Marienplatzfest und Kunst im Club

Der Marienplatz ist für mich eines der Stadtentwicklungsphänome der letzten Jahre. Eigentlich ist der Platz, so wie er da steht, eine verschissene Betonplatte. Charme sieht anders aus und mehr Charme hatte der Platz zwischen Böblinger, Tübinger, Böheim und Hauptstätterstraße eigentlich, als er noch ziemlich grün war, da aber wiederum zum Dealen eingeladen hat.

Im Rathaus stufte man das wohl als üble Ecke ein – gut, richtig wohl gefühlt hat man sich damals auch nicht, sondern hatte eher bisschen Schiss abgezogen zu werden – und hat sich für die sichtfreie Betonvariante entschieden. Vor ein paar Jahren hat man gemerkt, nicht so wirklich einladend, was wir da fabriziert, also lass mal neben der Zacke noch eine Eisdiele drauf setzen, auch wenn es bist dato schon lecker Eis im Kaiserbau gab.

Irgendwie und irgendwann haben in den letzten Jahren immer mehr Menschen den Marienplatz für sich entdeckt. Ob das jetzt allein an der Eisdiele lag, glaub ich nicht, sondern eher auch an den neuen Restaurants, die sich ringsherum ansiedelten und eben an besagtem Kaiserbau. Und natürlich dem üblichen Effekt – wenn  da alle hingehen, gehen wir halt da auch hin. Und ich auch. Hol mir lieber dort ein Eis als in der Innenstadt. Und neulich erst sass ich ne Stunde mit Familie Geigerweh da rum und musste wieder feststellen: am Marienplatz kann man es aushalten – warum auch immer.

Läuft also und weil es läuft gibt es seit letztem Jahr das Marienplatzfest.

fr_sa_marienplatz

Wenn ich mich richtig erinnere, so hieß es letztes Jahr, gab es das ganz früher schon mal und die Galao-Leute haben das quasi aus der Versenkung geholt. Oder? Der PR nach wurde die Marienplatzfest e.V. gegründet, bestehend aus sieben Mitgliedern. Wie schon 2012 soll “der Marienplatz 2013 über 4 Tage vom 4.-7.Juli in ein Domizil für Musik aus den Bereichen Indipendent Folk, Indie Pop, Trip Hop und Electronic, für Urban-Art- und Poetry, Slackliner und Parkour Tracteurs verwandelt werden.”

Das letztjährige Engagement wurde kürzlich auch beim MARS geehrt und heimste prompt den Award in der Kategorie Veranstaltung ein. War letztes Jahr leider selbst nicht dort, aber wenn ich mir das Video anschaue, kann die Award-Vergabe durchaus nachvollziehen.

[vimeo]http://vimeo.com/53416608[/vimeo]

 

Hier noch eine Programmübersicht…

Marienplatzfest_Back

…und mehr findet man auf www.marienplatzfest.de oder unter www.facebook.com/Marienplatzfest.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Kunst & Urban Art Festival “Kunst im Club” im Zollamt, das allerdings erst morgen startet.

fr_sa_zollamt

Wie der kleingedruckte Flyer schon erahnen lässt, ist auch hier an drei Tagen viel geboten. Gab es letztes Jahr auch schon und zwar einen Monat später Anfang August. Durfte da frühabends bisschen auflegen und das war ne schöne Atmosphäre. An jeder Ecke wurde gemalt, installiert, gesprüht und ausgestellt und sonst was gemacht, was Künstler halt so machen. Soweit ich noch weiß, ist Kunst im Club eine Plattform für lokale und regionale Aktivisten sein.

www.kunst-im-club.de 

19 Comments

  • Holger sagt:

    So phänomenal finde ich das Stadtentwicklungsphänomen gar nicht. Große freie Plätze, die alle möglichen Nutzungen – sprich: urbanes Leben – erlauben, gibt es doch in jeder richtigen Stadt. Das haben die Planer (die damals übrigens heftig gescholten wurden) meines Erachtens schon richtig gemacht. Anfangs fehlte dem Platz allerdings einiges, was ihn zu einem solchen macht: klare Raumkanten. Ob gelungen oder nicht: heute gibt es rundrum hohe Gebäude, die den Platz einfassen. Und die kümmerlichen Bäumchen haben sich inzwischen auch entwickelt und geben zusätzlichen Halt.

    Das eigentliche Phänomen für mich: dass das Marienplatzfest mit einem solchen Programm abseits des Mainstreams soviel Publikum zieht. Ich freu mich jedenfalls darauf…

  • martin sagt:

    hmm joah weiß nicht. zunächst mal war da halt ne betonplatte wie gesagt. und welche rundum hohen gebäude gibt es da jetzt, die nicht schon immer da waren? das südtor?

    wie auch immer. gut, dass es die leute so angenommen haben. sah lange nicht so aus, weil eben meiner meinung nach jahrelang überhaupt nicht attraktiv. das hat man ja dann auch in der stadt gemerkt und deswegen die freigabe für die andere eisdiele on top erteilt

    und letzteres ist klar schön aber ich finde, das passt da eben auch gut rein so wie es ist.

  • Holger sagt:

    Wenn ich mich recht erinnere, war die Ecke Filder-/Hauptstätter Str. nicht bebaut. Da waren doch so Reste von einer Brauerei… Im Luftbild sieht man übrigens, warum es trotzdem nicht richtig doll werden kann. Die Hauptstätter Straße ist einfach zu breit. http://goo.gl/maps/Fzict

  • martin sagt:

    yo, das ist jetzt das besagte südtor…. naja egal, hauptsache: läuft. 🙂

  • Ken™ sagt:

    Kunst im Club? Mir wären Function One oder Martin Audio lieber!!! 😉

  • Kollege geiger sagt:

    Kiosk und Pilsstube neben dem kaiserbau werden wohl dieses Jahr noch frei bzw. neu vermietet.

  • martin sagt:

    die gläserne bloggerei?

  • Kollege geiger sagt:

    Erstmal ne schöne Baustellenbesichtigung. Montag 9.00?

  • Also Marienplatzfest ruled, würd ich mal sagen! #sowasvon

    Off-Topic!
    Abgesehen davon, hab ich grade entdeckt, dass der Kollege Geiger ein Buch geschrieben hat. Das Werk nennt sich “autoreverse” Ich habs hier grad vor mir liegen (arbeite ich in Bücherei, weisch). Habs mir auch gleich vorbestellt, um mehr vom Geiger zu haben, als “nur” hier auf kessel.tv.
    Also entweder ist mir der Beitrag bei Kessel.tv nicht aufgefallen oder ihr habt vergessen dass Kollege Geiger ein literarisches Werk geschaffen hat.

    Vom Klappentext:
    “Autoreverse ist ein Leichtkraftfahrrad zwischen Tanzschule Dieterle und Rockfabrik Ludwigsburg. Eine Zeitreise zwischen 1979 und 1984. Ein Roadtrip vom JuHa Stuttgart-Möhringen nach Südfrankreich und zurück. Eine Plattensammlung von A wie AC/DC bis M wie Motörhead. Ein Leben zwischen Bier mit Cola, Schwarzer Krauser mit Hatschis und Mädchen mit Busen.”

    Irgendjemand hat sich noch zu einer Kurzrezension hinreißen lassen:

    “Wie Feuchtgebiete. Mit Gitarren. Aber ohne den ganzen Geschlechtsverkehr.”

    Beste Grüße

    Chris Hoonoes

  • martin sagt:

    “Also entweder ist mir der Beitrag bei Kessel.tv nicht aufgefallen oder ihr habt vergessen dass Kollege Geiger ein literarisches Werk geschaffen hat.”

    http://kessel.tv/?s=geiger+autoreverse

    ich glaub, wir haben das thema doch sehr ausführlich begleitet und für und mit unserem einzigarigen senior geiger auch die releaselesung organisiert 😉

  • Kollege Geiger sagt:

    Wann war denn diese releaselesung? War da glaub in Berlin…

  • JMO2 sagt:

    Noch eine Schräggastro weniger, wenn der “Treff bei Anna” wegfällt?! Sad times…

  • Okay, dann hab ichs einfach vercheckt, übersehen, nicht sehen wollen, wie auch immer. Danke fürs drauf aufmerksam machen, kessel.tv übersieht halt nix! 😀

  • kutmaster sagt:

    Nächstes Jahr schreib ich dann ein Buch. “Autopilot – wie man sich erfolgreich durch’s Leben schlängelt und dabei trotzdem erst um 12 Uhr aufstehen muss.” 🙂

  • martin sagt:

    hahahaha!

    @chris: naja, alles kann man nie sehen. 😉 aber wäre doch auch schlimm gewesen, wenn wir nicht unseren supergeiger supporten würden oder?

  • Haja, des hätt mich auch sehr verwundert, wenn ihr den nicht supporten würdet.
    Ich war gestern den ganzen Tag aufm Marienplatz und fands echt Super, die Stimmung war Bombe! Mir war nur sehr warm, aber was will man machen, da muss man als Hase halt durch, nicht wahr!
    Supergeiger… 😀
    Das Buch von Kutmaster würd ich mir glaub auch kaufen! Das mit dem schlängeln hab ich schon gut raus, nur mit 12 Uhr aufstehen is mein Job irgendwie nich einverstanden… Versteh ich gar nicht.

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