Viva la Brezelkörble

Bildschirmfoto 2014-05-19 um 16.20.20

Abbildung courtesy: People-Fotograf und People-DJ M.Elbert.

Heutzutage wollen ja alle „was mit Medien“ machen. Früher dagegen wollten viele von uns „was mit Brezeln“ machen. Hab mich nach dem Abi deshalb damals erstmal beim Brezelkörble beworben. Vollkommen unterqualifiziert und überbezahlt.

Heute würde man das Trainee oder Internship nennen. Bei uns hieß das damals nach der Schule irgendwas jobben, um sich bloß nicht fürs Leben entscheiden zu müssen.

Seinerzeit gab es auf dem Arbeitsamt noch Jobs – und Aushilfsausfahrer beim Brezelkörble war einer davon. Den Fahr-Fuzzi, der das 1842 schon hauptamtlich gemacht hat, den hab ich neulich zufällig mal wiedergesehen. Und ratet mal, was er gemacht hat.

Nicht wraps delivered und keine Donuts geshuttled. Nein: brezelnausgefahren. #old school #old Lauge #epic #classic #retro #wiebeigroßmuttern.

Gut, kann man jetzt sagen: Karriereleiter in die falsche Richtung – d’Stiege na – genommen. Oder eben seinen Roots treu geblieben. Aber er hat sich, wenn ich das richtig gesehen habe, immerhin von einem VW LT auf einen Viano aufgebrezelt.

Für mich war Interims-Brezelnausfahren damals mein erster Job, so richtig mit Lohnsteuerkarte und danach nicht wieder in die Schule müssen. Seinerzeit hatten der eigentliche Fahrer und ich 2, 3 Tage, die sich überschnitten haben. Jobübergabe. Kurze Einlernzeit. Dann ist er wie Elbe in den Urlaub gefahren. Nach mir die Sintflut.

Damals glaub mit der Postkutsche nach Bad Wildbad oder mit den Elefanten über die Alpen oder was man eben so gemacht hat. Das ist wie gesagt schon lange her.

Und dann hab ich übernommen. Naht- und ahnungslos. Ich dachte, ich könnte dem Job meinen eigenen Stempel aufdrücken. Aber man wollte von mir nur drei roboterartige Dinge:

Back Brezeln. Fahr Brezeln. Und sei arschfrüh da. Arbeitsbeginn war morgens um 5.00. Und bevor ich die Brezeln ausfahren konnte, musste ich sie erstmal ausrollen.

Hab’s tatsächlich schon lange nicht mehr ausprobiert, aber ich würde mal ganz selbstbewusst behaupten, diesen Brezel-Schling-Griff, den hab ich noch drauf.

Problem: nach einem halben Tag in der Backstube in der Nähe der Brezellauge magst du für die nächsten 6 Monate nicht mehr in die Nähe einer Brezel kommen. Was blöd ist, wenn für die nächsten 3 Wochen ungefähr 3- bis 400/pro Fuhre deine Beifahrer sind.

Der Brezelausfahrbus hatte eine Sondergenehmigung, die einen erlaubte vor 9.00 Uhr über die Königstrasse zu fahren. Was man als junger Mann mit viel Flausen und wenig Verantwortung natürlich auch freestyle gemacht hat. Ich sag mal so: Zone 30 war die Königstraße damals für mich nicht, knickknack, zwinkerzwinker, ist doch hoffentlich verjährt?

Die Brezelkörblefrauen waren übrigens allesamt wahnsinnig nett, haben sich bei jeder der 4 täglichen Lieferungen gefreut wie sonst nur Ömchen. Wie Ömchen hatten sie auch immer ein Bombo oder ein paar Minuten für Smalltalk. Smalltalk hieß damals allerdings noch bissle schwätze.

Chapeau, dass es die Institution Brezelkörble noch gibt – wie auch die Institution Crépes-Stand (find kein Accent D’ächle auf meiner Tastatur). Was kosten die denn inzwischen, die Butterbrezeln? Geschmacklich waren die glaub nie der Burner. Vgl. auch Bäcker Frank und Bäcker Waible.

Brezelkörble auf facebook hat übrigens 29 Gefällt mir Angaben. Leute, da geht noch was. Da ist noch Luft nach oben:

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