End of Green – The Painstream

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Die Lümmel von der letzten Bank: End of Green featuring Setzi Setzen.

Achtung Lobgesang. Wir machen kessel.tv zu Deutschlands größtem digitalen Poesie-Album – und in allen vier Browser-Ecken soll Liebe drin stecken. Wir schütten unser Herz aus für Michael “Setzi Setzen” Setzer.

Nicht, weil wir ihn so gut kennen – sondern, weil er damit angefangen an. Auf dem neuen Album seiner Band End of Green “The Painstream”. Jetzt ist hier mal Schluss mit Disco und wir packen den Stier bei den Eiern. “The Painstream” strotzt nur so vor Energie und vergießt die 3 großen Rock’n’Roll Sekrete Blut, Schweiß und Tränen in Hochpotenz.

Die Produktion ist bombe und hätten wir nicht nachweislich SMSs, in denen steht “Sorry. Kann net zur kessel.tv Generalprobe kommen. Bin in München im Studio”, dann würde ich glauben, End of Green hätten irgendwo jenseits des Teichs aufgenommen.

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Herausgekommen sind elf große ausschweifende Songs mit einem Hang zur Melodramatik. Da hat aber jemand ein Gespür für Melodien und besitzt dazu das Breitband-Charisma eines Popstars und die technischen Finessen eines Top-Stürmers. Und macht dann einfach so ein Album.

Und mittendrin ausgerechnet Michael Setzer, einer der liebenswürdigsten Menschen, die ich kenne. Der sich schon vorab entschuldigt, wenn er auch nur fünf Minuten zu spät kommt. Der mit uns stundenlang in der Maske sitzt, um danach auszusehen wie einer aus der schwäbischen Kiss Coverband “kissel”. Michi Setzer, der mit uns den letzten Rest aus dem Erdnuss-Schälchen in der Boa teilt. Dieser liebe Kerl macht jetzt unterstützt von seiner Band mit uns allen obenrum einen Group-Hug. Und unten treten sie uns in den Magen.

Und das fühlt sich verdammt gut an. Das letzte Mal, dass ich persönlich ein Album gehört hab, das so wuchtig und trotzdem hochzerbrechlich daherkam, war das Debut von Sixx.a.m. Darauf hat Nikki Sixx seine Heroin-Vergangenheit verarbeitet. Da möchte man gar nicht wissen, was End of Green mit “The Painstream” aufarbeiten müssen – aber vielen Dank, dass wir an der Therapiesitzung teilnehmen dürfen.

Hammer auch das Video zur ersten Single “De(ad)generation” von den guten Stuttgartern Formzwei, die sich für diesen Job mit den Worten qualifiziert haben: “Das ist nicht so unsere Musik. Wir sind mehr so HipHop und Pop”. Ganz schön geil, was passiert, wenn man HipHopPoppern mal eine Kreissäge gibt:

Und weil niemand besser über Platten schreibt als Plattenfirmen, hier der offizielle Pressetext:

“Elf Songs und ein deutliches Bekenntnis zur einzig gültigen Währung des Rock’n’Roll: Songs. THE PAINSTREAM, das achte Album der Stuttgarter Melancholiker END OF GREEN ist da ein wahres Statement. Wo sich die Halbwertszeit für fast alles mittlerweile auf gerade noch höchstens zwei Wochen beläuft, berufen sich END OF GREEN auf die letzten echten Konstanten im Leben: Schmerz und Leidenschaft.

Und das gibt’s auf THE PAINSTREAM in all seinen schillernden Farben. Zwischen Metal, Alternative, Goth und Pop malen END OF GREEN aber nicht nur schwarz, sondern bieten eben diesen kleinen Funken Licht, der die Dunkelheit ein bisschen erträglicher macht. Manchmal fackeln sie auch einfach alles ab. Das Quintett aus Süddeutschland suhlt sich nicht im Drama, sondern macht es greifbar. Und laut. Mit THE PAINSTREAM treten Michelle Darkness, Kerker, Rainier Sicone Di Hampez, Lusiffer und Sad Sir beeindruckend und fast halsbrecherisch den Beweis an.

Den Weg in die Freiheit, hin zur völligen Unberechenbarkeit. Goth und Blues werden sich wahrscheinlich nie wieder näher kommen, als im seelenaufreibenden „DEATH OF THE WEAKENDER“. „HOLIDAYS IN HELL“? END OF GREEN sind der perfekte Reiseführer. Das vielleicht mutigste Stück auf THE PAINSTREAM: „DE(AD)GENERATION“. Mehr Popappeal und gleichzeitig mehr Tiefe hatten END OF GREEN bis dahin noch nie. Ein Lied zum Mitsingen, sollten einem die Worte dabei nicht im Halse stecken bleiben. Auch „THE PAINSTREET“ zeigt END OF GREEN von einer bis dato fast unbekannten Seite: Post-Rock mit Seventies-Flair, fragilen Arrangements und diese bittersüßen Vibes, die nicht mehr loslassen wollen, wenn sie einen erst mal an der Gurgel gepackt haben.

Doch gerade auch zynische Metalsongs wie „HANGMAN’S JOKE“ oder das packende „CHASING GHOSTS“ machen THE PAINSTREAM zum bisher beeindruckendsten Album, der Band, die sich nicht zwischen laut, leise, hart, zart und gemein entscheiden will, weil schlichtweg kein Grund dazu besteht.  THE PAINSTREAM wurde abermals in den Münchener Weltraumstudios zusammen mit Corni Bartels (Hackneyed, Killerpilze) aufgenommen.

Die Charterfolge der Alben DEAD END DREAMING (Platz 99), THE SICK’S SENSE (Platz 21) und HIGH HOPES IN LOW PLACES (Platz 17) sprechen freilich eine eigene Sprache, doch ohne einen Stadtpunkt und eben die Songs, ist auch das nicht ansatzweise das Blatt wert, auf dem es niedergeschrieben wird. END OF GREEN mögen Underdogs, verkannt und durchaus etwas kauzig sein. Doch sie haben Standpunkt, Werte und keine Angst, für beides gerade zu stehen. Und das wiederum ist nichts anderes als die Definition von Rock’n’Roll.

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