Hör auf mit dem Geräusch

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Neulich in der kessel.tv Redaktionssitzung am Marienplatz: gefühlte 30 Grad Celsius für uns und 86 Fahrenheit für Thorsten. Lichtschutzfaktor 50 für uns blasse Blogger. Schokokuchen für Elbe, Apfelrahm für mich, healthyfood für Hotte. Wo ist eigentlich Setzer, wenn man ihn braucht?

Wir sind gerade an unserem wichtigsten Punkt der Tagesordnung (Gleich nach “Sollen wir n Sonntagsbier trinken?”) angekommen: Agenda-Setting. Themenbesprechen für die nächste Ausgabe kessel.tv. Welche heißen Eisen packen wir an? Und an welchen soll sich lieber das Stadtkind die Finger verbrennen?

Kommt doch nicht ein Kind an unseren Tisch – und ich mag diese verschachtelte Verneinung, verstehe sie aber nie richtig einzusetzen – und fiept in Ultraschalltönen. Keine Ahnung, wieso. Wir haben mit der Scheisse nicht angefangen. Da musste ich dann als Stammesältester schon mal eingreifen und dem Kind statt der Eiskarte die Leviten vorlesen:

“Hör auf mit dem Geräusch” sag ich, “sonst bloggen wir über dich!” 

Und was macht das Kind? Weiter!

Okay Leon, du wolltest es nicht anders. Der hier ist für dich, du kleine Arschgeige. Ich wünsche Dir, dass du zu Ostern nichts weiter findest, als ein lausiges FDP-Ei. Käfighaltung. Legebatterie. MHD abgelaufen. Lila durchgefärbt von der Schale bis zum Dotter. So. Nämlich.

Hab selber noch n paar davon. Weil ich nicht “Nö” sagen konnte, als mir neulich ein Kommunalpolitiker Eier mit selbstgemachter Werbebotschaft aus dem HERMA Etikettendrucker in die Hand drückte. Und damit “den persönlichsten Wahlkampf aller Zeiten” und “die beste Promo-Idee der Welt” einläutete.

Dann fragte er: “Haben Sie noch Angehörige zuhause?” Das klang mehr nach Sterbehilfe als nach Stimmenfang. Aber ich versteh die FDP. Man weiß, worauf sie rauswollen. Besserverdiener. Wählerstimmen. Hürdenlauf ohne Reissen. Hätte ich an dieser Stelle zehn wahlberechtigte, bürokratie-affine Mitbewohner zusammengelogen, hätte ich jetzt Eier satt für Ostern. So muss ich halt nochmal los.

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Nochmal los müssen auch die Fans der Stuttgarter Kickers an diesem Wochenende. Alle nach Halle. Und alle ein Doggybag. Ich hab mich für beides abgemeldet. Mir ist Halle zu weit. Und zu weit östlich. Bin ja eigentlich kein Schönwetterfan, aber halt Schöngegendfan. Wobei ich nicht ungerecht sein will: ich weiß gar nix über Halle. Ausser die beiden Stadt-Land-Fluss-Joker Fluss mit S “Saale” und Land mit D “DDR”.

Beim Kickersflyer fällt dem Zwangslektor in mir noch das Wörtchen “Frühstückspacket” auf, obwohl ich grammatikalisch selber eine Wutz bin. Ich glaube, dass mittlerweile mehr Leute Paket mit C-K schreiben als ohne. Und dann spricht man ja wohl von Gewohnheitsrecht. Und dann gildet das.

Das liegt wohl an den ganzen Spar-Packs und Vorteils-Packs. Neulich ist mir auch das Unternehmen “Plastik Pack” untergekommen. Unglücklicher Name, finde ich. Verdammtes Plastikpack!

Doggybag jedenfalls ist die beste Erfindung aus den USA. Noch vor Interweb und Autos mit Holzmaserung. Doggybag ist die perfekte Kombo aus hier essen und to go. Weil man mitten im Abendbrot sagen kann: “Darf ich aufstehen? Spielen?” Und dir der Ober deine halbe Portion dann zum mitnehmen einpackt.

Wenn du im Oggi irgendwann nach 2/3 der Langusten Tagliatelle zum Alfredo sagst “Ich pack’s nemme. Pack du mir’s ein”, dann jagt er dich vom Kleinen Schlossplatz.

Sagst du das Gleiche in einer anderen Sprache in den USA, bekommst du ein schickes Styroporpacket und isst einfach nach deinem Diskothekenbesuch weiter. Vielleicht der Grund, warum es in USA so gut wie keine Dönerläden für den kleinen Appetit zwischen 4 und 5 a.m. gibt?

Naja. Vieleicht doch nicht. Dafür gibt’s dort ja Taco Trucks.

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Ich hab aber auch immer ein Pech. Wie geht das Sprichwort? Glück mit dem Dritte-Liga-Verein, Pech beim Panini-Sammeln. Oder auch: Glück im Spiel, Geld für die Liebe. Fingernägel könnteste mal putzen, Freundchen!

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