52 Albums/5: D’Angelo “Voodoo”

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Zu diesem Album gibt es eigentlich gar keine besonders persönliche Geschichte. Damals bei Four Music hatten wir mal eine Praktikantin. Es war sicher nicht die beste Praktikantin, und sie war glaube ich auch nicht lange da. Aber sie hatte eine eindeutige Vorliebe für dunkelhäutige Männer.

Sie ist immer mit der Posse von Scorpio (der mal bei Grandmaster Flashs Furious Five war und eine Zeit lang als Kumpel vom Bär in Stuttgart gewohnt hat) rumgehangen. Und sie hatte an ihrem Schreibtisch ein Bild von D’Angelo hängen. Halb nackt, wie D’Angelo halt meistens aussieht. Und für mich war das irgendwie so das typische Abbild eines schnulzigen, zweitklassigen R’n’B-Sängers.

Ich kannte D’Angelo damals noch nicht, muss ich sagen. Deshalb habe ich auch das Album “Voodoo”, das ich damals bekommen habe (wenn man bei einer Plattenfirma arbeitet bekommt man dauern CDs von anderen Plattenfirmen), nie angehört. Weil da war er wieder halbnackt vorne drauf (siehe oben). Und auch das Video zu “How Does It Feel” hat mich nicht besonders dazu ermutigt, weil da ist D’Angelo auch halbnackt (später schön persifliert von meinen Lieblings-Deutschrapper Dendemann). Und auf die Musik hab ich deshalb nicht gehört.

Aber irgendwann, ein paar Jahre später, hab ich die CD im Auto eingelegt. Und ich war absolut geflasht. Irgendwann hab ich die Wörter “deep” und “minimal” gefunden, die die Musik am besten beschreiben – und das bei Soul.

Bei den meisten Tracks gibt es nur einen Bass, ein Schlagzeug und die Stimme von D’Angelo, die oft an Marvin Gaye und selten an Prince erinnert. Mehr ist da nicht, aber der Sound zieht absolut in den Bann. Arrangements, Instrumentalisierung, Lyrics, alles ist der absolute Hammer, nicht überproduziert, kein Bling-Bling, aber auch kein Retro-Scheiß.

Man muss natürlich Soul bzw. Neo-Soul bzw. NuSoul mögen, aber ich denke dass man sich in dieses Meisterwerk wirklich gut reinhören kann. Am Anfang gleich eines meiner Lieblinge, “Devil’s Pie”, das der gute Premier mitproduziert hat. Dann das nächste Highlight, “Left & Right” mit Redman und Method Man zusammen. Das ist das Stück, das später noch mal als fabelhaftes Bootleg “Follow Me” von Red Astaire auf G.A.M.M. in die Clubs kam.

(Notiz am Rande: Bei Frico und mir war im Stereo mal Florian Keller zu Gast, der hat ein Cover von “Follow Me” mit Alice Russell gespielt – und ich hab das verdammte Stück nie gefunden, weder auf Vinyl noch digital. Das war ein Whitelabel von Tru Thoughts – wer das hat oder besorgen kann, bitte melden!)

Neben Premier ist übrigens Rapahel Saadiq der einzige Co-Produzent auf dem Album (auch einer meiner NuSoul-Helden, der übrigens Mitglied der 80er-Soul-Kombo Tony! Toni! Toné! war), bei der Single “Untiteled (How Does It Feel” (die mit dem Nackedei-Video). Den Rest hat D’Angelo alles selber zusammengebastelt, und auch viele Instrumente selber eingespielt.

Ich hab mir später dann auch das erste D’Angelo-Album “Brown Sugar” gekauft, aber das ist allenfalls guter Durchschnitt im Angie Stone-Format (mit der er übrigens mal zusammen war) und nicht mit “Voodoo” zu vergleichen.

Nach “Voodoo” ging es ziemlich bergab mit D’Angelo, er hatte Drogenprobleme und einen schweren Autounfall. In letzter Zeit ist er allerdings wieder vereinzelt als Feature in Erscheinung getreten, u.a. bei J-Dilla, Common und auf dem aktuellen Q-Tip-Album. Laut Wikipedia soll noch in diesem Jahr das dritte D’Angelo-Album mit Namen “James River” erscheinen – ich bin gespannt!

PS: Witzig. Gerade geh ich für den Link auf die Four Music-Seite, und welches Album wird da empfohlen? Das neue von Raphael Saadiq, das allerdings sogar mir etwas zu 60s-Retro ist.

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