David Guetta Recap

Über David Guetta kann man bekanntlich streiten, und auch hier aufm Blog war er in unseren “frĂŒhen Jahren” oft und gern Thema. Am Sonntag war ich aus GrĂŒnden, und weil ich sowas auch einigermaßen unvoreingenommen mitnehmen kann, bei der David Guetta Show in der Schleyerhalle und hab meine EindrĂŒcke fĂŒr den Gig-Blog aufgeschrieben. Alle Fotos von Reiner Pfisterer, mehr beim Gig Blog.

Es ist natĂŒrlich schwer bis unmöglich, sich dem Thema David Guetta ohne die immer noch relativ aktuelle EDM-Diskussion zu nĂ€hern: Die DJs legen doch eh nicht richtig auf, die Musik ist schrecklich, das ist doch keine Show, wenn nur vorne einer steht und Knöpfchen drĂŒckt.

Vor allem weil – wie ich mit doch leichtem Entsetzen feststellen musste – tatsĂ€chlich SitzplĂ€tze verkauft wurden. Wahrscheinlich vor allem, um die Halle mit 10.000 Leuten fast voll zu machen.

Leider erfĂŒllen die beiden „Warmup-DJs“, der 18jĂ€hrige Franzose Kungs und der HollĂ€nder Sam Feldt, diese und auch alle weiteren Klischees tapfer.

Um aber mit dem ersten Klischee aufzurĂ€umen: Beide legen offenbar tatsĂ€chlich auf und spielen nicht etwa ein vorgefertigtes Set ab. So lieblos bis grottig wie die ÜbergĂ€nge sind, mĂŒssen sie live sein.

Dabei ist die Hackordnung gesetzt und durch die wichtigste DJ-WĂ€hrung, die Fanzahl bei Facebook, definiert: Kungs mit knapp ĂŒber 50.000 Fans fĂ€ngt an und hat sein Logo auf die LED-RĂŒckwand projiziert, das war’s. Sam Feldt mit fast 190.000 bekommt ein eigenes kleines Intro bei abgedunkelter BĂŒhne und zu jedem aufgelegten Track wechselnde Animationen – wenn auch begrenzt originell (romantische Strandszenen mit Logo, fliegender Adler mit Logo).

Was sich wiederum bis aufs Haar gleicht, sind die Moves: Da wĂ€re zum einen, dass HĂ€nde ĂŒber dem Kopf im Takt zusammenklatschen, was zumindest die ersten Reihen im Publikum erfolgreich dazu animiert, das selbe zu machen. Dann noch die Arme im Takt vertikal nach vorne hochreißen mit leichter AufwĂ€rtsbewegung des Körpers, was die Leute eher weniger erfolgreich zum Springen bringen soll.

Und dann – bei beiden tatsĂ€chlich erfolgreich – ein besonders gewiefter Trick: Mit schnellen Klatschbewegungen Applaus andeuten, die Leute klatschen, und sich dann mit bescheidener Geste fĂŒr den Applaus bedanken. Maximal zwei Mal pro Set darf man dann auch mal zum Klatschen vors DJ-Pult treten, man soll es ja nicht ĂŒbertreiben.

Musikalisch ist beides sehr Ă€hnlich, wobei Kungs mehr Freunde von harmlosem House mit Piano- und Saxofonmelodien und dĂŒnnstimmigem Gesang bedient, wĂ€hrend Sam Feldt vor allem gegen Ende schon mal den ein oder anderen EDM-Track brettert.

Das Ganze zieht sich (samt Umbaupause von 15 Minuten, um den USB-Stick zu wechseln) dann doch etwas bis gegen 21.30 Uhr.

Als das eigentlich gut gelaunte Publikum doch etwas zu murren anfĂ€ngt und ich mich gerade auf einen weiteren ĂŒberflĂŒssigen Abend einstelle, geht es los. Und zwar richtig.

Die eigentliche Show beginnt, die Musik ist plötzlich doppelt so laut wie vorher, das Intro wird begleitet von Animationen auf gezĂ€hlt 13 LED-Screens plus Scanner und Scheinwerfer, die rund um ein DJ-Pult platziert sind, das drei Meter ĂŒber dem steht, an dem die Warmup-DJs standen. Dazu kommen im Laufe der Choreografie Konfetti, Luftschlangen, Rauchkanonen und Flammenwerfer.

Das hört sich ĂŒbertrieben an, und das ist es auch. Mittendrin David Guetta, dem man auf der projizierten Nahaufnahme seine 48 Jahre und das sicher nicht unanstrengende Tourleben durchaus ansieht, der aber offensichtlich gute Laune hat.

Was dann folgt, versöhnt mich persönlich ziemlich mit dem ganzen Konzept, das man einfach so interpretieren muss, wie es gemeint ist: Offensichtlich und nachvollziehbar hat das Ganze nichts mit einem DJ-Set zu tun.

Vielmehr ist es eine Gesamtshow aus Licht, Animation und Sound, die von einer Person zusammengehalten wird, die eben mittendrin steht.

Dabei bemĂŒht sich Guetta zwar, mit routinemĂ€ĂŸigem Auf- und Absetzen der Kopfhörer und leichten Andeutungen von Scratchen, wenn die Kamera draufhĂ€lt, das Thema DJ zumindest anzudeuten. Aber letztendlich wĂŒrde es der perfekt choreografierten Show eher schaden, wenn er tatsĂ€chlich in Echtzeit ÜbergĂ€nge machen wĂŒrde.

Aber es ist auch egal. Es ist eine musikalische Achterbahnfahrt, die man nicht mögen muss, die aber durchaus spannend mit seinen grĂ¶ĂŸten Hits anfĂ€ngt, auch mal Tempo raus- und Trap- und HipHop-Anleihen reinnimmt und spĂ€ter alle möglichen aktuellen und Ă€lteren Charthits in EDM-kompatiblen Versionen exakt getimet aneinanderreiht.

Die eingangs genannten Posen hat Guetta dabei nicht nötig, er beschrĂ€nkt sich ĂŒberwiegend auf Klatschen im Takt, Arme in die Luft reißen, gelegentlichen kurzen Ansagen und nur einmaliges Besteigen des DJ-Pults. Den Rest erledigen die wohl eigens angefertigten, stilistisch zwischen Manga und Sin City pendelnden Animationen mit wiederholt eingeblendetem „Stuttgart“, was gut gemeint ist, wovon sich das ĂŒberwiegend aus dem Umland angereiste Publikum aber nicht so wirklich angesprochen fĂŒhlt.

Ansonsten ist die Stimmung im Saal tatsÀchlich sehr gut, die meisten Leute tanzen, und auch auf den SitzplÀtzen sitzt niemand mehr. Auch die Social Media-Berichterstattung lÀuft: Eine Besucherin neben mir, die ihr iPhone vorsorglich gleich an den Ersatzakku angestöpselt hat, versorgt permanent Freunde und Follower via WhatsApp und SnapChat mit Bildern, Videos und Tonaufnahmen.

Meiner Begleitung und einer sicheren Car2Go-Reservierung zuliebe verlassen wir die Show kurz vor Ende, aber ich bin mir sicher, dass diese ein fulminantes Ende gefunden hat. Und wer einen DJ sehen und hören will, der sollte in einen Club gehen, nicht in die Schleyerhalle.

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