Ausmisten

Das neue Jahr ist noch jung, die meisten guten Vorsätze – sollte man auch dieses Jahr wieder gemeint haben, man müsse welche fassen – schon in der Versenkung verschwunden. Ich hatte eigentlich keine. Selbstschutz. Ich erspare mir gerne Frust.

Dann kam ich eines abends an der Auszeit (damals noch in der Winterpause) in der Augustenstraße vorbei und entdeckte folgende wilde kleine Mistsammlung auf dem Fensterbrett. Zum Mitnehmen, for free. Da hat jemand zum neuen Jahr ordentlich ausgemistet. Nicht schlecht, denkt sich meiner einer. Das wäre schon mal nötig.

Ausmisten-Auszeit_2016

Und damit meine ich nicht meinen Kleiderschrank. Der ist übersichtlich. Wirklich. Nein ich spreche von diversen, weiblichen „Kruscht-Ecken“, die meinen Mann regelmäßig zur Weißglut bringen.

Und – das muss ich nach einer kurzen Recherche in meinem Bekanntenkreis wohl zugeben – diese Krutschteleien sind ein weibliches Phänomen. Reine Männerhaushalte haben diese Sammlungen nicht. Gemischte Sammlungen streiten sich deshalb. Und weibliche Haushalte verstehen das Problem nicht und auch nicht, wie man ohne diese Sachen auskommt.

Wovon ich spreche? Ich ein paar Beispiele meiner weiblichen „Kruscht-Ecken“, die ich jetzt angehe.

Kruschtel-Ecke No.1 – Deko, Vasen, Teelichterhalter

So bissle Deko hat ja jeder. Jede Frau. Daran sind Depot, Westwing, Impressionen, Ikea und diverse Flohmärkte schuld. Da sammeln sich Vasen in allen Größen, nur nicht in der, die man braucht, wenn man tatsächlich mal einen Blumenstrauß bekommt.

Daneben reichen sich jede Menge Kerzenstände, gerne auch Teelichterhalter und Duftkerzen. Schon mal nen Ikea ohne Duftkerze verlassen? Ich nicht. Die Dinger schon mal angezündet? Ich schon. Nach drei Stunden bekommt man Kopfweh, macht das Fenster auf, das Ding aus und packt es in den Schrank. Für später. Dort stehen sie dann mit ein paar weihnachtlichen Krüscht’le, bei den Profis längt in stiller Eintracht mit etwas Oster-, Halloween-, oder sonst nem Feiertags-Deko.

Kruschtel-Ecke No.2 – Geschenkpapier, Karten, Boxen, Bändel

Frauen packen ein hübsches Geschenk immer in der gleichen Weise auf. Wer’s noch nicht gesehen hat, mal aufpassen. Der Bändel – sollte er aus Stoff, Spitze oder Bast sein – wird nie zerrissen sondern aufgeknotet, für ein darauffolgendes Einlagern und spätere Wiederverwendung.

Ebenso ergeht es Geschenkboxen, Seidenpapier oder kleinen Klämmerchen, Federn und was sonst so auf einem Päckchen kleben kann. Zu diesem bunten Treiben gesellen sich City-Cards mit Sprüchen, die einen total an jemanden erinnern und die man schon mal für den nächsten Geburtstag dieser Person einlagert. Auch in dieser Kruschtel-Ecke anzutreffen: Gratulationskarten, die man schon mal auf Vorrat gekauft hat, weil sie so schön oder so reduziert waren.

Kruschtel-Ecke No.3 – Tüten

Hängt eng mit Kruschtel-Ecke No.2 zusammen, denn hier wandern die Geschenktüten hin. Aber nicht nur die. Welche Frau wirft eine Chaneltüte weg, auch wenn sie nur die Größe eines Nagellacks hat? Eben. Eine Erklärung, warum ich auf alle anderen Tüten aufhebe, habe ich nicht so genau. Aber ich packe gerne Dinge, die ich irgendwelchen Leuten bringen muss in solche Papiertüten. Frauen freuen sich und packen die Tüte dann in ihre Kruscht-Schublade.

Kruschtel-Ecke No.4 – Tupperdosen, Schälchen, Schüsselchen & Etageren

Ja, ganz richtig. Nicht eine Etagere. Etageren. Verliebt man sich auf dem Flohmarkt immer wieder. Benutzt man dann immer wieder nicht. Auf den ersten Blick ist diese Sammlung ansonsten recht praktisch. Wenn sie eine gewisse Größe nicht überschreitet und nach Ansicht meines Mannes, eine gewisse Logik einhält. Ich (und auch viele andere Damen, mit denen ich gesprochen habe) halte das für übertrieben. Ich sortiere nicht alle Deckel der Schüsseln in eine Ecke und staple die Schüsseln in der anderen. Ich habe die Deckel gerne bei der Schüssel. Nicht bei allen, nur bei denen, die ich oft bauche. Finde das logisch und mich gut damit zurecht, dass dann eben manche Deckel an der Seite liegen und andere bei den Schüsseln.

Wahrscheinlich würde ich noch eine Reihe weitere solche Kruscht-Ecken finden. Aber man soll’s nicht übertreiben. 2017 ist ja auch noch ein Jahr. Für 2016 nehme ich mir die oben genanten vor. Start mit einer sauberen Analyse. Dann gegebenenfalls Anpassungen in Form von Ausmisten. Dinge, die ich aber wirklich noch brauche, bleiben natürlich da.

6 Comments

  • Herr Cut sagt:

    Oh ja du hast so recht. Ich als Mann kann zum Beispiel überhaupt nicht verstehen warum meine Frau immer so viele Kerzenständer auf den Fensterbänken stehen hat. Es reicht doch einer in der ganzen Wohnung und der gehört auf den Tisch. Zum Fenster ganz aufmachen muss man die bei uns immer hin und her schieben :-/

  • Johanna sagt:

    Danke für den schönen Artikel. Sehr gut beobachtet – alle diese Kruschtel-Ecken habe ich auch. Dazu kommt bei mir noch eine für kleine Fläschchen mit Shampoos, Duschgels etc. aus Hotels, die bestimmt auf der nächsten Reise total praktisch sind – wo man dann ja aber wieder neue mitnimmt. Und eine für ungewöhnliche Küchengeräte, die ich brauchen würde wenn ich gefüllte Cupcakes backen würde oder große Mengen Gemüse maschinell hobeln wollte. Und eine Papier-Kruschtel-Ecke mit Zeitungsartikeln von Mama, die ich noch lesen wollte und Briefen, die ich gern beantworten würde. Und zuletzt noch eine Bastel-Kruschtel-Ecke, verwandt mit Kruschtel-Ecke No. 2, in der es Origami Papier gibt, diverse Farben und Pinsel, Wolle, Rückteile für selbstgemachte Broschen, diverse Kleber, Fimo und vieles mehr für den unbestimmten Zeitpunkt, wenn ich mal ganz viel Zeit Zuhause sinnvoll nutzen möchte. Also nie.
    Ich habe einige dieser Ecken in letzter Zeit “aufgeräumt” – aber rausgeflogen ist dabei nichts. Wer weiß, ob man das schwarz-silberne Kunstleder nicht doch noch mal braucht?
    Kürzlich habe ich mir das Buch “The life changing magic of tyding up” von Marie Kondo gekauft. Vielleicht klappt es ja damit.

  • papa von tochter (9) sagt:

    multipliziere die menge (und die zahl der kruschtelecken) mit 3 pro kind 😉
    wenn ich mal zeit finde, gibt’s noch die lange replik mit “männerkruscht”

  • martin sagt:

    mach mal

    und geiler kreislauf 😀

    “Aber ich packe gerne Dinge, die ich irgendwelchen Leuten bringen muss in solche Papiertüten. Frauen freuen sich und packen die Tüte dann in ihre Kruscht-Schublade.”

  • Jana sagt:

    Johanna, du hast ja so recht. Ich hab das Bad noch nicht berücksichtigt!

  • Jana sagt:

    Ich freu mich auf den Männerkruscht. Da würde mir ja auch einiges einfallen. Jedes neue Männerhobby ist ja erstmal mit der Anschaffung von zig (teuren) Sachen verbunden. Mann kocht jetzt? Erstmal für 300 Euro ein Messer und 100 Euro ein Schneidebrett kaufen. Vorher geht gar nüscht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.