52 Albums/15: The Fugees “The Score”

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Ich hab 1996 angefangen aufzulegen. Damals hab ich mich hauptsächlich im Dream Factory (Pulsinger und Hell im Tier und so) und Motor City-Umfeld rumgetrieben, Karsten, Rick (Linehan), Olsen, Rick Walker, Uli, Motik, Mick Wills, Ken und so. Dadurch war ich natürlich sehr geprägt durch “Underground” elektronische Musik. Karsten und Rick hatten z.B. damals Samstag Nacht eine Radiosendung bei der Wüsten Welle in Tübingen, da bin ich öfter abgehangen.

Und dann gab es Silvester 1995 unsere legendäre WG-Party in Zuffenhausen mit 10 DJs auf drei Floors, und irgendwann hab ich den Küchen-Floor übernommen und zwei Stunden lang mit Ulis Platten Profan B-Seiten aufgelegt. Das ist Ambient in seiner ursprünglichsten Form, muss man wissen, also nur Flächen und Waberei.

Das hat mir ziemlich Spaß gemacht und man musste nicht mixen (auch wenn ich bis dahin meine Mix-Skills schon über paar Jahre an den Conrad-Plattenspielern mit Dreh-Fader von nem Kumpel trainiert hatte).

Irgendwann hab ich mich dann entschlossen, trotz meiner persönlich wirtschaftlich nicht besonders gesunden Situation (Zivi) mit dem Auflegen anzufangen – zum ersten mal bei unserer zweiten Party im Jugendhaus in Heslach, im Frühjahr 1996. Mein Anfangsbestand waren ungefähr 30 Platten, ich hatte Karsten nen Stapel günstig abgekauft und paar Sachen im Humpty erstanden, u.a. die fabelhafte “Vaio”-Box von Panasonic auf Säkhö (for those who know).

Das hat bisher natürlich noch alles ziemlich wenig mit den Fugees zu tun, aber ich komm gleich zum Punkt.

Über die Dream Factory-Connection bin ich dann auch ziemlich schnell zu meinen ersten “Bookings” gekommen, gerade Tübingen hatte auch eine nette kleine Ambient-Szene. Da gab es diesen netten kleinen Kerl aus Peru oder so, ich hab den Namen vergessen, der hat Partys organisiert. Und dann hab ich eben bei der “Tübinger Ambient Convention” in so einer Verbindungsvilla aufm Berg aufgelegt.

Da gab es diverse Floors, viele DJs, die ganze Stuttgarter Posse am Start, wilde Live-Acts. Und irgendwann bin ich im Keller-Floor gelandet und hab aufgelegt – irgend eine Mischung aus Ambient, TripHop und Mnml.

HipHop war bei mir aber trotzdem immer ein Thema, mal mehr, mal weniger. Und so hatte ich mir auch, nach dem großen Hype auf MTV, das Fugees-Album “The Score” gekauft. Und weil mein Plattenbestand wie gesagt am Anfang noch sehr überschaubar war, hatte ich die Platte auch in Tübingen dabei.

Und weil gerade sowieso ein paar Leute auf der Tanzfläche gezappelt haben, hab ich gedacht, komm, alle open-minded hier, ich leg einfach mal “Fugee-La” auf. Und dann ist etwas passiert, was mir in meiner bis dato sehr kurzen DJ-Karriere noch nie passiert ist – die Leute sind abgegangen und haben geschrien (ich erinnere mich, dass auch DJ-Kollege Lightwood auf der Tanzfläche war).

Das war dann ein Erlebnis, das mich glaube ich für mein weiteres DJ-Leben geprägt hat. Bis dahin war mir nur wichtig, dass die Musik, die ich auflege, nicht kommerziell, gut und abgefahren ist. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ein DJ die Leute auch sehr direkt und schnell packen und bewegen kann.

Ich bin dann ein paar Tage danach gleich in den Soundshop gestiefelt, der damals noch unter der Radio-Bar war, und hab beim Nachbarn, den ich so vom Sehen kannte, gleich ne Ansage gemacht: “Hey, ich leg eigentlich nur TripHop auf, hab jetzt aber auch Bock auf HipHop, was kannste mir denn empfehlen?”

Er hat mir dann paar Maxis rausgesucht, die zwar nicht das Hit-Potential hatten, das ich mir erhofft hatte, aber auf jeden Fall sehr in Ordnung gingen.

In den folgenden Jahren hat mich neben viel elektronischer Musik und später auch Soul immer auch HipHop begleitet – ähnlich wie bei Ram – und ich hab “The Score” bei diversen Partys hoch- und runtergenudelt. Zum Glück für mein knappes Budget waren da nämlich gleich mehrere Hits drauf: “Fugee-La” natürlich (für mich nach wie vor einer der besten HipHop-Tracks ever), “Ready or Not”, “Killing Me Softly” oder auch “No Woman No Cry”. Allein mit dieser Platte hab ich so manche Studenten-Party in Schwung gebracht.

Gleichzeitig war das Album also auch das erste, das ich vor allem zum Auflegen gekauft habe. Ich glaube ich hab es gar nie ganz durchgehört, auch weil ich es nie auf CD hatte, und ich habe neulich erst Tracks darauf entdeckt, die mir gar nicht in Erinnerung waren.

Das ging mir in den langen Jahren, bis ich von Vinyl auf Laptop umgestiegen bin, aber relativ oft so – ich habe häufig Vinyl-LPs zum Auflegen gekauft, und da kennt man eben vor allem oder ausschließlich die Songs, die auch zum Auflegen taugen.

Nach The Score gab es ja diverse Solo-Projekte der Fugees-Mitglieder, und vor allem die früheren Sachen von Wyclef Jean (Album “The Carnival”) sind mir sehr gut reingelaufen, aber natürlich war auch das Lauryn Hill-Album überragend.

Leider hat die Dame mit ihrem Auftritt bei den Jazz Open in Stuttgart vor zwei oder drei Jahren so einige Fans – darunter mich – vergrault. Sichtbar schlecht gelaunt, ihre Musiker angeraunt, lustlos die Hits runtergedudelt und dazwischen einen auf Songwriterin mit Gitarre gemacht. Schade eigentlich.

Ist “The Score” auf Vinyl heute eigentlich gesucht bzw. eine Rarität? Oder interessiert das in Zeiten von iTunes heute keinen mehr? Auch wenn, meine ist sowieso so abgenudelt und runtergespielt, dass sie höchstens noch als wichtiges Erinnerungsstück für mich taugt.

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