contain’t kurz vor dem Aus

container

(Bild ziemlich alt, von Sommer 2012. Sieht heute anders aus) 

Witzig, gestern erst seit längerem DJ Stare aka Bermuda-Yacht-House-Hannes von der Thursday Don´t Suite Very Well-Posse getroffen und auf die Frage, wie was wo so geht aus dem Hause TDSVW, meinte er, evt. wolle man dieses Jahr noch was im contain´t machen.

Das liegt hinter dem Club Zollamt am ehemaligen Güterbahnhof, ein Engagement des Waggon-Trupp. Ich habe das vor zwei Jahren so verstanden, dass die neue Heimat der Waggon-Leute wird, nur eben mit Containern plus der eine oder andere Waggon vom Nordbahnhof, guck Blogeintrag von damals.

Nicht so witzig: Jetzt kommt gerade die Mail rein, dass es nicht gut aussieht und das Zwischennutzungsprojek schon vor dem Start zu scheitern droht. Viel Leseholz vorm Feierabend. 

contain’t steht kurz vor dem Aus

Trotz dreijähriger intensiver Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern droht das Zwischennutzungsprojekt contain’t bereits vor dem Start zu scheitern. Überraschende baurechtliche Auflagen verhindern die Gründung einer Ateliergemeinschaft und blockieren erneut den Start des Veranstaltungsbetriebs. Gleichzeitig soll der im November 2014 auslaufende Mietvertrag nicht wie ankündigt verlängert werden.

Bereits in der ersten Aprilwoche hatten die Macher_innen von contain’t auf Ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht. Ohne eine sofortige Veranstaltungsgenehmigung muss das Projekt noch in diesem Monat beendet werden.

Die Reaktion der Stadt ist widersprüchlich. Einerseits wurde mit dreiwöchiger Vorlaufzeit für den 13.05. eine Unterredung im Rathaus anberaumt, der auch Bürgermeister Föll beiwohnen soll. Andererseits bleibt die Verwaltung dem Projektteam trotz mehren Aufforderungen konkrete Antworten auf die vielen akuten Fragen bisher schuldig. Ein für kommendes Wochenende angesetztes Benefiz-Festival wurde nicht genehmigt und musste abgesagt werden.

Die Dringlichkeit der Lage von der Stadt verkannt: Der Termin am 13.05. kann überhaupt nur die Wende bringen, wenn contain’t bereits im Vorfeld angemessen informiert und die Veranstaltungsgenehmigung vorgelegt wird. Nur so kann die drohende Pleite abgewendet werden.

Genehmigungen für Kunst und Kultur – ein Spießrutenlauf

contain’t ist der Versuch, experimenteller Kunst, nicht-kommerzieller Kulturarbeit und informeller Architektur einen rechtlich und strukturell verbindlichen Rahmen zu geben. Dementsprechend hat contain’t von Anfang an viel Zeit und Energie in die Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Stadt hat investiert. Der Anfang Februar eingereichte zweite Bauantrag zur Genehmigung von Veranstaltungen und einer Ateliergemeinschaft mit 21 Parzellen auf dem Gelände in Bad Cannstatt war mit einem Architekturbüro geplant und eng mit dem Baurechtsamt abgestimmt. Tausende von Euro hat das Projekt in Genehmigungsverfahren und Lärmgutachten gesteckt, Pro-Bono Know-how verschiedener Unternehmen noch nicht mitgerechnet.

Trotzdem stellen die jetzt vom Baurechtsamt geforderten Auflagen die Ateliergemeinschaft an sich in Frage und verhindern gleichzeitig die Veranstaltungserlaubnis, obwohl hierfür alle Auflagen erfüllt sind. Nun steht das Projekt vor dem Aus. Ohne die Einnahmen aus dem öffentlichen Kulturbetrieb, ist contain’t finanziell nicht tragfähig. Damit droht nicht nur der Verlust eines weiteren kulturellen Freiraums. Leichtfertig setzt die Stadt ihre Glaubwürdigkeit und die Hoffnung der Szene auf Wertschätzung und eine Besserung der Situation für Kulturschaffende in Stuttgart aufs Spiel. Nach mehr als zweijähriger Verzögerung bleiben viele Künstler_innen auf der Strecke, interessierte Ateliermieter_innen schauen in die Röhre und Veranstalter_innen wenden sich ab. Der Frust im weit verzweigten Kreativ-Netzwerk um contain’t hat seinen Höhepunkt erreicht.

Die Entwicklungen der letzten Wochen

Am 03.04. wenden sich die Macher_innen von contain’t schriftlich an die Fraktionen des Gemeinderats. Hauptforderung des Hilferufs ist die unbürokratische Erteilung einer Veranstaltungsgenehmigung und die Verlängerung des Mietvertrags. Die kulturpolitischen Sprecher_innen der Grünen und der SPD tragen das Anliegen in die Bürgermeisterrunde. Innerhalb der Verwaltung bemüht sich das Liegenschaftsamt um die Anliegen von contain’t. Alle Akteure versichern, man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung. Anstatt der lange in Aussicht gestellten Mietvertragsverlängerung oder einer unbürokratischen Lösung für die verfahrene Genehmigungssituation werden plötzlich neue Szenarien ins Spiel gebracht. Unter anderem heißt es, contain’t solle auf Ersatzgelände umziehen. Es befinde sich in der Nachbarschaft der geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Benzstraße, Details werden nicht genannt.

Wertschätzung durch verlässliche Zusagen

Die Verantwortlichen von contain’t können solch wagen Aussagen kein Vertrauen mehr schenken. Zu oft schon hatten in der Vergangenheit mündliche Absprachen mit der Verwaltung und Mitgliedern des Gemeinderates letztlich keine Gültigkeit. Beispiele sind mehrere Standortswechsel in der Planungsphase des Projekts, geplatzte Zusagen zur Projektförderung, plötzliche Kurswechsel bei Genehmigungen sowie die Absage der Mietvertragsverlängerung, die im Sommer 2013 noch als reine Formalie galt. Mehrmalige Bitten um schriftlich verbindliche Auskünfte aus dem Stadtplanungsamt zum Entwicklungsfahrplan des Neckarparks fanden kein Gehör. Eine Erklärung, warum das Gelände aufgeben werden muss, steht nach wie vor aus. Dabei ist die Frage durchaus berechtigt, denn die Mietverträge der direkten Nachbarn von contain’t laufen bis Ende 2016. Eine vorzeitige Entwicklung des Areals erscheint somit fragwürdig. Alternativen wie eine bedarfsweise Verkleinerung des contain’t-Geländes wurden nie diskutiert. In Bezug auf die überlebenswichtige Veranstaltungsgenehmigung verstrichen bereits mehrere Wochen ungenutzt, während wöchentlich Veranstaltungsanfragen eingehen.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Trotz des mangelhaften Informationsstands haben die Mitglieder von contain’t die Bedingungen für eine Weiterführung des Projekts ausgelotet. Den angedachten Umzug in die direkte Nachbarschaft der geplanten Flüchtlingsunterkunft im Neckarpark sehen die Mitglieder nur unter den folgenden Voraussetzungen als realisierbar an:

Verbleib bis zum letztmöglichen Zeitpunkt auf dem jetzigen Gelände

Sofortige, unbürokratische, dauerhafte und kostenlose Genehmigung für den längst überfälligen öffentlichen Kulturbetrieb am jetzigen Standort bis Mietvertragsende

Sofortige, unbürokratische und kostenlose Genehmigung für Ateliers in Eigenbau oder Bereitstellung von mindestens 10 temporären Ateliers (z.B. Containern mit Prüfbuch, fliegende Bauten, etc.)

vorübergehende Förderung einer bezahlten Stelle für Geschäftsführung und Kommunikation, bis contain’t wirtschaftlich arbeiten kann

Nahtloser Übergang der Genehmigungen beim Umzug auf ein neues Gelände

Vorhandene Erschließung am neuen Standort

Lärmschutz am potentiellen neuen Standort zur Entlastung der 240 Flüchtlinge in der benachbarten Unterkunft

26 Comments

  • Ollie sagt:

    Gut so, in Stuttgart ist kein Platz für so einen Hippie-scheiß, verpisst euch nach Berlin, der Platz wird für ein Einkaufszentrum gebraucht.

  • martin sagt:

    “containero” ?

  • Vagina sagt:

    Ollie wieso ziehst du nicht nach Kassel? Oder nach Wangen im Allgäu? Stuttgart ist eine “Großstadt”! Da soll es Platz für alles geben!

  • akoe sagt:

    stadt stuttart, FICK DICH!!! der subkulturelle kahlschlag geht weiter! und wie verlogen die stadt mal wieder ist: talk – action = zero!! man sollte das benefitfestival einfach durchziehen, OHNE GENEHMIGUNG! ne demo anmelden und feiern. der love-parade-trick.

  • martin sagt:

    @vagina, vielleicht lieg ich ja total falsch, aber ich höre/lese in ollies comment ironie. aber vielleicht täusch ich mich ja auch.

  • akoe sagt:

    das ist ne riesen-sauerei. vor allen dingen, weil die stadt gerade überall in den schönsten tönen säuselt, nach dem s21 kahlschlag könne die subkultur auf mehr unterstützung hoffen. alles lüge! ich habe da (übrigens auch illegal, am karfreitag) aufgelegt, da haben sich ne menge leute den arsch aufgerissen, sogar ein sauteures schallschutzgutachten erstellen lassen (und die auflagen erfüllt) und was ist? – die stadt läßt contain’t am ausgestreckten arm verhungern. klar, ohne veranstaltungen ist contain’t zum sterben verdammt. dabei ist das absolut im industriegebiet, da ist km weit nur urban wasteland. aber nicht mal da, versteckt zwischen industrieruinen, -brachen und abfall-betrieben können diese verbohrten scheiß amts-sesselpfurzer in stuttgart ein auge zudrücken. ich sehe schon, man wird sich einfach was nehmen müssen – ohne zu fragen, ohne zu reden, ohne zu verhandeln! weil reden tun die stadtfuzzis viel sich wechselseitig bedeutungslos machendes blablabla. praktisch werfen sie dir nur stöcke zwischen die beine. und solange nur dumm daherlabernde kommunalpolitiker (aller parteien) die wahren bremser, zerstörer & verhinderer in den verwaltungen, in den behörden nicht ausbremsen, solange bleibt das alles nur leeres alibi-palaver!!!!!!! nichts, heiße luft, nada, zero. grrrrrh!

  • akoe sagt:

    jetzt erst recht, geht da hin, macht euer maul auf, mait es rum, kommt zuhauf!!! https://www.facebook.com/events/297812497040061/300895063398471/?ref=notif&notif_t=like

  • Dano sagt:

    Ich muss mich gerade richtig ärgern: nach all den Versprechungen und Sonntagsreden von Grünen und Sozialdemokraten jetzt sowas. In Stuttgart scheint es wohl kein Platz zu geben für eine alternative Kulturszene, die sich auch Normalbürger leisten kann. Und wo hin, wenn Waggons und contain’t dicht machen? Zurück zur WG-Party-Szene? Nein! Wir sollten kämpfen um unsere Stadt und Druck machen auf allen Ebenen, bevor unsere Stadt nur noch aus Tiefbahnhöfen, Theos und Gerbers besteht.

  • LKTRSNDY sagt:

    Stuttgart ist seit 2 Jahren dabei, alles war so eine Stadt lebenswürdig macht, kaputt zu machen. Und es macht überhaupt keinen Sinn. Was aus diesem Areal werden soll, ist eh noch in den Sternen. Ich weiss manchmal nicht, ob das von Seiten der Stadt absolutes Sch**ß-Spiessertum ist oder kompletter Dilettantismus.

    Stuttgart Suckt!

  • rapheal sagt:

    vorübergehende Förderung einer bezahlten Stelle für Geschäftsführung und Kommunikation, bis contain’t wirtschaftlich arbeiten kann

    träumt weiter…

  • mars sagt:

    dann zieht auf den marktplatz … wird mal zeit, dass sich da kulturell auch mal was tut ..

  • mars sagt:

    @ LKTRSNDY : beides gepaart mit gier, investorendruck und extrem kleingeistiger provinzialität … so schafft man es bestimmt stuttgart als metropole zu etablieren und die eigenen minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren ..

  • Maga Ruffin sagt:

    Das geht zu weit … Wie erdrückend … die wollen das wir im Kessel ersticken! Ich denke aber da werden die auf Widerstand treffen … Unglaublich! Stuttgarter vereinigt euch und traut euch mal was!!

  • martin sagt:

    was ist denn eigentlich auf dem areal irgendwann geplant? wohnungsbau? betrifft das auch diese fläche?

    http://www.stuttgarter-zeitung.....faf02.html

  • Lisa sagt:

    Falls hier jemand Twitter hat: Habe mal einen #safecontaint hashtag kreiert. Gerne fleißig benutzen, denke jede Aufmerksamkeit kann gebraucht werden.

  • Angela sagt:

    Eben, dass finde ich so schlimm. Der ganze Platz für die kreativen, alternativen Anti-Establishment-Leute wird in dieser Stadt einfach weg rationalisiert. Hier wohnen nur noch Maschinenbauer in Karohemden, langweilige Ingenieure, noch langweiligere BWLer und Hippster, die nur mit Ihren Klamotten beschäftigt sind. So wenige kearive Köpfe, so wenige Denker, so wenige Künstler, so wenige Dichter. Brutal langweilig diese Stadt!

  • Tom sagt:

    Hoffentlich ist die Stuttgarter Szene, die sonst nichts anderes kann als jammern und meckern, nun entlich mal bereit etwas zu tun! Besetzt das Areal, demonstriert, belästigt die “da oben” im Rathaus, startet meinetwegen ne fucking Revolution… Hauptsache ihr tut IRGENDWAS!!!!

  • Thorsten W. sagt:

    Aber echt, Scheiß Stadt, dieses Stuttgart. Diese ganzen Turnschuh sammelnden Hipster-Spinner sollen nach Berlin gehen, wo sie hingehören, dann geht’s hier endlich wieder bergauf mit der Suppkultur!

  • Angela sagt:

    Thooschten! “Turnschuhsammelnde Hipster-Spinner” haben nichts mit Künstlern, Musikern oder Philosophen zu tun. Des eine ist nen Modetrend, das andere ist Lebensart.

  • ChrisK sagt:

    Muss jede Stadt alles bieten? Muss jede Metropole Raum für jede Subkultur bieten? Sozusagen die Königstrasse der “Lebensarten”? Ausserdem verwundert mich etwas, dass eine Lebensart abhängig davon sein soll, ob es in bahnhofsnähe ein paar Bretterbuden gibt.
    Aber vielleicht bin ich auch nur einer dieser anderen Typen, die in Karohemden rumlaufen, den ganzen Tag sich und andere mit ihrer Präsenz langweilen, Abends nichts anderes vorhaben als im Internet Klamotten zu kaufen und eigentlich keine Ahnung vom wahren Leben haben. Tschuldigung dafür an dieser Stelle.

  • RaphaelHaze sagt:

    Stuttgart hat kein Platz für Kunst und Kultur. Nichts übrig für Interessante Subkultur.
    Es geht hier um Wirtschaft!

    ALLES AM ARSCH!

  • Daniela sagt:

    2. Vorschlag für nen neuen T-Shirt Spruch: Ich bin so wütend auf die Stadt, dass ich’s mir sogar aufs T-Shirt schreib.” DAS ist Stuttgart.

    Ansonsten weiterhin gern auch die Motherf******Kultur.

  • LKTRSNDY sagt:

    @ChrisK: Nein, eine Stadt muss nicht alles bieten. Jede Stadt hat ja seine eigenen Besonderheiten, die diese besonders machen. UNd wenn eine Stadt besonders ist, weil es dort besonders tolle, und viele, und neue Einkaufszentren gibt, dann ist das eben so. Die Frage ist dann eben nur, ob das eine Stadt auch wirklich so besoners macht im nationalen oder internationalen Städtevergleich. Eine Stadt muss nicht alles bieten, aber eine Stadt muss auch nicht alles kaputt machen, was andere nach und nach absiets des gängigen, “normalen” aufgebaut haben. Und vorallem muss sich eine Stadt, oder deren Stadtoberen an seine eigenen Versprechungen und Abmachungen halten!

  • Giila Albracht sagt:

    War heut bei der Vorzimmerdame der Leitung des Amts für öffentliche Ordnung und hab da angemerkt, welchen Schaden diese Behörde mit Aktionen wie Contain´t in der Öffentlichkeit nimmt. Wie unglaubwürdig die Argumente sind. Dass wichtige Personen im Bereich Jugendkultur im Wiederstand involviert sind. Man schon lösungsorientiert vorgehen würde. Hab der Dame die Telefonnummern für “Sicherheit und Ordnung” sowie “Gewerbe” abgeluchst. Wenn man da so eine Art ZIVILISIERTEN UND KULTIVIERTEN Belagerungszustand der Telefonnummern arrangieren würde wären die vielleicht bald angenervt. So ne Art Widerstand von unten.

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