Großaspach uralt

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Das erklärt einiges.

SG Sonnenhof Großaspach gegen Stuttgarter Kickers (1:1). Auswärtsspiel im Off. So fangen Splatterfilme an. Es soll ein Roadtrip ohne Leitplanken werden.

Denn eigentlich wollte ich ja Elbe mitnehmen und genau genommen nur ihm zuliebe hin. In Großaspach kurz bei Andrea Berg vorbei. Meet & Greet, Selfie & Quickie. Kurzes Téte à Téte und großes Hallo. Smalltalk im Vorbeigehen. Sie so: „Super-Andera-Berg-Fanblog, euer kessel.tv!“ Und wir so thumbs up: „Super-Album, dein Atlantis!“ Fishing for compliments und Grouphug. Traumpiraten auf Kaperfahrt.

By the way – Save the Date:

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My friend went to Großaspach. And all i got was this lousy Handyfoto.

Aber DJ Elbe hat sich gedrückt. Und er wusste wahrscheinlich, warum. Anpfiff soll um 19.00 sein. An einem Dienstagabend. Aber wie das Spiel später auch, zieht sich die Fahrt stark in die Länge.

Was schon bei der Abfahrt dank Ferien, Wanderbaustelle und S21 Gebuddel mit Stop & Go begann, bleibt auch dort, wo E-Plus nur noch einen einsamen Strich schwach funkt, stockend und zähfließend. Das Ende der Ausbaustrecke hinter Waiblingen ist gleichzeitig das Ende meiner Geduld.

Ich wusste gar nicht, dass hier überhaupt noch Straßen lang führen. Aber nach einem nigelnagelneuen Tunnel wird man wie bei Super Mario in einem anderen Level ausgespuckt. Die Verkehrsteilnehmer um mich herum sind offensichtlich noch nicht an den Anblick asphaltierter Straße gewöhnt. Sonst würden sie sich nicht so vorsichtig drüber bewegen.

Da bleibt noch Zeit, den Blick schweifen zu lassen. Pizzeria DaToni Holzkohlegrill, die Opti Wohnwelt Heiningen und der Funpark Waldrems buhlen um die Wette und konkurrieren mit vielen weiteren Top-Veranstaltungsvorschlägen am Straßenrand. Zwischenfrage: geht eigentlich jemand zu Körperwelten Tiere?

Es geht weiter Richtung Erbstetten und Maubach. Wo das Urbane endet und die Prärie beginnt. Das ist alles recht hübsch hier, nur ohne eine Spur von Infrastruktur. Hier muss man eigentlich nicht kicken, hier muss man zuerst mal Rasen mähen. Es ist der richtige Ort für ein Maislabyrinth – und der falsche für ein Fußballspiel.

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(Kein Wunder ist hier Superstau, wenn man alles selber macht. Stoppschild gut bürgerlich direkt vom Erzeuger.) 

1,9 Kilometer noch – rechnet das Navigon mir vor. Dabei weiß es eigentlich gar nicht richtig, wohin die Reise geht. Denn die Sonnenhofer haben es zwar geschafft, ihr Stadion innerhalb von drei Jahren drei Mal umzubennen, aber nicht, es irgendwo hinzubauen, wo es eine vernünftige Adresse gibt.

Weil „Downtown“ als Zieloption nicht verfügbar ist, gebe ich der Einfachheit halber Großaspach-Mitte ein. Denn in Dörfern wie diesen kickt man doch auf dem Marktplatz, oder?

Das ist natürlich provokant und polemisch und auch ein bisschen geschwindelt. Denn ich war schon mal in diesem Stadion. Als es noch Comtech-Arena hieß. Und hab die Kickers dort am Waldrand verlieren sehen. Im Pokal des Württembergischen Fußballverbands, wo es unter mysteriösen Umständen immer wieder zu dieser Begegnung kam.

Ich weiß nicht, wer die Losfee da gebumst hat, aber mit rechten Dingen ging das nicht zu. Wenn man gefühlt seit 6 Jahren jedes Jahr auf’s Neue die Partie Sonnenhof Großaspach gegen Stuttgarter Kickers aus dem Lostopf gefischt hat. Als Auswärtsspiel für die Kickers – und als Hofspiel für Großaspach.

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(Ach, das war ‘ne Tageskarte? Dann hätt ich ja sogar noch ‘n bisschen bleiben können.)

Jetzt aber ist Großaspach aufgestiegen. (Womit eigentlich? War Hufeisenwerfen?) Und spielt mit den Stuttgarter Kickers in einer Liga. Wenn auch nicht in der gleichen Sportart.

Vielleicht wäre es ja doch besser, dem kleinen Fußballsymbol in Richtung „Sportplätze Germatsweiler“ zu folgen? Arg viel schlechter werden die an einem Dienstagabend auch nicht kicken.

18.29 Uhr – ein Schild kündigt endlich lapidar Aspach an und macht keinen Unterschied zwischen Groß und Klein. Man muss echt acht geben, denn im Navi sind weder überholende, vollverkleidete Yamaha-Roller digitalisiert, noch Biogas-Anlagen. Beides stellt hier aber eine echte Gefahr dar.

Einen Auffahrunfall willst du hier draußen nicht riskieren. Wo du nicht darauf vertrauen kannst, dass der zu Hilfe gerufene Büttel a) deine Sprache spricht. Und b) dich nicht gleich erschießt. Nach dem Motto: Wer auffährt, hat Schuld. Und wer Schuld hat, wird erlegt. Und c) bin ich nicht ganz sicher, welches Recht hier gilt: ist das noch Schengen oder schon no country for old men?

Die anderen Leute im Stau sind trotzdem erstaunlich gelassen. Ich nehme an, stockenden Verkehr kennen die meisten von zuhause.

Was hier draußen leider überhaupt nicht klappt, ist übrigens das Einfädeln im Reißverschluss-System. Das kommt davon, wenn man nur Gummistiefel und Latzhose mit Druckknöpfen trägt.

Vielleicht sollte man hier mal lieber Schulungen veranstalten, statt Ü40 Coverrock-Parties im Festzelt. Und den Leuten beibringen, dass das mit dem Autoeinfädeln funktioniert, wie früher in der Schule beim Wählen des Fußballteams: Ochs – Esel – Ochs – Esel – …

Dank Schritttempo entdecke ich immerhin, dass hier jemand in Eigenregie in seinem Schrebergarten eine Moschee baut. Hut ab. Das musst du zwischen Maubach und Leutenbach erstmal bringen.

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(Der Aspacher – ob gross oder klein – geht vom Typ her eher so in Richtung kumpelhafte Frohnatur.)

In Großaspach selber steht dann tatsächlich an fast jeder Ecke ein Schaulustiger, um dem Stau der Stadionbesucher zuzusehen. Keine Ahnung, warum. Entweder haben die Eingeborenen noch nie Weiße gesehen. Oder zumindest noch nie so viele in einem Mittelklassewagen mit nur einem Buchstaben im Kennzeichen.

Modeblogger Info-Tweet: Die Großaspacherin trägt übrigens Dutt. Seit 1811.

Als ich das Schild „Mechatronic Arena“ zum ersten Mal sehe und der Stau sich immer noch nicht auflöst, schwant mir langsam, dass dieses ganze Stop & Go über die letzten 20 Kilometer fußballbedingt ist.

Das heißt für mich im Umkehrschluss: sie haben hier nicht mit Zuschauern gerechnet. Und ich kann nur hoffen, dass der DFB endlich ein Einsehen hat und das Spiel später oder lieber gar nicht anpfeift und 2:0 für uns wertet.

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(Wenn ich das richtig deute, dann will niemand der Partner von Aspach sein. Außer Aspach selber. Und eine französische Hafennnutte. Spaß am Rande: “Und was machst du den ganzen Tag?” “TRECKERFAHR’N!”)

Liebe Leute vom Ponyhof: wenn Ihr wirklich zu beschäftigt seid, ein Fußballspiel zu organisieren (22 Mann, 1 Ball, 4000 Zuschauer), weil Ihr tagsüber noch zu viel auf dem Feld zu tun habt, dann gehört Ihr einfach nicht in diese Liga.

Die Schmähgesänge der Kickers-Fans jedenfalls habt Ihr Euch mit Eurer katastrophalen Logistik wirklich hart erarbeitet und redlich verdient:

Hurra. Das ganze Dorf ist da.

Scheiße Scheiße Ponyhof.

Ohne Traktor wärt Ihr gar nicht hier.

Und off-topic

Irgendwann, irgendwann – zünden wir Bad Cannstatt an.

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In einer gut gehenden Dorfgemeinschaft wie Großaspach steht man halt noch zu seinem Verein. Nur der FCB!

Viele andere junge Großaspacher Stadionbesucher sind augenscheinlich unentschlossen. Sowohl in ihrer sexuellen Orientierung, wie auch in ihrer Fanzugehörigkeit. Sie tragen der Einfachheit halber deshalb ein Deutschland-Trikot. 19 Götze. Oder hat Großaspach schlichtweg kein Merchandise?

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(Das kannste aber laut sagen.)

Glück im Unglück: unsere nächste Begegnung mit Großaspach findet zuhause statt. Und ich hoffe, bis dahin ist zuhause wieder Degerloch. Und im wfv-Pokal müsst Ihr Euch einen anderen Dummen suchen. Wir spielen nämlich Samstag DFB-Pokal. Und zwar gegen Dortmund römisch eins – und dann auch endlich featuring DJ Elbe.

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Die A-Karte (A – wie in Arsch und Aspach) hat aber der kleine VfB II gezogen. Als ob sie nicht schon genug gestraft sind, müssen die nämlich wegen dem Stadionumbau auf der Waldau jedes zweite Wochenende hier rausfahren und ihre Heimspiele spielen, wo sich Ochs und Esel gute Nacht sagen.

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