KTV Back-Katalog
52 Albums/1: Massive Attack “Blue Lines”

Vor fünf Jahren gab es noch kein iPad, in Stuttgart gab es noch Subkultur und Kessel.TV musste noch ohne Setzer und Geiger auskommen – alles heute undenkbar. Und vor fünf Jahren haben wir eines unserer größten bzw. längsten Projekte bisher gestartet: 52 Albums. Jede Woche ein für Martin, mich oder einen Gastautor wichtiges oder besonderes Album, 1 Jahr lang.

Und weil gute Musik nicht schlecht wird holen wir diese wunderbare Serie zum etwas verspäteten Jubiläum wieder raus und machen quasi einen Re-Release, jeden Tag ein Album, 52 Tage lang. Mit Geschichten, die man zum Teil im zeitlichen Kontext sehen muss, aber auch gerade deshalb spannend sind.

Und immer noch wichtig zu sagen: Es geht nicht um die 52 besten Alben aller Zeiten. Sondern um persönliche Geschichten, die man allzu oft mit Musik verbindet, oder umgekehrt.

massive-attack-blue-lines

Massive Attack “Blue Lines”

Ich bin ja auf dem Land aufgewachsen, in einem Mini-Dorf. Und von da kommt man halt nicht weg, außer man geht mit dem Rest der Dorfjugend zu Dorffesten, wo Coverbands Heavy Metal Hits spielen. Mein Bruder Micha und ich haben schon früh einen etwas anderen Musikgeschmack entwickelt und mussten warten, bis er 18 wurde, bis wir aus dem Dorf rausgekommen sind. Das war Ende 1991.

Aber genau an seinem Geburtstag ging’s los – wir haben die Dorf- und Großraumdiscos der Region abgeklappert und auf die Technorunde gewartet, meistens zusammen mit noch zwei etwas aufgeschlosseneren Mitstreitern. Da waren wir dann also zu viert im schwarzen Golf 1 von meinem Bruder unterwegs. Und der hatte natürlich nur ein Kassettendeck. Wir haben eigentlich immer die gleiche Kassette im Auto gehört. Auf der einen Seite war das Album “Blue Lines” von Massive Attack, auf der anderen Seite das Album von Bomb the Bass, das damals grad draußen war.

Aber vor allem Massive Attack hat mich schwer beeindruckt. Vorher kannte ich schon das Hammer Video zu “Unfinished Sympathy”, das ich von X-Large (damals eine Jugendsendung im ORF, moderiert von Arabella Kiesbauer und Christian Clerici) auf VHS aufgenommen hatte. Das Album ist einfach groß. Das hat nix mit TripHop zu tun, das ist deep, düster und jeder Sample und jedes Vocal sitzt genau an der richtigen Stelle. Für mich kommen auch die späteren, hoch gelobten Massive Attack Alben nicht an das erste ran – aber ich bin bis heute Fan geblieben.

7 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.