Thees Uhlmann: „Sophia, der Tod und ich“

Miesen Tag gehabt oder schon wieder eines dieser Jahrzehnte, an denen man einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden ist? Das ist jetzt alles egal, hinfällig und tut gar nix mehr zur Sache. Thees Uhlmann  hat seinen ersten Roman draußen: „Sophia, der Tod und ich“.

Wenn der nicht 320 Seiten dick und eben ein Buch wäre, würde ich mir das sofort neben die Springsteen Platten im Schrank stellen. Also, zumindest neben diese dicke Box, auf der die lange Version von „The River“ drauf ist. Denn ungefähr so schön ist „Sophia, der Tod und ich“.

Hier kurz der Plot: Kacktag und im Treppenhaus riecht es nicht mal nach Kaffee. Der Tod höchstpersönlich klingelt an der Tür, verbreitet die frohe Kunde, dass man noch drei Minuten Zeit habe, dann wird gestorben.

Plötzlich klingelt auch noch die Ex-Freundin an der Tür. Auf den letzten Drücker schafft es Uhlmanns Hauptfigur, dem Tod noch etwas Zeit abzuringen. Da wären noch ein paar wichtige Dinge zu erledigen. Ist ja immer so, wenn man weg fährt. Übers Wochenende oder halt für immer. Und plötzlich steht der Tod mitten im echten Leben … und findet das auch noch ziemlich gut.

Die Springsteen-Sache: Ich mag Leute, die sich manchmal selbst ein bisschen zum Arsch machen, um eine gute Geschichte zu erzählen. Und „Sophia, der Tod und Ich“ ist eine wundervolle Geschichte. Auch weil Uhlmann sie mit ganz viel Liebe und dieser nicht verhandelbaren Wertschätzung für die kleinen Schrullen und Wunder des Lebens ausschmückt. Wenn’s einen gibt, der weiß wie man das alles hochhält wie einen Pokal: dann der Uhlmann. Selbst wenn der Tod mit ihm reist.

Und im Ernst: Das Buch ist so schön, witzig, traurig und echt, dass ich es nochmal lesen werde. Einfach so. Weil ich will. Weil ich kann. Das letzte Kapitel beendete ich vor ein paar Wochen im ICE nach Köln – ich wollte die wildfremde Frau neben mir anboxen und ihr sofort erzählen, was ich da gerade fertiggelesen hatte. So wie bei neuen Lieblingsliedern, die man sofort jemandem vorsingen möchte. Irgendjemandem. Egal. Hauptsache singen.

Bitte unbedingt “Sophia, der Tod und Ich” kaufen und am allerbesten bitte, bitte, bitte bei Steinkopf am Rotebühlplatz. Hab mir da eben selbst noch ein Exemplar bestellt. Meine Freundin Helmut Podolski hatte nämlich mein VIP-Buch grußlos geklaut. Einfach so. Und ich hab dann bei Steinkopf am Tresen gesagt, “Oh, da sollten Sie sich aber wirklich schnell ein paar davon in den Laden legen.”

Angenommen, da schauen jetzt ein zwei, drei Leute vorbei und sagen: “Mensch, ich möchte bitte das Buch vom Thees Uhlmann”, dann denkt der Chef vielleicht, dass ich eine Mischung aus Trendvulkan und Literaturexperte wäre. Bin ich beides nicht. Einen Trend erkenne ich nicht, wenn er mir auf den Kopf fällt. Und Literatur lese ich oft nicht zu Ende. Den Uhlmann schon. Der gibt einem den Glauben an Dinge zurück, den man längst verloren haben wollte – und sei’s nur weil da doch noch ein Doofie rumrennt, der Menschen prinzipiell erstmal mag.

Seit ich gehört habe, wie er Facebook einfach so “Facie” nannte, finde ich selbst dort vieles nicht mehr so schlimm. Die Welt braucht mehr von diesen Uhlmännern.

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