Swabian Dire Straits beim Jatz Offen

Gilmoure

So geht Lichterfest: Pink fucking Floyd, more or less. 

So ihr kleinen Fischmarkt-Freunde, jetzt legt ihr mal das Heringsbrötle aus der Hand, stellt den Küstennebel zurück auf den Tresen und macht die Birne mal schön weit für ein bisschen was mit Anspruch. Ins Beifangnetz von Fischmarkt, Lichterfest und Sale bei Mango sind uns nämlich ein paar echte kulturelle Highlights gegangen.

Gut, die strahlendsten Highlights sind leider vorbei: Die DJs RAM und Thorsten W. back to back beim Westalleefest. Und Donnerstagabend. David Gilmour bei den Jazz Open auf dem Schlossplatz. Sound, Licht, Songs, Dauer (3 Stunden) – das war wirklich etwas für absolute Gourmeggles. Und ich persönlich hätte nie geglaubt, dass ich meinem Leben nochmal unbekifft “Shine on you crazy diamond” live hören darf. Außer vielleicht in der Porsche-Arena von der Australian Pink Floyd Show, wo ich lieber nicht hingehen möchte.

Apropos: am Lago d’Iseo hab ich neben dem Abbau von Christo’s Floating Piers das hier entdeckt: Italian Dire Straits. Denaro per niente…e pollo gratis. Money for nothing and chicks for free. Besser wird’s eigentlich nicht. Die werden wir RAM mal ins Schocken buchen.

Dire Straits

Zurück zum Jazz Open – dem Southside für Killesberg-Anrainer. Man kann ja eigentlich saufroh sein, dass es nicht abgesagt wurde. Immerhin waren Donnerstagabend sommerliche 15 Grad und Quellwolken. Waren aber bestimmt alles auf’s Schlimmste eingestellt: Die Macans und Cayennes hätte man bei Starkregen sicher auch wie bei Rock am Ring mit dem Trekker aus der Hofdienergarage gezogen.

Gleichzeitig hab ich mich gefragt, wieviele Fans wohl beim Jazz Open zelten? Also richtig tatonkazelten, nicht unter so ner weißen Gartenplane Riesling trinken. Waren wohl nicht ganz so viele.

Die Dame vor mir mit der mitgebrachten Faserpelzdecke kam wohl auch eher direkt von daheim. Sie hat dann auch entsprechend die erste Hälfte des Konzertes damit verbracht, David Gilmour auf ihrem Samsung-Display mit dem Amaro-Filter anzuschauen. Foto, Foto, Video, Foto. Wer immer sich das am Freitag in der Zahnarztpraxis ihres Mannes alles anschauen musste.

Ich möchte gar nicht wissen, wieviele Fotos sie jetzt auf ihrem Telefon hat, bei denen die Marmot Doppeljacken ihrer Vorderleute aufgeblitzt sind und David Gilmour im Dunkeln steht. Bester Moment: als sie die Handykameras verwechselt hat und aus Versehen eine Reihe von Selfies gemacht hat. Da konnte man für ein paar Augenblicke das dumpfe Gesicht zu diesem dumpfen Verhalten sehen.

Als die Dame nach der kurzen Pause zu ihrem Platz zurückkam, links das Festivalfastfood Flammkuchen mit Lachs, rechts den Hugo in der Hand und noch im dinieren das Handy wieder zückte, da konnte ich nicht anders als was zu sagen. Über Bande. Ich hatte ja wie gesagt ihr Gesicht gesehen.

“Das viele Geld für die Karte Ihrer Frau war irgendwie auch rausgeschmissenes Geld” meinte ich zu ihrem Mann. Worauf der mir ein Waswillmanmachen-Lächeln und ein Schulterzucken schenkte und ihr einen bösen Blick. Sie liess dann tatsächlich bis zur Lasershow bei “Run like hell” das Handy unter der Decke liegen.

Wie das moralisch geht, dass sie nicht fotografieren durfte, ich aber schon, weiß ich jetzt auch nicht. Vielleicht weil ich nur drei Bilder gemacht hab und ansonsten mit offenem Mund da saß?

Vielleicht weil mich DJ Elbe genötigt hat? (“Schick mal n Foto für Instagram, damit wir zeigen, dass wir Hochkultur sind und nicht wie andere Blogger auf’m Fischmarkt”)

Vielleicht weil ich schon Pink Floyd gehört habe, als dazu noch illegale Substanzen gereicht wurden – und als Jazz noch Jatz gesprochen wurde. Die Musiker hießen Jatzer und das musikmachen hieß jatzen. Zumindest bei uns daheim.

Ich lobe hiermit bitte ganz öffentlich die Jazz Open, bei denen ich ein paar meiner besten Konzerte gesehen habe (Kravitz, Lenny und Gilmour, David zB.) als top organisierte, toll bestückte und an super guten Spielstätten stattfindende Veranstaltung. (Die Bühne vor dem Mercedes Museum finde ich einer der besten Locations in Süddeutschland – leider dieses Jahr nicht bei den Jazz Open dabei gewesen).

Und ich bin froh, dass die Organisatoren daraus keine schwäbischen Jatz Offen gemacht haben, sondern was richtig Großes, Internationales. Vor uns saßen Ukrainer, neben uns Spanier. Einer war in der Pause glaub im Starbucks schiffen, so gut oder schlecht ist mein Spanisch.

Richtig niveauvoll war übrigens auch die Sandwich-Performance Thorsten-RAM-Thorsten morgen auf dem Westallee Fest. Stellt euch mal vor, man hätte das alles umgedreht: David Gilmour spielt ‘Wish you were here’ vor dem Arbeitsgericht, im Pulled-Pork-Dunst eines Foodtrucks. Und RAM & Thorsten legen vor dem neuen Schloss auf. Sollte man auf jeden Fall alles mit dem Handy filmen.

So eng beieinander kuscheln RAM und Hotte sich sonst übrigens nur auf dem Langen kessel.tv Spielewochenende. Coming soon, coming eigentlich sogar schon nächste Woche, the Odenwald-Edition.

Und wo wir gerade dabei sind: save the date oder zumindest mal save the Netzfahrplan: Mitte August werden wir den langen kessel.tv U-Bahn-Tag machen. Ein Tag, alle Linien, alle Endstationen. Stay tuned. Gerade versuchen wir die SSB zu überzeugen, dass wir dafür drei Tagestickets und drei T-Shirts gesponsort bekommen. Wie so Bezahlblogger.

Zwei weitere Kultur-Highlights coming auch ziemlich soon: Zum einen macht das Citizen Kane Kollektiv abgefahrenes Zeug am Hafen. Mit zweien von denen durfte ich schon mal “was machen” – und war begeistert. Und alleine für das Bandfoto bekommen sie von mir schon den italienischen Dire Straits Theaterpreis.

PRINZIP ABIE NATHAN 1 Foto von Alex Wunsch

Die Pressemitteilung:

“Am 4. August 2016 präsentieren wir die Uraufführung der Theaterperformance PRINZIP ABIE NATHAN im Stuttgarter Hafen. Das Citizen.KANE.Kollektiv erzählt aus dem aufregenden Leben Abie Nathans, um den vergessenen Friedenskämpfer wieder zu Wort kommen zu lassen.  Abie Nathans kreative Lösungsansätze lassen das Kollektiv über die Rolle des Helden in der heutigen Gesellschaft nachdenken.

Aber das Kollektiv wäre nicht das Kollektiv, wenn es dies nicht auf seine ganz eigene performative Art tun würden: das Citizen.KANE.Kollektiv ist jetzt eine Band.”

Premiere: 04.08.2016
Vorstellungen (jeweils 19.30 Uhr) 05.08.2016 / 06.08.2016 / 11.08.2016 / 12.08.2016 / 13.08.2016
Startpunkt: U-Bahn-Station Hedelfinger Straße (Hedelfinger Str. 61,70327 Stuttgart) U9 / U13
Infos: citizenkane.de

Zweite Empfehlung ist das Tanz- und Theaterstück Identity im Theaterhaus, das zusammen mit 50 Jugendlichen und jungen Geflüchteten entstanden ist. Ich durfte ein bisschen spiggeln und den Prozess begleiten und kann versprechen, dass es ganz ganz toll wird.

Der Pressetext: “Rund 50 Jugendliche aus Stuttgart und geflüchtete Jugendliche treffen sich seit April 2016 zu gemeinsamen Tanz- und Theaterworkshops. Die Frage nach der eigenen Identität eint dabei die so unterschiedlich zusammengesetzte Gruppe: Wo kommen wir her? Wem fühlen wir uns zugehörig? Haben wir gemeinsame Werte? Was macht uns eigentlich aus? Und wie können wir zusammen leben, mit all dem Fremden, das wir nicht kennen? Vor dem wir Angst haben?

In der rund dreimonatigen Probenzeit suchen die Teilnehmer Antworten auf diese Fragen – kreativ und mit den Mitteln von Theater und Tanz. Und so erwartet uns nicht nur eine spartenübergreifende Tanz- und Theateraufführung, sondern wir werden auch Zeugen eines Prozesses: Wie aus Fremden Freunde werden, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und am Ende Hand in Hand auf der Bühne stehen.”

Dance for Good POST Kopie

VVK / AK: 6,- / erm.: 4,-
Kartenverkauf an der Theaterhaus-Kasse und telefonisch unter 0711 40 20 720

26 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.