Mir reicht der Ticker

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(Die einzige Stuttgarter Mannschaft, die in den letzten Wochen nicht abgestiegen ist. Reden wir trotzdem ĂŒber Fußball…)

Neulich an der Straßenkreuzung: die Ampel rot, der Blick kann schweifen. Eingeklemmt zwischen zwei sogenannten GWAs – Gehwegabschrankungsplakate. Das Plakat links lĂ€dt zum EM-Gucken ins Schweinemuseum, rechts wird “Die Fußball EM im Amici” beworben. FĂ€llt mir nur zweimal geil ein. Das Amici weist allerdings mit Sternchentext darauf hin, dass dort auf der LED-Wand nur “alle wichtigen Spiele” gezeigt werden. Wer entscheidet denn im Amici, was wichtig ist?

Sind das die Spiele, bei denen Amici-GĂ€ste mitspielen? Also Österreich – Island feat. Martin Harnik, zum Beispiel? Viele Spiele werden das dann aber nicht sein, nachdem das VfB Bermuda-Dreieck Tyton-Maxim-Kravets gar nicht bei der EM mitkicken darf. Sprungbrett Cannstatt. So schnell wird man zum Ex-Erstligist und Nationalspieler A.D.

Gut, in Cannstatt hat man daraus wenigstens Konsequenzen gezogen, in Degerloch dagegen wohl was anderes. Aber merke: Kokain schießt keine Tore.

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Dazu fĂ€llt mir wieder ein, dass Amici und Schweinemuseum ja ein und dem selben Sympathen gehören, oder? Dem Michael KĂ€fer Stuttgarts. Das schreit nach einem Shuttle-Verkehr zwischen beiden LokalitĂ€ten! LIFT liebt und kessel.tv prĂ€sentiert: Die lange Nacht der fragwĂŒrdigen Public Viewing-Locations.

Wir mĂŒssen uns jetzt nach solchen Alternativen umschauen, weil das kessel.tv eigene EM-Studio dieses Jahr nur sichtbehinderte PlĂ€tze anbietet. Die Sicht wird vor allem dadurch behindert, dass DJ Elbe nicht da ist und uns den SchlĂŒssel nicht unter die Fußmatte legen will.

Dabei hatten wir so schöne Rahmenprogramm-Ideen: einen neuen Dresscode zum Beispiel. Weil es ab der EM die offizielle neue Fußi-Regel gibt, dass Spielhosen und Unterhosen die gleiche Farbe haben mĂŒssen, wollten wir das eigentlich auch so halten: Spielhose und Unterhose in der gleichen Farbe. Dann wĂ€re Setzers String zum Beispiel immer schwarz gewesen.

Oder das kessel.tv Straßenhund-Orakel zum Beispiel. Das wĂ€re so gegangen, dass wir dem Hund eine Wurst vor die Nase gehalten hĂ€tten. Wenn er bettelt, gewinnt Deutschland.

Inspiriert vom Elefanten-Orkakel powered by Toto-Lotto Baden-WĂŒrttemberg, bei dem letzte Woche die Elefantendame Zella in der Wilhelma den Europameister orakelt hat. Und zwar den Europameister Nordirland.

Mit soviel Fußballsachverstand könnte der Elefant eigentlich auch zu uns ins EM Studio kommen. Penny-Knabber fressen und Craftbier saufen. Er wĂ€re mit Sicherheit nicht der einzige Ahnungslose.

So ein bisschen familienfreundlicher Streichelzoo hÀtte uns allen gut getan. Denn wie schrieb eine Stuttgarter Zeitung letzte Woche so schön auf der Titelseite:

“Die ganze Familie im Fußballfieber. Am 10. Juni ist es so weit: Da ertönt im Stade de France der Anpfiff fĂŒr die Europameisterschaft 2016 und die Fußballbegeisterung wird ihren Höhepunkt erreichen: Oma, Opa, Vater, Mutter, Kinder – alle fiebern gemeinsam mit ihrer Mannschaft. Die EM in Frankreich ist ein Fest fĂŒr die ganze Familie…”

So langsam beginnt man zu verstehen, warum die Stuttgarter Zeitung LIFT gekauft hat. FĂŒr redaktionelle Champions League wie diese.

Es wird aber jetzt auch wirklich wieder Zeit fĂŒr Fußi, der Spaß macht. Zwischendurch waren wir so verzweifelt, dass wir zum Handball sind. Zu TV Bittenfeld, die – und das muss man ihnen lassen – als eine der wenigen “Stuttgarter” Mannschaften den Klassenerhalt geschafft haben. Mit einer Spiegelkugel als Maskottchen. Das muss man auch erstmal schaffen. Also das mit der Spiegelkugel.

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Aus Dankbarkeit fahren oder fuhren da jetzt wohl einige Fans mit dem Trecker zum AuswÀrtsspiel nach Kiel. Von Bittenfeld aus, das angeblich vor den Toren Stuttgarts liegt. Ja ja, ist klar. Wie Atlantis auch.

Ich sag mal so: einen Vorort, den nicht mal der weit gereiste und viel geradelte DJ Elbe kennt, den hat sich jemand ausgedacht. FĂŒr Marketingzwecke.

Wir sind trotzdem hin zum Handball und ich muss sagen: ich fĂ€nd’s fast besser, wenn alle 100% Polyester tragen und darin Sport machen, dass man die Fenster und TĂŒren auflĂ€sst. Schweiss ist keine schöne WochenendbeschĂ€ftigung. Am Ende denke ich, hĂ€tte mir der Ticker gereicht.

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Diesen bitteschön wirklich legendĂ€ren Satz hat am letzten Bundes- und Drittligaspieltag der jĂŒngste in unserem Fankreis einfach so dahergeprĂ€gt. Als wir nach der Live-Begegnung Stuttgarter Kickers – Chemnitzer FC in die benachbarte Eintracht StadiongaststĂ€tte weiterziehen wollten, um den Abstieg der Kickers zu ertrĂ€nken und den des VfB zu bezeugen, da ging der kleine Luftikuss einfach nach Hause.

“Mir reicht der Ticker.” Am letzten Spieltag. Spitz auf Knopf. Alles noch drin. Im Fußball ist alles möglich. Egal, ich geh nach Hause. Mir reicht der Ticker. Ein Unterarmtattoo ward geboren. Und eine Standard-Antwort fĂŒr alle wichtigen Fragen im Leben:

– Kommst du noch SchrĂ€glage? Mir reicht der Ticker.

– Geht morgen jemand zum Übermorgen-Markt? Mir reicht der Ticker.

– Weindorf, Lichterfest, Wasen anyone?

Prinzip verstanden? Na dann jetzt alle: Die EM im Amici und im Schweinemuseum? 




1 Comment

  • jaytext sagt:

    “So langsam beginnt man zu verstehen, warum die Stuttgarter Zeitung LIFT gekauft hat. FĂŒr redaktionelle Champions League wie diese.”
    😀

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