Ich weiß doch auch nicht…

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Was jetzt eigentlich? Schneider raus? Bobic raus? Oder VfB raus? Letzteres klappt bereits ganz ansehnlich. Denn Fußball ist beim VfB Stuttgart mindestens schon vier Spiele lang raus und wenn das so weiter geht, ist auch die Sache mit der ersten Bundesliga bald abgehakt. Der Rubenbauer dann so: “Raus! Raus! Raus! Der VfB ist raus!”. Und der Rest steigt mit ein: “Nüüühhhh mmeeehhhr erste Lüüügahhh.”

Gegen Bayern und gegen Leverkusen war das vor ein paar Wochen eigentlich gar nicht schlecht und die Lernfähigkeit kann man dem VfB Stuttgart keinesfalls absprechen. Immer 1:0 in Führung gegangen und dann halt unglücklich, aber eben doch noch verloren – da fehlte es eindeutig an Zukunftsperspektiven. Deshalb hat der VfB das Manko mittlerweile behoben: Jetzt gehen die anderen in Führung und der VfB verliert ganz normal ohne sonderlich gravierendes Drama. Andererseits (laut Sportschau-Statistik): Wenn der VfB in dieser Saison bislang 0:1 hinten lag, hat er auch nie gewonnen. Da brauche selbst ich keine Finger dazu, um auszurechnen, dass wir ein Problem haben.

Miese Grundvoraussetzung, besonders, wenn man auf der Suche nach Logik oder wenigstens einem Ausweg aus der Situation ist. Fortschritt kann wirklich schwierig sein. Der Rest sind wöchentliche Durchhalteparolen, irgendwas mit einem “Ruck”, der durch die Mannschaft gehen muss und ein bisschen die Gewissheit, dass die Kickerei halt doch nur mit Abwehr Sinn macht.

Richtig haarsträubend wird’s wenn Ende Februar schon “Prominente” von den Stuttgarter Nachrichten gebeten werden, den folgenden Satz zu komplettieren: “Die Bundesliga ohne den VfB Stuttgart…” – als wäre das eine längst beschlossene Sache. Hab’ mich nichtmal durch die angehängte Galerie durchgezappt, sondern gleich heimlich nachgezählt, wieviele Spieltage wir noch vor uns haben. Das wiederum habe ich sofort wieder vergessen, weil ich etwas panisch wurde.

Horrorszenario: 10. Mai 2014, letzter Spieltag: Der VfB Stuttgart braucht noch einen Punkt zum sicheren Klassenverbleib. Machbar. Es sei denn man spielt halt wie der VfB gegen die Bayern. Da geht im Normalfall gar nix, außer die Muffe. Und wenn – wie kürzlich – doch mal was gehen sollte, macht der Thiago Alcantara vom FC Bayern in der Nachspielzeit das Tor des Monats. Kurz: Das ist als ob Dir jemand zu Ostern eine Schaufel schenkt, damit Du Dein Grab selbst ausheben kannst. Voll nett, Danke. Socken wären auch okay gewesen.

Ehrenwort. Ich wäre gerne sauer, stinksauer sogar. Und ich würde auch gerne ziemlich laut rummotzen und “irgendwer raus” brüllen. Dass nun aber nicht mal das mehr funktioniert, sagt mir leider alles. Da stehe ich ratlos rum irgendwo zwischen “ohjeh”, “ohgott”, “und jetzt?” und “Die Pyjamahose ist gerade so gemütlich, ich glaube ich warte auf die Zusammenfassung in der Sportschau”.

Dort wiederum wird das dann schnell abgehakt und jedes Mal wenn der VfB da nicht gut wegkommt, denke ich: “Kackwerbung für unsere Stadt” – die Sportschau wird schließlich von vielen Menschen angeschaut, die nicht aus Stuttgart kommen – und weil mittlerweile ja alles Werbung für oder gegen was ist. Für Fairness, für Fußball, gegen Gewalt, gegen Rassismus und all das Zeug, das eigentlich keine Werbung brauchen sollte.

Wahrscheinlich werden die VfB-Spiele in der Sportschau bald in Schwarz/Weiß gezeigt mit schwarzem Rahmen außenrum. Musik: irgendwas in Moll. Es ist sogar schon soweit, dass Befürworter des 1. FC Köln ohne vorgehaltene Hand über mich lachen und mir spöttisch ihr Bedauern ausdrücken, dass der VfB in der kommenden Saison wieder nicht gegen Köln spielen wird.

Samstagabend wollte ich sogar Pharrell Williams mit Heftklammern volltackern lassen: “Happyhappyhappyhappy” – Schnauze, Du Arsch. Aber Bürotechnik ist auch keine Lösung. Ich weiß.

Ich stütze mich jetzt mal auf den alten Klassiker vom noch olleren Willi Lemke von Werder Bremen: “Was haben sie denn? Das war doch ein Bombenspiel! 7:1! Leider nicht für uns, sondern für den Gegner.”

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