#aufthorstenberlintour: “Ditte musste erlebt haben.”

Ein Hoch auf unseren Busfahrer, ein Hoch auf unseren Busfahrer! Sonntagabend, 1930 Uhr, Ankunft HSV, als erstes Hotte vom Pickup runterwerfen, großer Applaus für Espresso-Bernd und seine fantastische Fahrleistung, unter fünfeinhalb Stunden geblieben, das sei stark, meinte Thorsten.

Einmal Pinkel-Brezelpause und wir sind durch Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Bayern und BW durchgeflogen (ob das jetzt Erdkunde-mässig alles richtig ist, weiß ich nicht). Ich weiß nur: Warum Espresso-Bernd jetzt Espresso-Bernd heißt, wird nur eines der vielen Geheimnisse dieses Ausflugs bleiben. Was in Hannover passiert, bleibt in Hannover. Im Puff waren wir auch.

Es war ein sehnlichster Wunsch meiner Crew-Kombls, gegründet im Dezember 2013 als Whatsapp-Gruppe Wurscht mit SEMF (für die bessere Kommunikation auf der SEMF) und später in die #aufthorsten Gang übergegangen, dass wir einmal gemeinsam nach Berlin fahren. Warum auch immer. Einmal im Jahr in Stuttgart zusammen weggehen und zwei #aufthorsten Partys hosten, scheint ihnen wohl nicht genug Freundschaft zu sein. Nein, Berlin! Ditte muss!

Ich habe “na gut” gesagt und mir ist dann aufgefallen, dass ich seit 20 Jahren nicht mehr raven war in Berlin. Allgemein ist meine Berlin-Karriere überschaubar sowie erfolgreich: 1995 Techno-Urlaub mit meinem Schulfreund Thorsten, 2007 Marathon ohne Techno, 2008 Marathon (Bestzeit 3:08h) ohne Keta, 2014 paar Tage Internet-beruflich mit ganz viel Kokain. Nein, Quatsch.

Hinfahrt. Super. Noch ein Starter-Kaffee um 9 im Herbert’z, auch absolut nicht mein Laden, musste ich wieder feststellen, dann ein Wasser und ein Eis für 3,99 Euro an der Tanke und ab auf die Autobahn.

Wie oft haben wir dann angehalten? Vier Mal? Fünf Mal? Wieviele Flixbusse haben wir überholt? 20, 25, 30? Wie gut ist eigentlich das Flixbus Publikum? Und warum habe ich nicht das Samsung-Tablet aus dem Spielautomaten gezogen? Warum haben wir uns kein Paprika-Knusper-Schnitzel an der Raststätte geholt? Wieviele Unterarmtattoos haben wir während der Fahrt entworfen?

Und, die Frage aller Fragen: Warum in Gottes Namen fahren wir überhaupt mit einem Auto durch die Gegend und nicht mit einem Betonmischer? Die Betonmischer-Träume sollten uns das ganze Wochenende begleiten und die Idee eines neuen Craft-Ladens war schnell geboren: Bier & Beton. Denn mit einem Betonmischer kannste überall vorfahren und stehen lassen. Schlepp doch mal ab!!1!!1!! Und was man in der Misch-Trommel alles durchtrommeln könnte!

Trommelwirbel beim Öffnen der Airbnb-Bude: Thorsten hat ein starkes Loft rausgesucht, Prenzlauer Berg, logo. Der Vermieter hatte offensichtlich einen Fetisch für Servierwagen (6 insgesamt) und das Treppenhaus müsste man mal dringend sanieren, damit man noch mehr Miete verlangen kann (Schwaben raus aus Berlin), aber sonst top. Gut gemacht, Thorsten.

Neue Deo-Schicht drauf und ersma Kaffee im Oberholz am Rosenthaler-Platz. Keine Ahnung, ob der Laden cool, uncool, ansagt oder nicht ist, sehen auf jeden Fall gut aus die zwei Etagen, Kuchen spitze.

Auch im Oberholz geht der Trend hin zur Slow-Gastronomie, wie man es schon in Stuttgart mancherorts beobachten kann. Früher sagte man einfachhalber “lahmarschig” oder gerne auch “unfähig”. Heute sagt die Bedienung: Ich habe noch Jetlag, hihi. Ja, ich auch von der Fahrt durch eine Zeitzone.

Im Oberholz braucht man als Accessoire entweder ein Macbook, ein Kind oder einen Rollkoffer. Wir haben nichts davon. Der Typ neben mir schrieb derweil seinen Lebenslauf auf seinem Outsider-Dell-Laptop.

Abgesegnet von den Burger-Gurus Micha Weh und Tobi Tobsen ging es nach einer kurzen Einflussrunde vom Rosenthaler über Hackesche bis zum Alex in eine Burgerbutze namens Lily in Neukölln. Wir waren übrigens keine 5 Minuten unterwegs, da hörte ich schon Mann 1 zu Mann 2 sagen: “Ditte musste erlebt haben!” (Was auch immer.)

burger

Im Lily sitzt man an Biertischen, völlig in Ordnung, die Musik ist relativ laut itzeitzeitze und das Licht ist Discokugel. Bei laut und Flackerlicht krieg ich zumindest Krise beim Essen und muss da schnell wieder raus. Aso: Als Toilette diente ein Dixi vor dem Laden (“Das würde in Stuttgart nie gehen!!?!!11!!”).

Ansonsten ein absoluter Top-Laden, sehr freundlich-cooles Personal, 250g Bio Black Angus Rind ist Standard auf jedem Burger (da kriegen jetzt Burger Fans glaub einen Ständer) und da wir so brav aufgegessen haben, hat das Lokal ne Runde frittierte Schokoriegel geschmissen. Mit circa 1000 bis 1500 Kalorien Energie ersma chillen und halb wegratzen.

Gehen wir heute noch weg? Wird das noch was? Oh je, schnauf, ächz, grunz. Abgesehen davon, dass die #aufthorsten Crew die gefährlichste Gang der Welt ist, merkte man ihr öfters an diesem Wochenende das Alter an. Auch der jungen Fraktion. Okay, Bernd hat am wenigsten genölt. Ich wahrscheinlich am meisten.

Um 01:00 Uhr nachts sassen wir dann trotzdem in der Fahimi Bar direkt am Kottbusser Tor, ebenso top, Einrichtung, Drinks, Soul, alles gut, Hotte hat glaub geshamazed und ich nicht. Am Samstag waren wir aus Gründen (okay, wir sind zweimal woanders nicht reinkommen) gleich nochmals dort und haben festgestellt, dass es noch einen kleinen Dancefloor mit Deep-House gibt. Auch top. Alles top.

Next Top-Stop: Watergate. Wer jetzt Touri-Club schreit, bekommt fünf frittierte Schokoriegel in den Arsch geschoben. Wissen wir selbst. Haben wir selbst gesehen. Objektiv auch gesehen habe ich einen gut gemachten Laden, Club am Fluss mit der berühmten Lichterdecke, fällt mir nur geil ein.

Auf den zwei Floors lief ein relativ ähnliches Deep-Tech-Electro-House-Gebräu, oben Basti Schwarz und Eats Everything, unten ein Live-Act und ein paar Andere. Gut. Auch gut die Dame an der Gästeliste, auf die uns uns Basti Schwarz freundlicherweise draufgesetzt hat. Wir: “Thorsten Weh. Bernd Weiss. Reimund Zelch. Martin Elbert.” Sie: “Ja, das sind doch noch solide deutsche Namen.” Stark.

Samstag, noch stärker: Frühstück (drei Ruhreier mit Speck und Feta) in einer angehenden Slow-Gastronomie, danach das heimliche Highlight: Touri-Bus fahren. “Ram, Ost oder West-Tour?” “Mir total egal.” “Dann Ost.” Gibt noch weitere Anbieter und andere Touren.

Unsere hieß City Circle Tour Purple (Wall Special Tour) und können wir einstimmig empfehlen. “Da lernt man noch was.” “Das wusste ich noch gar nicht.” “Wirklich sehr interessant.” “Krass.” “Echt jetzt?” “Berghain, yay!” (City Circle Tour Purple Bullshitbingo.) Und in Berlin gab es einst 12 Kopfbahnhöfe und Geister-U-Bahnhöfe. Mehr in der Galerie oben.

Die Zeit bis zur Sportschau überbrückten wir mit Kaffee, Kaffee und Kuchen, Bier und Jägermeister. Dabei ging der Trend fließend von der Slow-Gastro zur Assi-Gastro über. Der Typ in dem Lokal wieder am Rosenthaler-Platz, andere Straßenkante, hatte wirklich gar keinen Bock, warum auch immer. Dabei hab ich mich sehr bemüht nicht schwäbisch zu reden. Und viel los war auch nicht. Egal, fick dich einfach hart in dein von einer schwarzen Jeans bedecktes Knie.

Dass schwarz auch 2016 in Berlin der Look ist (plus weiße Socken plus Bolla-Schuhe plus Gothik-Makeup) muss nicht weiter erwähnt werden. Der Übergang von diversen Berliner Stadtteilen zum Fluxus bleibt fließend.

Wir blieben im Fluss (“wir sind schon eine super organisierte Truppe”, Zitat Hotte, als es an die Befüllung der abendlichen Vorratkammer ging) und mampften abgesegnet von Pizza-Guru Tobsen eine I Due Forni-Pizza zur Sportschau, Pizza kann ja auch eine Religion sein wie Burger. Oder Döner. Nicht für mich, ich ess’ auch TKP mit Leidenschaft.

Leidenschaftlicher und weniger müde waren wir am Samstagabend und gegen 23 Uhr schon auf der Piste. Nur dass die Piste uns erst nicht wollte.

Erste Bar: Tür auf, Motzdepp ruft raus, es sei voll, geht wieder. Nunja. Zweite Bar: Türsteher kommt raus, der ganz offensichtlich schon angetäubt war, die Hand rausstreckte und der Reihe nach Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger zu einer Vier erhob und dann abwinkte. Schade eigentlich. Geiler Typ. Als nochmals Fahimi und dann Ritter Butzke (“Touri-Laden!11!!!” – Fresse!).

Yo. Gut. Voll okay. Anlage riesig, Floor überschaubar, waren glaub gar nicht alle offen. Wir waren bei Jens Bond im VP und Format B im HP, Chunky, ge. Auf dem Weg zur Toilette musste ich mich öfters fragen, ob man hier absichtlich berlinert oder englischt, obwohl man mit 90prozentiger Sicherheit aus Witzenhausen bei Göttingen oder aus Sankt Wendel bei Saarbrücken oder halt doch aus Böblingen-Hulb kommt. Egal. Format B druckvoll, Leute gut drauf, sehr freundliches Barpersonal und wir freundlich am Shufflen.

Sonntag, finally (nachdem wir in einer Nicht-Slow-Gastronomie gut gefrühstückt haben):

Hölle los. Thorsten meinte vor längerem, Flohmarkt sei ein Riesenthema in Berlin. Meins ist es nicht. Meine Mutter geht auch gerne auf Flohmärkte und kauft alten Melitta-Glumbatsch und mein Vater muss deswegen immer wieder neue Regale an die Wand schrauben.

Wir flanieren über den Markt und bleiben an einem Haufen Möbel stehen, wie man sie z.B. ins Condesa oder früher ins Boheme hätte stellen können: “Guck, das sind vier Airbnb-Wohnungen”, meint Hotti. Reimi: “Das ist eine Airbnb-Wohnung hier.” “Stell dir mal vor wir hätten jetzt unseren Betonmischer, dann würden wir hier kurz reinfahren und alles hinten rein werfen.”

Der Kalauer-Samstag ging nahtlos in den Kalauer-Sonntag über. Die #aufthorsten Crew ist mehr so die lustig-gefährliche Gang, denken wir zumindest, und auf der Heimfahrt haben wir darüber geredet, ob wir mit Menschen befreundet sind, die nicht lustig sind bzw. die so gut wie nie lachen. Nein. Sind wir alle nicht. Und scheiße labern ist essentiell.

Nicht lustig ist übrigens – viele wissen es – die Kombination Berlin und grau. Da nehme ich dann doch lieber Stuttgart-grau. Und da es am Sonntag grauregnerisch war, ging es nach 285 Stufen Siegessäule direkt nach Hause, weil auch die Schlange bei Mustafa den grauen Sonntag nicht schöner machte. Und dann verliert noch der VfB. Alles scheiße. Nein ist es nicht. Weil alles geil war. Freie Fahrt für freie Betonmischer, Töchter und Milfs haltet euch gegenseitig fest, wenn die #aufthorsten Crew anrollt. Ditte war Berlin.

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