Kolumne im Freund & Kupferblatt: Kleine Brötchen backen im SUV-Valley

Die großen F&K-Wochen: Am kommenden Wochenende feiert das Freund & Kupferstecher einjähriges Jubiläum und die Tage kam die September-Ausgabe vom Freund & Kupferblatt raus. Die Kolumne dazu durfte ich beisteuern und es geht, ja, so um alles halt. Von Nordbahnhof bis Heslach. Über MILFs, PILFs und SILFs. 

Während Ingmar noch am Schoettle-Platz rumhängt, um sich dann bis zum Bihl- und Südheimer Platz vorzuschlagen, sind wir Front-Hörste längst in der Nordbahnhofstraße am Espresso-Tonieren. Transit-Benni (DJ After Auer) wohnt schon dort und findet es total stark: „Acht Minuten mit der U-Bahn. Flammkuchen im Café Einstein Mittnachstraße super.“

Die neuen Spielplätze dürften den hohen Ansprüchen von SUV-fahrenden Soccer-Moms durchaus genügen. Diese schlimmen, schlimmen Tags – natürlich wurden die neuen Spielis sofort getagged – kann man ja wieder überstreichen, nachdem man das fünf Stunden lang bei der Bürgerwehr-, ups, sorry, bei der Bürgersitzung ausdiskutiert hat, bevor der zweijährige Luca-Samuel zwischen dem Chinesisch-Kurs, der Geigen-Stunde und vegane Kochbücher auswendig lernen dort fünf Minuten lang spielen darf.

Meine Vision: Die Nordbahnhofstraße kommt hart. Wäre ich dort Hausbesitzer, würde ich jetzt energetisch sanieren und die Mieten drastisch erhöhen. Was man halt gerade so macht, wenn man Hausbesitzer in einer Großstadt ist.

Bin ich aber nicht. Backe die kleinen Brötchen, von denen uns der Lehrer immer gewarnt hat, dass wir die ganz eventuell backen werden. Mein Nebensitzer meinte daraufhin: Aber wenn ich Bäcker werde und kleine Brötchen backen will, dann ist das doch meine Entscheidung, oder?

Und was macht so ein Kleiner-Brötchen-Bäcker in einer Stadt, in der alle um einen herum jeden Tag geiler werden, das Geschäftsmodell Schlau-daher-labern sich fieberhaft ausbreitet und dich allein diese Geilheit dieser geilen Laberer nonstop in deine Penispumpe ejakulieren lässt, ohne dass du auch nur einmal pumpen musst?

suv

(SUV: Gefühlsecht nur mit Noppen und in mattschwarz.) 

Die Antwort lautet: Mein neuer Konzept-Tumblr heißt „Pictures of MILFs driving SUVs“, nachdem „Pictures of People who are stuck in the Breuninger-Drehtür“ nicht mehr ganz so gut läuft. Wenn nicht hier, im SUV-Valley, wo dann? Abgekürzt übrigens: „Pictures of SILFs “ (SUV-Fahrerinnen i like to…).

So hat jeder seine Vorlieben und ganz nebenbei steigt, selbst in der Motorstadt am Neckar, immer noch die PILF-Dichte (Porsche-Fahrerinnen i like to…). Die anderen gehen derweil ins Striplokal.

Für mich überhaupt gar keine gute Investition. Man sollte diese Scheine besser in seinem SM-Studio-Money-Glas bunkern, das früher das Tattoo-Money-Glas war. Diesen Programmpunkt habt ihr ja aber zwischenzeitlich alle abgehakt und seid brav durch tätowiert. Ganz stark.

Ich überlege momentan, eine Tattoo-Entfernung-Klinik zu eröffnen. Ein mir bekannter Tätowierer meinte, das würde jetzt schon laufen wie diese eine Sau.

Und wenn ich in den Wirtschaften und auf Instagram sehe, was für einen Schrott sich die Menschen mitunter – vermutlich auch aus Lifestyle-Druck – auf die Hände, den Nacken, die Fesseln oder meinetwegen rund ums Arschloch gestochen haben, sehe ich eine rosige bis rosettige Zukunft auf mich zukommen und spätestens in fünf Jahren in ein energetisch saniertes Penthouse ziehen.

Aber eher doch nicht in die Nordbahnhofstraße. Lieber in Heslach. Denn in Heslach fängt die Liebe an.

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(Die Illustration zur Kolumne im Kupferblatt von Kati Szilagyi)

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