52 Albums/34: Roisin Murphy “Ruby Blue”

murphy

Nachdem Thorsten letzte Woche wieder in den 90ern wilderte, ein kleines Meisterwerk aus diesem Jahrzehnt. Diesem Album von 2005 habe ich im Vorfeld (Stichwort Promo) den maximalen Erfolg gewünscht wie noch keiner anderen Platte zuvor.

Bitte lieber Gott mach, dass Frau Murphy die neue Madonna wird. Bitte mach, dass dieses Werk in allen Herren Ländern auf Platz 1 geht und sich 20 Millionen mal verkauft.

Na ja, daraus ist leider nicht so viel geworden: DE 43, AT 50, CH 43, Bel 7, GB 88. Steht zumindest auf Wiki. In Murphys Heimatland die schlechteste Platzierung, auch verwunderlich. Dabei gelten die Briten doch als so musikalisch offen un interessiert. Vor allem hat einer ihrer Größten die Scheibe komplett durch produziert: Matthew Herbert.

Mein Moloko-Fantum hält sich bis auf das allererste Album “Do You Like My Tight Sweater” ziemlich in Grenzen. Dem hedonistischen End-90er-Klassiker “Sing It Back”, der im Remix von Boris Dluglosch zur Chart- und Dancefloor-Allzweck-Waffe mutierte, konnte ich nie was abgewinnen und hing mir schnell zu den Ohren raus.

Das war die Zeit, wo auch so Lieder wie Modjo “Lady” und so liefen. Musik für Boomzeiten. Noch nen paar Internet-Aktien kaufen, noch ne Line ziehen.

Allerdings, daher rührt auch die Zusammenarbeit zwischen Murphy und Herbert, remixte der quirlige Brite ebenfalls “Bring It Back” in beeindruckender Manier. Leider stellte ich das erst einige Jahre auf einer Remix-Compilation des lustigen Vogels fest, den ich in den 90ern unter dem Namen Dr. Rockit im Tier schon Chips fressen sah und der scheinbar mit einer Leichtigkeit von Swing bis Techno alles produzieren kann.

Rückblickend war mein Ausrufen vom Weltstar Roisin Murphy, wie ich es damals auch im Sub Culture kommunizierte (“Die Bravo sollte mal den ersten Roisin-Starschnitt in Auftrag geben.”), natürlich blanke Utopie. Die doch eher verkopften Beats und Rhythmusstrukturen von Meister Herbie sind halt einfach doch eher nicht massenkompatibel und kicken wohl auch nur eine bestimmte Sorte Mensch.

Nämlich mich zum Beispiel. Ich habe die Promo inhaliert. Immer und immer wieder. Ich war begeistert von dem brillanten Zusammenspiel von Murphys wirklich bezaubernder, außergewöhnlicher Stimme, die sie ja tatsächlich hat, und dem, wieder mal, unfassbaren Einfallsreichtum von Herbert.

Der entwarf für sie von der Piano-Jazz-Bar über auch träumerische, filigrane House-Beats bis hin zu verstörenden Rock-Ansätzen eine wallende Garderobe mit massig Tiefgang. Bei Herbert-Stücken entdeckt man ja bei jedem weiteren Hören prinzipiell immer wieder was neues. Und “Murphy wächst mit ihrer Stimme über sich hinaus”, schrieb ich damals. Kann man auch heute noch so stehen lassen.

Für das nachfolgende Album “Overpowered” (2007) arbeitete Murphy mit verschiedenen Produzenten zusammen und sonnte sich eher im Disco-Elektro-Licht. Sicherlich auch keine schlechte Platte, mehr catchy, aber “Ruby Blue” hat diesen ganz eigenständigen, stimmigen Charakter von vorne bis hinten, was eben ein gutes Album auszeichnet.

Manchmal, in Läden wie dem Oblomow, konnte man davon sogar auch ein paar Stücke auflegen. Meist kam jemand, eher weiblich ans Pult. “Das ist doch Moloko?”. Nein, die gute Frau auf Solopfaden. “Ah, toll, voll schön, aber gar nicht mitbekommen, dass die was neues hat.”

Vielleicht müsste man für manche Alben einfach mehr Promo machen.

Bonus: Etwas langatmige Live-Version meines Lieblingslied aus dem Album, “Dear Diary”, hat bissle was von “Sing It Back”.

Und hier die Single “If We´re In Love”, Mensch, bei so einem Lied müssen doch eigentlich die Damen dahinschmelzen – oder nicht?

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