Gott raus! Und zwar alle!

Kessel_shopshop

(Foto: Winnetou Häberle)

Stuttgart Händler scheinen dünnhäutiger als das durchschnittliche Bähmulle. Erst waren sie genervt von Demonstranten, dann von Obdachlosen, Junkies und Bettlern und jetzt sind’s laut Stuttgarter Nachrichten die Missionare, die nerven – Scientology, Islam, Zeugen Jehovas, das ganze Programm.

Die City Initiative Stuttgart (CIS), so eine Art “Amnesty International” für Shopping, verlangt nun ein Machtwort von der Stadtverwaltung. Ich befürchte, das ist verschwendete Liebesmüh’. Denn bei der Anzahl neuer Einkaufszentren in Stuttgart, liegt die Vermutung recht nahe, dass der die Stadtverwaltung die Königstraße am Arsch vorbei geht   auch genervt ist: allerdings von der Königsstraße.

Interessant ist, dass laut dem StN-Artikel scheinbar Salafisten im Buchladen Wittwer den Koran verteilen. Der erste Gedanke, die würden Wittwer damit den Umsatz mit dem hippen Schmöker verhageln, wurde aber gleich entkräftet. Darum ging’s gar nicht. Kunden hatten laut deren Geschäftsführer Rainer Bartel böse Briefe geschrieben, ob Wittwer “etwa mit den Salafisten gemeinsame Sache” mache. Klar, was da die Nachbarn sagen… war hier schon immer ein schlagkräftiges Argument. Ebenso würden viele Leute mittlerweile gar nicht mehr in die Stadt gehen, weil sie ständig von irgendwelchen Religionsfuzzies belästigt würden – nicht von Baustellen, Staus und miserablem ÖPNV.

Das mit der Gottesfurcht kann ich wiederum sehr gut nachvollziehen. Als neulich tausende von Christen in der Mercedes-Benz-Arena einen Gott-Event abhielten und ein meterhohes Kreuz aufbauten, habe ich Cannstatt auch gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Und es hat mich auch irritiert, dass die noch immer bei Black Sabbath- oder Alice Cooper Konzerten rumstehen und protestieren.

Ihre irren Bücher nehme ich aber immer gerne mit, da werden herzzerfetzende Geschichten erzählt von tollen Leuten, die plötzlich Rap, Techno, House, Jazz oder Metal gehört, Drogen genommen, rumgebumst und rumgeschwult haben und ohne Gott jetzt tot wären. Was für Musik sie jetzt hören, habe ich leider vergessen. Warum machen Satanisten eigentlich nie Direktmarketing in der Fußgängerzone?

Egal, jetzt schieben wir erstmal die Junkies und Obdachlosen vom Gerber weg oder bringen ihnen endlich bei, wie man unsichtbar wird. So urban muss Shopping schließlich auch wieder nicht sein. Nicht, dass da keiner mehr einkaufen will.

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