Die Rückseite der Hauptstätterstrasse

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So Leute, Schluss mit dem einseitigen Medienkonsum. Mit immer nur Blog lesen und hier alles supi finden. Jetzt wird kessel.tv mal zum Mitmachsender. Interaktiv, dialogorientiert, Mehrkanal. Also Hefte raus (A5, liniert mit Rand), Stifte raus (Pelikan, Geha, Lamy, Montblanc, Sparkasse Gechingen, egal) und los geht’s: wir basteln uns eine Bucket-List.

Dinge, die man in dieser Stadt schon immer mal machen wollte, aber nie dazu kam, weil alleine im Cavos auf dem Tisch tanzen ist ja auch doof. Nur Vorsicht, dass diese Liste nachher nicht klingt wie die Michi Gaedt Coverversion eines Udo Jürgens Schlagers: Ich war noch niemals in Tripsdrill. Wollte schon immer mal Waldfriedhof-Seilbahn fahren. Und war überhaupt noch nie in einem Besen.

Wo ich schon immer mal hin wollte, war auf die Rückseite der Hauptstätter Strasse. Ich wollte da gerne in jede Hofeinfahrt schauen. Auf der Suche nach – ja nach was, eigentlich?

Gefunden habe ich Architektur obskur, ein paar schräge Fotomotive und Grilo. Das ist portugiesisch und heißt Ärger.

Vorneraus und hintenrum kennt man die Haupstätter Hood ja: die Tübingerstrasse ist seit dem ganzen Verkehrsberuhigen und Zeugabreissen ja richtig urban-achsig geworden. Und irgendwann soll der ganze Shared Space, wenn ich das richtig verstanden habe, ja sogar von der Eberhardstraße bis ganz nach vorne an den Marienplatz gehen.

Dem Ratzer, der jetzt die Achse des Guten (Gelateria – Kaiserbau – LA Signorita – Condesa – inhabergeführter Fahrradladen) weiterführt, kann man nur mehr “Feenstaub als Feinstaub” wünschen. Das ist leider nicht von mir, hat auch mehr als 55€/Stunde gekostet, sondern stand neulich an diesem nachhaltigen Biomode-Laden, der davor so süß mit “Nur 20 Meter vom Starbucks” geworben hatte.

Für 55€ würde ich meinem Lieblings-Fitnessstudio Fit One, ebenfalls Hauptstätter Strasse, übrigens gerne den Werbeslogan “Don’t be the fat one. Be the fit one” spendieren. Wenn da jemand “Connecies hat” (#Netzwerkervoice), bitte Bescheid stoßen, #feindamit. Claim könnt ihr euch mit Apfel C / Apfel V gerne hier nehmen und auf die Trinkflaschen drucken.

Als ich klein war, gab’s irgendwo im Hinterhof der Hauptstätter in einem Keller so eine riesengroße, mehrspurige Carrerabahn. Da konnte man für 5 Mark fahren, manche mit dem eigenen gepimpten Karren. Das hieß damals aber noch nicht gepimpt und noch nicht mal aufgemotzt, sondern irgendwie anders. Ich meine mich zu erinnern, dass das fest in Jugo-Hand war und sehr verraucht. Kann mich aber täuschen.

Genauso wie alle immer sagen, ich täusch mich, wenn ich erzähle, dass es im Breuninger früher unten im UG eine Spielhalle gab. Und dass aus dieser Spielhalle vom UG ins EG ein echter Dragster ragte, in dem ein vorsintflutlicher Fahrsimulator eingebaut war. Mir wäre wirklich sehr geholfen, wenn das mal jemand bestätigen könnte.

Ansonsten ist in der Hauptstätter heute die Redaktion von Trottwar. Da fällt mir immer ein Bilderwitz dazu ein, wo einer auf der Straße Passanten mit den Worten anquatscht: “Kaufen Sie das Obdachlosen-Magazin WOM-Journal für 2 Mark.” Muss man drüber nachdenken, kann man dann vielleicht auch drüber schmunzeln, wenn man die Zeichnung nicht mehr sieht. WOM-Journal gibt’s glaube ich nicht mehr – Trottwar schon.

Irgendwann war da mal ein mehrseitiger Abdruck meines Romans ‘autoreverse’ drin (im Trottwar, nicht im WOM-Journal). Hatte der Verlag ausgemacht und mir nix gesagt. Jetzt kann man aber natürlich auch nicht hingehen und sagen: von jedem verkauften Trottwar krieg ich 1 Euro. Also bin ich hingegangen und hab gesagt: kann ich mal ein Belegexemplar haben? Das war aber ne ältere Ausgabe und der Verkäufer hatte netterweise noch eine gebunkert und hat sie mir mitgebracht. Jetzt hab ich in meinem Archiv eine sehr verrauchte Ausgabe Trottwar. Ich glaube, es ist Reval.

Bei meiner Begehung der Rückseite der Hauptstätter Straße wurde ich dann leider auch noch aus einem portugiesischen Vereinsheim rausgeworfen. Das macht uns dann langsam zu Deutschlands größtem Rausschmeisser-Blog. Nachdem der DJ Elbe neulich schon mit dem Rad vom Wasen geflogen ist. Und ich ohne Rad aus einem Radladen rausgeschmissen wurde. Wegen dem Hund. Und das, obwohl ein Hund im Fahrradladen kein Elefant im Porzellanladen ist. Dem Besitzer hat das aber gereicht, um mich gar nicht erst reinzulassen. Was ja auch so eine Art rauswerfen ist.

Zuletzt rausgeflogen bin ich im OZ. Zu recht, weil ich ein Tequilaglas (Glas leer, ich voll) an die Wand geworfen habe. Bei den Portugiesen musste man gar nicht so weit gehen. Da hat es gereicht, kein Portugiese zu sein. Auf die Frage nach der Einlassberechtigung (“Was wollen Sie hier”) habe ich glaub das falsche Codewort gesagt (“Bloggen”). Worauf mich ein sehr dicker, sehr alter, allerdings auch sehr soprano-artiger Mann mit dem portugiesischen Polizeigriff – Hand umschliesst Arm – rausgeleitet hat.

Die Psychologie des Rauswurfs ist schon eine sehr besondere: es macht einen Riesen-Unterschied, ob man irgendwo freiwillig gehen darf oder physisch dazu aufgefordert wird. Da beginnt dann ein Zerr- und Ziehspiel: lass mich los, dann gehe ich. Geh oder ich lass dich nicht los. Portugiesische Gewalt fühlt sich übrigens nicht anders an als deutsche.

Am Ende war ich mir dann nicht ganz sicher, wie nachhaltig der Rauswurf war und hab nachge-leo’t. Das Pendant zum googlen. Hausverbot heißt auf portugiesisch proibição de acesso und ich bin recht sicher, dass das nicht gefallen ist. So gesehen bin ich glaube ich nach wie vor ein freier Mann.

Das einzige Hausverbot meines Lebens habe ich bisher im Karstadt untere Königstrasse bekommen, weil ich mit 12 einen Plattengreifer gestohlen habe. Karstadt und den Plattengreifer – beide gibt es nicht mehr. Eventuell besteht aber das Hausverbot noch. Deshalb mal ne Frage an die JILFS unter euch, die Juristinnen (i like to…): wenn man im Karstadt Hausverbot bekommt und Karstadt macht dann zu und dafür was anderes auf: hat man dann im Primark Hausverbot?

Danke im Voraus. Und hier die Bilder von der Speicherkarte:

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