Gerber Preopening (Twitter) Recap

Das Projekt ist ja tatsächlich so alt oder so jung wie dieser Blog. Im Jahr 2008 vorgestellt, im Januar 2009  zum ersten mal hier – damals noch unter dem Namen Quartier S – angerissen, und im Jahr 2010 Gemeinderat-Beschluss des Bebauungsplans (heute will es übrigens niemand gewesen sein), hat uns das Gerber jetzt vier, fünf Jahre mehr (die letzten zwei Jahre) oder weniger intensiv begleitet.

Wir waren auf der Baustelle, wir lachten uns über Wording (“erst schippen dann shoppen”), Außen-Kampagnen (“Arm?), die Gerber-Zeitung (Marc und Lena, die Gerber-Bewohner) und Schlangen und Eidechsen kaputt, die Gerber-Menschen zitierten uns wiederum auf ihrer HP, und bei den meisten Einträgen (in Kombination gerne auch mit dem Mil(f)aneo) schwebte über allem die Diskussion: Braucht man das eigentlich?

Ist das eine richtige Stadtentwicklung, an zwei Polen zwei riesige Einkaufszentren (insgesamt fast 70.000 Quadratmeter neue Einkaufsfläche) hin zu klatschen (und der Breunibär baut ja gerade auch noch), die vermutlich noch mehr Autos in die Stadt anlocken (was nur eines von vielen Problem werden könnte)?

Wo doch die Königsbaupassagen (noch keine zehn Jahre alt) letztendlich als gescheitert anzusehen sind (Stichwort Food Lounge)? Der Grundtenor hier und auch meine Meinung: nein, das ist nicht die richtige Entwicklung. Zumindest nicht in diesen Ausmaßen. Und das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Macht alles nix, jetzt stehen die Dinger, allein das Gerber hat übrigens den Bauherr W&W 250 Millionen gekostet, erfahre ich bei dem Mega-Event. Und irgendwie hat sich hier – gerade in Punkto Gerber, das ist uns, wie Geiger einst meinte, auf Google Maps näher steht als das Milfaneo –  so eine Art Hassliebe entwickelt.

Und das alles hat gereicht, um eine schwungvolle Einladung zum Preopening zu bekommen. Heute, 22. September, vielleicht der emotionalste, ja, der wichtigste Tag überhaupt in unserer Bloggerlaufbahn. Nee, das war schon neulich, als Thorsten und ich uns geschworen haben, dass wir uns immer alles erzählen. #aaaawww #big #love

Ein Einkaufszentrum feiert also ein Preopening, muss man auch nur begrenzt verstehen. Die Gästeliste: Tom Bartels (allseits beliebter Fußballkommentator), Natalia Wörner (Schauspielerin), Fritz Kuhn und Showacts. Das klang vielversprechend und nach Sex pur. Vor allem Showacts. Wo Showacts sind, das müssen wir hin.

Allerdings wäre das Projekt Preopening fast auf der Zielgeraden gescheitert, bei Ankunft wollte eigentlich ich nur noch zurück ins schöne Büro.

Viel Anzug, viel Absatz, viel Schwarz, eine mit einer Leo-Jacke und einer mit silbernen Air Max. Wer wohl. Meine Meet & Greet-Tauglichkeit muss ich im ungewohnten Terrain noch unbedingt verbessern. Lief so mittelmässig. Vielleicht auch, weil mein guter Linkedin-Xing-Kittel noch in der Reinigung war.

Erst Enttäuschung bei der Ankunft: Wir dürfen erst gegen 17 Uhr rein. Alle großen Reden draußen, dann Band durchschneiden.

Und dann redeten sie, die Dame zuerst. Natalia Wörner kommt ja irgendwie aus Stuttgart, ist Markenbotschafterin von irgendeinem Kosmetik-Shop (?) im Gerber, und meinte, sie shopped zukünftig natürlich im Gerber und sowieso nur da, wo es Qualität gibt. Die Höhe der Limbo-Stange war also geklärt, außerdem gratulierte sie noch KTV zur phänomenalen Berichterstattung…

…und startete den Urban-Reigen: “Stuttgart ist sehr viel urbaner und internationaler geworden.”

Ich habe die “urbans” schnell aufgehört zu zählen an diesem Nachmittag, egal ob bei Tom Bartels (so als Show-Moderator übrigens ganz okay und wesentlich tighter als beim Fubes), dem W&W Häuptling oder Fritz Kuhn. Bei dieser ganzen Durchurbanisierung wird dir schwindliger als dem ersten Show-Act:

Das ist die Annabelle und die Annabelle hängt an über 200 Luftballons, die seit heute früh um 8 Uhr aufgeblasen wurden. Die gute Frau wurde von zwei, drei Typen gesteuert und kam aus der Paulinenstraße angeschwebt. Dafür brauchten wiederum die Preopening-Veranstalter, so hab ich erfahren, eine Genehmigung. Da kann man seinen Blogger-Hut aus dem Urban Outfitters ziehen. Big up, Annabelle. Das war ein starker Auftritt. Hat mir gefallen.

Bevor wir in den Genuss von Annabelle kamen, musste sich das Preopening-Publikum und das Falschgeld zwei famose Reden anhören. Der W&W Cheffe holte richtig aus, let´s lean the Fenster raus. Nicht die W&W sei der Investor, sondern ihre ganzen Klientel, Hunderttausende an Versicherten, total viele auch aus Stuttgart und Region, das veranlasste den guten Mann zu folgendem Spruch:

Außerdem ging es der lieben W&W von Anfang an darum, mehr zu schaffen als ein Shoppingcenter, damit wären wir beim beliebten Nutzungsmix, schippen, shoppen, wohnen, Gastro und “erlebe was es aus dir macht”, und das Gerber ist seiner Meinung nach nun ein “Integrationspunkt”. Man soll sich hier wohlfühlen “und sein Geld ausgeben”.

Das schauen wir mal, wie wer hier wann und wo integriert wird. Den OB, der das ja alles auch nicht sooo geil findet (remember Wahlkampf), haben sie auf jeden Fall versucht, mit einem Fahrrad zu integrieren:

Auf dem Rad steht laut Ansage tatsächlich: “Gerber – Urban Flair & Style”.

Kuhns Attitüde: Machen wir jetzt das Beste draus. Skeptisch sei er immer gewesen und hofft, dass jetzt wenigestens viele Leute zu Fuß und mit dem Rad kommen (scheinbar gibt es 200 Fahrradstellplätze rund um den Klotz). Findet es gut, dass das Gerber nach allen Seiten zugänglich ist (stimmt nicht, Pauline / Marien gibt es keinen Eingang). Hofft, dass es auch abends belebt ist (äh, warum?).

Kuhn nennt das Center konsequent “DER Gerber” und nicht “DAS Gerber”, was nach kurzer Zeit ziemlich ulkig klingt, und haut dann noch sinngemäß einen ganz guten Knaller raus:

Wobei man wiederum sagen muss: Die Tübinger Shared Space Geschichte funktioniert ja unabhängig von Kennzeichen sowieso nicht so wirklich. Wie auch immer: “Ich wünsche schwarze Zahlen, das darf ein Grüner auch mal so sagen.”

Ich wünsche mir zwischenzeitlich Sex mit Natalia Wörner und hoffe, wir kommen uns noch näher – so in 2o Minuten.

Die wollte aber ran ans Band und nicht an mich:

natalia

Das  Tor zu Mordor ging auf und wir durften – begrüßt von lautstarken Trommlern – rein. Völlige Sensation: Es sieht aus wie in einem Einkaufszentrum.

gerber_1

Wir durften nur ins EG und 1. OG, aber irgendwie habe ich mir drinnen doch noch die eine oder andere kleine optische Sensation vorgestellt (warum auch immer ich mir so etwas vorgestellt habe, von Menschen, die Gebäude mit Bogenfenstern entwerfen).

gerber_2

Auf Twitter meinte jemand: Wie die Königsbauspassagen. Dann hoffe ich, dass sie ihre Rolltreppen richtig aussteuern und nie einen stinkigen Hotalo reinnehmen werden.

Drinnen ging es im Talkshow-Modus weiter, ich hab nur auf einem Achtelohr zugehört (Ex-OB Schusti war auch da), weil ich immer wieder rausmusste, weiter twittern. Drinnen absolut no Netz. Gibt aber ab morgen Free Wifi. Ich denke, Free Wifi wird der Ankermieter und Magnet schlechthin.

Zum Schluss noch einige Essentials klären:

Gelernt, dass es griechischen Schwiegermutter- und Schwiegervaterkäse gibt.

Bei Natalia Wörner angegriffen:

Selfie-Geschichte geschrieben:

Und noch schön das Gerber eingesaut. Man muss einfach Spuren im Leben hinterlassen. Oder zumindest für die Putzkolonne (die natürlich auch schon eifrig durch den Laden huschte).

Und dann, und dann hat es mir gereicht. Ade. Schauts euch an, shoppt, wifit oder macht halt einen Spucksee davor. Happy Gerber. Und jetzt Schlusspunkt. Erst einmal.

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