Denn man tau

 

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Manchmal darf’s doch auch einfach richtig gut sein. Nicht blödi und nicht mittel, sondern richtig gut. Das passiert meistens dann, wenn man aus dem Quark kommt und sich auf die Socken macht. So wie dieser junge Mann am Samstag. Den hab ich an der Tanke Immenhoferstraße getroffen. Das ist glaub die, die stĂ€ndig ĂŒberfallen wird, weshalb nachts dann immer so Snake-Plisken-Klapperschlangen-mĂ€ĂŸig Helikopter ĂŒber unserer Stadt kreisen (#ghettobird).

Egal, andere Geschichte, anderer Film. Samstagmittag kurz vor zwei jedenfalls an der OMV-Tankstelle: RĂŒlpsend steigt dieser Hansa Rostock Fan neben mir aus dem Auto. Wir sind beide auf dem Weg nach Degerloch, nur er weiß das noch nicht.

“Bist du jetzt ernsthaft extra fĂŒr ein Drittligaspiel den ganzen Weg aus Rostock nach Stuttgart gefahren?” frage ich. TĂŒrlich antwortet er – um 4.00 sei er losgefahren. Und das, obwohl man in der Ostsee noch baden könne.

Dann will er wissen, wo das Neckarstadion ist. Ich muss ihn enttÀuschen und ihm erklÀren, dass es sowohl das wie auch den Erstligisten Hansa Rostock schon lange nicht mehr gibt.

“Stimmt ja. Das ist ja das Gazi-Stadion.”

Er spricht das mit ganz scharfem Z aus. Wie in Nazi. Aber er meint es nicht bös. So muss sich Fanfreundschaft anfĂŒhlen. Ich schicke ihn Richtung Fernsehturm. Kennt er. Von dort oben habe er die letzten beiden Partien gesehen. Stichwort Stadionverbot. Dann verabschiedet er sich mit dem Original Ostseegruß “denn man tau” und lĂ€sst mich staunend stehen.

So Ă€ndern sich die Zeiten: inzwischen ist der Fernsehturm zu und das Stadion fĂŒr ihn wieder offen und die Kickers gewinnen dank zweier verwandelter Elfmeter durch Porno-Enzo und einer guten Leistung in Halbzeit zwei verdient mit 2:0. Wieviel Punkte sind es eigentlich bis zum Nichtabstiegsplatz und wieviel Kilometer zurĂŒck nach Rostock?

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Meanwhile in Malmsheim. Weil nicht jedes Wochenende Heimspiel ist, ist an diesem Wochenende Monstertruck. Das grĂ¶ĂŸte Quad der Welt zum ersten Mal in Deutschland. Teufelskerle auf vier und mehr RĂ€dern. Herrlich. Ich kann ja dann immer nicht anders und muss mich digital in so eine Szene reinarbeiten. Sprich: jemand fragen, was es denn genau damit auf sich hat.

Thorsten antwortet: “Geil, war ich schon.”

Google antwortet: “Springen mit Motorrad ueber Personen/Autos. Durch Feuerbarrikaden – Wheeling. Saltocrash. Kegelcrash. Frontalcrash. Fahren mit Autos auf zwei Raedern. 180° Wendung (Ballet auf vier Raedern).”

Ein ganz normaler Samstagabend auf der Theodor-Heuss-Strasse also. DafĂŒr muss man ja jetzt nicht extra nach Malmsheim fahren. Und den wahren Autostunt entdecke ich so oder so kurze Zeit spĂ€ter auf dem Parkplatz eines Baumarkts, wo ich mir fĂŒr – wie ich finde – viel zu viel Geld einen Profi-Seitenschneider kaufe.

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Nennt es zwanghaft, nennt es “wohl zu viel Zeit, was?” – aber ich muss auch da nachschauen. Und staune, dass der erste Navigationspunkt bei darmfeger.de zweites Einkommen oder Karriere lautet. Karriere als Darmfeger.

Mama, Papa – ihr sollt es als Erste erfahren: ich hab umgeschult. Why not. What the fuck. Yolo. Ayran-Cola. Verschlackter Darm = Verschlackter Körper = keine gute Voraussetzungen fĂŒr optimale Gesundheit = Luft nach oben auf der Karriereleiter.

Der sympathische Doktor Goebel vom Double Diamond Chairmann’s Club findet dafĂŒr klare Worte.  #Bullshit-Bingo #Luxus-Uhren #Oberklasse-Autos #Multimedia-Zeitalter #bittebiszumendeschauenundversuchennichtzulachen.

Wie kommt es aber eigentlich zu Darmschlacke, fragt sich der bewusste Leser. Und  Deutschlands grĂ¶ĂŸter Darmblog kessel.tv  antwortet mit einem Zitat vom Darmfeger: “Durch ungewaschene HĂ€nde eines Koches und auch durch ungeschĂŒtzten Geschlechtsverkehr.” Was ja mehr oder weniger das Gleiche ist. Und als Risikofaktor nur noch ĂŒbertroffen von ungeschĂŒtztem Geschlechtsverkehr mit einem ungewaschenen Koch.

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Meanwhile auf dem Marktplatz: nach diesen ganzen nervenaufreibenden Koalitions-Diskussionen der letzten Wochen endlich Licht am Ende des Tunnels: Deutschland – das ist Sven. Sven – das ist dein Deutschland. Saugut, dass du da kurzfristig einspringst und den sicher nicht immer ganz leichten Job der Bundesregierung machst. Sven wurde zunĂ€chst mal mit dem Interims-Windbreaker der Bundesregierung ausgestattet, aber sobald das Ergebnis der Stichwahl durch den BundesratsprĂ€sidenten bestĂ€tigt ist, bekommt er auch das offizielle Zepter und die Bundes-Fleecejacke.

Bundessven kommt aus TĂŒbingen und studiert eigentlich ErlebnispĂ€dagogik. Bundesregierung macht er nur halbtags. Aber nicht minder engagiert. Als der Anruf kam, ob er nicht Bock hĂ€tte, hat er keine Sekunde gezögert.

Als erstes will er mit seiner WG-Mitbewohnerin Birte den GlasmĂŒll runterbringen und dann in der zweiten Legislatur-Periode die ganz heißen Eisen anpacken. Das Nacktbaden am Baggersee Kirchentellinsfurt zum Beispiel, das will Sven ebenso legalisieren wie das Ehegattensplitting fĂŒr Pendler.

Sagt mal, kommt nur mir das so vor oder bin ich bissle vom Thema abgeschweift? Egal, dann eben ein paar Takte Musik:

Und jetzt alle! Auf die Melodie eines bekannten Falco-Hits: “Out of the quark…”.

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