das 19.000 m² große Leitz-Areal in Stuttgart-Feuerbach erworben und will es bis Mitte 2015 zu einem gemischt-genutzten Gewerbequartier entwickeln.”

Da seid ihr jetzt ehrlich gesagt ein bisschen hinten dran, liebe 1a. What happened? Vielleicht kann das der kessel.tv Prakti ja mal recherchieren. Und gleich einen Café au lait für 65 Eurocent mitbringen? Danke.

In der Zwischenzeit bitte oben die Galerie durchklicken frei nach dem Motto: Wir haben die Bilder (STZSTN-voice). 

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