Westside Stromer

silberburg
Silberburg zwischen Hotzenplotz und Sutsche

Lazarett Kessel.TV. Thorsten hat Fieber. Geige will Woodkid. Ich bin kränklich. Es geht ja rum. Natürlich geht es rum. Irgendwas geht immer rum. Und sei es nur die Angst vor der sterbenden Swingerclub-Subkultur. Bekanntlich eine einzige Brache derzeit. Wie das KTV-Team. Männer um die 40. Man sieht es uns nicht an. Der Körper sagt es aber hin und wieder. Ja, seid ihr.

Was macht man also? Aufm Sofa rumlümmeln, literweise Ingwerwasser reinläppern, dauernd aufs Klo rennen, Penispumpe anwerfen und der älteste Trick überhaupt: “Ich geh jetzt mal raus an die frische Luft.” Dieser Satz wird nur perfekt, wenn daraufhin jemand sagt: “Ja, das wird dir gut tun!” Und so geschah es.

Rausgehen, rumlaufen, mal mit der guten Kamera fotografieren, das wollte ich dieses Jahr eh öfters machen, erstens weil wir demnächst (also irgendwann) relaunchen und dann die Fotos noch geiler sein müssen, weil die Bilder dann noch geiler präsentiert werden, und zweitens, um endlich meine Kamera besser in den Griff zu bekommen, die man sonst nur in einer Einstellung verwendet, selbst wenn man die Anleitung dabei hat.

hasenberg_chez

Wir ham kein Ziel, aber wir fahren los (Beginner Voice). Doch, als Primärziel wollte ich einen Kaffee in diesem neuen Mokuska trinken, Johannes/Breitscheid, und dies in Verbindung mit einem Self-Fotokurs in der eigenen Hood. Letzteres ist gescheitert. Ich habe wie immer einfach – in einer Einstellung – draufgehalten, ohne die Anleitung zu zücken.

senefelder

Die Westside. Mit ihren ewig langen und tiefen Straßenschluchten. Senefelder, Schwab, Forst, Johannes, Silberburg, Hasenberg, Breitscheid, Vogelsang und wie sie alle heißen. Wo sich die Sonne schwertut, rein zu lachen. Und wir Westler trotzdem glücklich sind.

Gestern als Touri im eigenen Land. Mit der halbgroßen Kamera. Mit, ohjeohje, Kameratasche über die Jacke geschultert! Alle gucken. Oh Gott, was will der denn her? Warum fotografiert der Straßenkreuzungen? Von daheim, von hier, aus meiner Westentasche, ihr Rudis!

esso

Daheim ist in meinem Fall fast schon Süd, beim Schwabtunnel. Via Gutenberg ging es auf den Hasenbergtransit. Famous Esso. Wer kennt sie nicht. Auswahl eher geht so. Ist halt eine kleine Tanke. Kann ja nicht jede Tanke so riesig sein wie die am Westbahnhof. Und irgendjemand muss ja auch letzter sein in der Bundesligatabelle (#lebensweisheiten).

Neulich bei Dunkelheit und Kälte für sie extra dort Chips geholt. Es gab nur zwei oder drei Sorten. Ich griff zu Ungarisch. Sie enttäuscht: “Gab es keine mit Meersalz?” Die moderne Ernährung zwischen Low Carb und Vegan, sie stellt uns immer wieder vor neue Beziehungsproben und Herausforderungen.

Auch eine Herausforderung in Stuttgart: den Leerstand reduzieren. Ob in diesem Haus außer den oder dem L.(s) keiner mehr wohnt, weil a) ein Bundesadler über dem Eingang hängt, b) Familie L. nicht die tollsten Nachbarn sind oder c) bald die Wärmedämmung ruft und somit Gentrifizierung aka Mietpreiserhöhung droht – wir wissen es nicht.

bundesadler

Vielleicht weiß ja wiederum ein Leser, um was für ein Gebäude es sich hierbei handelt. Im Hinterhof war eine Art kleines Fabrikgelände.

Laufe die Breitscheidstraße runter, die ersten Mittagspäusler kommen mir entgegen. Und Philosophie:

muttererde

Ja, das fragt man sich oft. Kurz darauf gelang mir dieses Meisterwerk der Fotografie.

zalando

Titel: Das Handwerk in der Post-Moderne. Blicksch, hä? Die ersten Angebote, u.a. von der Staatsgalerie, dröpeln bereits rein. Auch Woodkid will es kaufen.

senefelder_breitscheid

Die Breitscheidstraße führt dann direkt aufs Mókuska zu.

mokuska

Voll nett. Kaffee war gut. Sehr bemüht. Sehr serviceorientiert. Aber ich bin bei Kaffee keine Referenz. Ich trink auch den ausm Yorma’s mit Hochgenuss. Mehr zum Mokuska von Kaffee-Spezialist Geiger hier.

13 Uhr, die Mittagspäusler und Schülerdichte wurde höher, der Reporterblogger wird öfters beäugt. Ich stelle wieder folgendes fest: Wie grandios ist eigentlich diese Johannesstraße? Am einen Ende thront die immer und zu jeder Jahres- und Tageszeit Instagram-taugliche Feuerseekirche…

johannes

…und am anderen das Arbeitsgericht. Okay, Arbeitsgericht ist jetzt so mittelgut instagramgeil, weil Gericht immer eher negativ, Instagram ist ja bekanntlich so ein alles-voll-positiv-Ding, aber das Gebäude sieht doch ganz nice aus.

arbeitsgericht

Jedenfalls: Ein prächtiger Boulevard, diese Johannesstraße. Könnte noch prächtiger sein, lese ich prompt dann gestern Abend aufm Bürgerhaushalt.

Voll dafür! Geb ich Herzchen. Grandioser POS auch an der Ecke Johannes/Rosenberg. Fahrschule ft. Wellness.

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Wo bitte schön gibt es denn sonst so etwas auf dieser Erde?

Und wo gibt es sonst so viele gute Bäcker? Café & Konditorei Stöckle am Ende der Johannesstraße.

stöckle

Man möge mich korrigieren, aber der Stöckle zählt doch neben Waible, Bosch oder Frank zu diesen ewigen Stuttgarter Backwarenheiligen, oder? Brezel: yummi (okay, ne gute Brezel halt). Die Verkäuferin ging nebenher mit ihrem Sohn die aktuellen Noten durch (in Mathe hatte er ein 2-, brav) und hat mich dann leicht ertappt angelächelt. So süß.

Runter auf die Ecke Silberburg. So, jetzt Memories. Was ist denn heutzutage in der Skatebox?

skatebox

Bin bisschen aufgeregt, als ich seit ewigen Zeiten wieder durch den Hof schlappe. Ach schau an, es läuft immer noch in der Skatebox!

Ja Quatsch, kein Plan, wem dieser Pana gehört. Kurdo? Da ist keine Skatebox mehr. Dann hab ich es erst gescheckt, dass Mac-Benni dort sein –  mir von Bilder bekanntes – Büro hat. Ach, jetzet! Oder Garagenoffice oder wie auch immer. Passt (s)ein ganzer alter Daimler rein. Ich hoffe, du bist gut zu diesen ehrwürdigen Räumen.

Rückweg, Gastro-Schnappschuss. Ganz schön Fisch hier. Auch ein Claim.

pomodoro

Die Silberburg. Mit keiner anderen Straße fühle ich mich – wahrscheinlich – so emotional verbunden. Nicht mal mit einer eigenen Anschrift. Früher immer mit dem Skateboard zum Grüb gerollert. Vorfreude auf diesen ganz eigenen Skatebox-Geruch aus frischem Holz, Maschinenöl und neuen Schuhen. Später sehr viel durchgejoggt, heute noch. Ja, da wird man sentimental. Das mit dem Durchrollern ist immerhin schon 25 Jahre her. Ich sags ja, Männer um die 40.

Beim Sutsche. Schilder, die ich nicht verstehe.

parkenverboten

In meiner Instagram-TL geht der Trend weg von Foodpics und hin zu Treppenporn. Sie sehen nun: Die Feierabend-Workout-Anlage einer Werbeagentur.

feuertreppe

Wird tagsüber als Rohrpost-Pipe verwendet. Damit die guten Pitch-Ideen schneller ankommen.

Schlossstraße. Dieser Zwitter aus Handwerk, Einzelhandel, Gastro, Service und Rotlicht. Transit nach Vogelsang und Botnang. Wohnt da ebber? MoneyGram ist schon da. Ein neues Start-up. Man postet Bilder von seinem Kreissparkassenbuch.

moneygram

Der Rundgang geht freiwillig dem Ende zu.  Kein Bock mehr. Kalte Füsse. Genug frische Luft geschnappt. Ich will jetzt heim. Und stelle in der Ludwigstraße noch fest, dass die Fischlabor-Fassade doch ganz nice ist.

fischlabor

Und nächstes Mal steigen wir den Vogelsang hoch. Vielleicht klappt es dann mit dem Fotokurs.

vogelsang

20 Comments

  • Kollege Geiger sagt:

    Pure Liebe.
    Und wenn das Adlergebäude mal leer ist, machen wir die gläserne Bloggerei da rein und haben dann endlich auch ein ktv Wappentier. Wie Eintracht Frankfurt.

  • kurdo sagt:

    der pana gehört dem benni

  • Whiskydrinker sagt:

    Martin, das mit dem Adler ist gar nicht so schwer. Oder haben die das Schild “Dienstgrundstück der Deutschen Bundespost” an der Einfahrt mittlerweile abgehängt?

    Ganz früher war das mal Bundespost. Das lange Gebäude im Hinterhof ist eine Vermittlungsstelle der Telekom. Wenn man früher im Westen eine Telefonnummer mit 63 am Anfang hatte, dann war man da angeschlossen.

    Später (also nach der Privatisierung der Bundespost) hatten da dann Servicetechniker der Telekom ihren Stützpunkt drin. Wirkt aber mittlerweile ziemlich verlassen.

  • martin sagt:

    ich hab auch die einfahrt glaub fotografiert bzw. bin zumindest durchgelaufen und meine Augen sind zwar nicht die besten, aber das hätte ich gesehen (zu 99 Prozent). wusste ich nicht. und verlassen ist es tatsächlich. komm in den teil der Haselberg dann doch auch relativ selten.

    und cool, dass es jetzt nicht so schwer war 😀

  • martin sagt:

    p.s. und weißt du dann auch, an welchem geheimnisvollen Ort die Nummern mit 61 beginnend angeschlossen waren?

  • Gila Albracht sagt:

    Mit Nordic Walking verbunden macht sone Aktion noch mehr Spaß. Wenn man die urbanere Gegend durch hat und alle interessanten Ecken kennt: einfach am Berg “Wägla suacha” weiterspielen. Macht vor allem im Sommer laune, wenn man entweder Eidechsen zählen, Obst oder Kräuter ernten oder wilde Foto-Aktionen mit anschließenden Postings machen kann. Eine Blume läuft mir dann für´s Müll einsammeln zu. Aber nicht aus Gärten geklaut sondern im Straßengraben oder so. Wer nach so einem walk of fame nicht glücklich ist, ist selber blöd. Und schön sowie glücklich macht´s wg. sportlichem Körper+Serotonin.

    Es lebe der Wilde Westen Stuttgarts!

  • abiszet sagt:

    Im Hood isch’s halt am schönsten. Nicer Text!

  • Peter sagt:

    Das Stöckle (“das” weil Café) ist glaub ich nicht wegen seiner guten Backwaren bekannt. Ich finde die zumindest schlimm. Hab auch keine Ahnung ob die Brezel und Brötchen selber backen.
    Aber für Kuchen ist das Stöckle bekannt. Gibt ne riesige Auswahl und meine Mutter könnt die nicht besser backen.

  • DU sagt:

    Westside! (Unn jetzt son Westcoast/Wutang-Finger-W machen alle bitte)
    Ja, das Stöckle musste mal zum Kuchen schnabulieren wochendnachmittags checken – preiswert, saugut und unterhaltsamer Rentnerschnack.
    Zur Johannesstr (oder besser -allee?) informieren die Kollegen recht ausführlich – dem alten Willi verdanken wir sie: http://www.stuttgarter-zeitung.....16502.html
    Bitte! 😉

  • stegoe sagt:

    Ja, Stöckle ist _die_ Anlaufstelle für Kuchen & Torten. Letzten Sonntag erst wieder (ohne Übertreibung) stundenlang Schlangen bis auf die Straße raus.

  • DU sagt:

    Geh mal zum Mittagstisch hin – da ist der Rentnerkrieg um die Stammplätze am Laufen (trotzdem sehr lecker)!

  • martin sagt:

    alright, da ich kein großer kuchen esser bin, bleibt meine stöckle laufbahn bei dieser einen brezel hängen

  • Moritz Esyot sagt:

    Ich hatte grad die sentimentalsten 10 Minuten des letzten Jahres. Westen… One Love!

  • kutmaster sagt:

    Bist ja gar nicht vorbei gekommen – oder war das vor meinem Arbeitsbeginn um 16:00 Uhr? 🙂

  • DU sagt:

    Mario, da iss doch noch hell aufn Bilder!

  • Whiskydrinker sagt:

    Dann haben sie das Schild “Bundespost” vielleicht mittlerweile abgehängt. In Google Streetview hängt es jedenfalls virtuell noch. Ebenso sieht ma da noch irgendeine Telekomwerbung im ersten Stock am Fenster kleben.

    Muss da glaub mal wirklich physisch hin.

    P.S.: 61 ist in dem Postkomplex in der Senefelderstrasse.

  • martin sagt:

    mich hat aber wirklich gar nix an die post an dem Gebäude erinnert und ich hab mir wirklich nur gedacht, wieso hängt da ein scheiß bundesadler.

    krupa, viel zu früh für dich!

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